Motivation: Wie das Büro unsere Leistung beeinflusst
Die Bewertungsplattform Glassdoor ermöglicht Arbeitnehmern, Informationen über ihren Arbeitsplatz mit der Community zu teilen. Dazu gehören auch Fotos aus dem Büro. In der Züricher Google Zentrale führt der Büroflur nicht nur an den Schreibtisch, sondern auch auf den Erlebnisspielplatz. Zwischen Baumstämmen und Wabenhäuschen schwirren hier Mitarbeiter des Internetkonzerns umher.
Quelle: Glassdoor
Foto: PresseAdidas
Das Adidas Headquarter in Herzogenaurach empfängt Mitarbeiter im futuristischen Look mit riesigem Platzangebot. Das sorgt dann auch für ausreichend Bewegung am Arbeitsplatz: Logisch, dass man sich hier auf dem Weg zu Toilette, Drucker oder Kaffeeküche Sneaker umschnürt.
Quelle: Glassdoor
Foto: PresseBooking.com
Im Amsterdamer Büro von Booking.com kommen sich die Mitarbeiter nicht in die Quere: Das Lieblingsgefährt der niederländischen Arbeitnehmer hat im Büro nicht nur Platz, sondern sogar eine eigene Spur im Flur.
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Kind sein mit Kollegen: Im Büro der Lego Group in München können Mitarbeiter und Besucher mit den Kult-Klötzchen kreativ werden. Dazu gibt es einen eigenen Spielbereich im Lego-Look.
Quelle: Glassdoor
Foto: PresseDas Facebook-Büro in London gibt Mitarbeitern Gelegenheit, sich zurückzuziehen – zum Beispiel in dieses VW-Bus-Zelt. Hier heißt es dann runter vom Gas und kreativ Arbeiten in entspannter Road-Trip-Atmosphäre.
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Foto: PresseGoodgame
Der Blick in das Goodgame Studios Büro in Hamburg zeigt ein Großraumbüro der neuesten Generation: Luftige Loft-Atmosphäre trifft auf lässige Lounge-Elemente. Und wo früher die Aktentasche stand, parkt jetzt das Rennrad.
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Foto: PresseTravelbird
Das TravelBird-Büro in der niederländischen Metropole Amsterdam versprühte Start-Up-Charme: Discokugeln und ein offener Barbereich ließen vermuten, dass in diesem Büro nicht nur hart gearbeitet, sondern auch kräftig gefeiert wird. Nachdem das Unternehmen enorm schnell gewachsen ist, mussten bei einem Umbau allerdings die Diskokugeln weichen. Geblieben sind die Kaffeebar und ungewöhnliche Meetingräume wie das Gewächshaus im Bild.
Quelle: Glassdoor
Foto: PresseTrivago
Strandfeeling statt Bürostress. Damit sich die Mitarbeiter der Reiseplattform trivago auf das Thema Urlaub einstimmen können, gibt es im Düsseldorfer Büro Strandkörbe und maritimes Flair. Mit dieser frischen Brise kommt Büromuff erst gar nicht auf.
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Foto: PresseSkype
In das Skype-Büro in Prag möchte man sich nicht per Videotelefonie einwählen, hier kommt man gerne zum Meeting im Büro vorbei. Denn im Skype Büro warten offene Räume, Entspannungsinseln und stylische Konferenzräume auf Mitarbeiter und Besucher.
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Foto: PresseTelekom
In der Telekom-Zentrale in Bonn ist alles auf Kommunikation ausgerichtet: Lounge-Ecken in den Firmenfarben ermöglichen Mitarbeitern, sich in entspannter Atmosphäre über Projekte auszutauschen.
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Foto: PresseDas Fazit von Robert Probst klang bitter. „Rattenlöcher“ seien das, „monumentaler Irrsinn“. So harsch urteilte Probst 1997, drei Jahre vor seinem Tod, über seine eigene Erfindung: Cubicles.
So heißen die Raumteiler, die die riesigen Flächen moderner Großraumbüros in winzige Einheiten trennen. Heute gelten die Stellwände als Inbegriff einer anonymisierten Arbeitswelt, die Mitarbeiter nur noch als Kostenfaktor sieht. Probst musste das als Pervertierung seiner Idee erscheinen: Ursprünglich sollte sein „Action Office“, erfunden in den Sechzigerjahren, Schreibtischarbeitern mehr Raum, Freiheit und Privatsphäre garantieren. In der Praxis aber geschah das Gegenteil: Unternehmen nutzten sein modulares Bürosystem, um mehr Menschen auf weniger Fläche zu sperren.
Die von Probst erhofften positiven Effekte konnten sich so nie einstellen, im Gegenteil: Wer in Cubicles arbeitet, ist nachweislich gestresster, ängstlicher und lustloser als Kollegen in Einzel- oder Teambüros – das zeigen Studien mittlerweile eindeutig. Demnach leiden 90 Prozent aller Angestellten im Großraumbüro an den seelischen und körperlichen Folgen, resümierte der Gesundheitsökonom Vinesh Oommen von der Technischen Universität Queensland in einer Übersichtsstudie.
Das Design wird unterschätzt
Zu beklagen seien „Reizüberflutung, Verlust von Privatsphäre, Identitätsverlust, niedrige Produktivität und geringe Zufriedenheit“. Trotzdem sitzen allein in den USA laut einer Studie der International Facility Management Association 70 Prozent der arbeitenden Bevölkerung im Großraum. Warum?
„Unternehmen unterschätzen die Bedeutung des Designs“, sagt der US-Psychologe Ron Friedman, der jetzt ein Buch über die unbewussten Kräfte geschrieben hat, die an unserem Arbeitsplatz wirken. Welch große Rolle die Gestaltung spielt, erkennen Forscher mittlerweile immer deutlicher: Räume beeinflussen unsere Art, zu denken und zu arbeiten. Sie können uns motivieren oder ermüden, den Teamgeist fördern oder uns zu Einzelkämpfern machen.
Zahlreiche Studien erforschen die Wirkung des Designs. Sie belegen, dass Büros mit hohen Decken unsere Kreativität fördern, Grünpflanzen Energie geben und leichtes Hintergrundgemurmel unseren Geist stärker fördert als absolute Stille.
Selbst die Frage, wie weich ein Bürostuhl idealerweise sein sollte, lässt sich mittlerweile wissenschaftlich beantworten: Wer sich konzentrieren oder eisern verhandeln muss, sollte eine harte Auflage wählen. Offenbar, so die Annahme, beeinflusst das Gefühl von Härte das Verhalten – und macht streng und stur. Unternehmen setzen die Erkenntnisse nur langsam um, sagt Friedman: „Es fehlt an der Vermittlung von der Theorie in die Praxis.“
Viele Arbeitgeber nutzten das in der Vergangenheit als Entschuldigung fürs Nichtstun. Sie gestalteten ihre Büros bewusst einheitlich und pressten immer mehr Mitarbeiter auf immer kleinere Flächen. Dadurch sank die Durchschnittsgröße amerikanischer Büros in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch: Seit den Siebzigerjahren hat sie sich mehr als halbiert – auf heute durchschnittlich 18 Quadratmeter pro Mitarbeiter. Der deutsche Arbeitsschutz schreibt mittlerweile für Büro- und Bildschirmarbeitsplätze mindestens acht Quadratmeter vor.
Nach Funktionen zusammen sitzen
Menschen sollten im Großraumbüro nach Funktionen zusammen sitzen. So können sie sich gut austauschen und werden weniger durch die Arbeit der anderen abgelenkt – schließlich arbeiten ohnehin alle gleich.
Foto: ZBHandys lautlos schalten
Je mehr Smartphones im Großraumbüro singen, piepsen und brummen, desto nerviger wird die Zusammenarbeit. Daher sollte jeder sein Handy lautlos stellen.
Foto: APGegenseitige Akzeptanz
Muss man sich im klassischen Einzelbüro den Raum - wenn überhaupt - mit einer Person teilen, sitzen Menschen in Großraumbüro zu zehnt oder mehr zusammen. Verschiedene Charaktere mit verschiedenen Einstellungen, Erwartungen und Marotten treffen hier aufeinander. Das kann zu Konfliktpotenzial führen. Also gilt es, sich gegenseitig zu akzeptieren.
Foto: dpaOffene Aussprachen
Wenn jemanden etwas stört, dann sollte er das auch kundtun. Sein Ärgernis über das laute Tippen des Sitznachbarn oder die ewig schlechten Witze des Hintermanns runterzuschlucken, führt nur zu mehr Verärgerung – und verschlechtert das Betriebsklima. Also gilt es, sich einfach locker, freundlich und unvermittelt auszusprechen: „Kannst du bitte ein wenig leiser tippen?“ oder „Kannst du etwas leiser sprechen?“ wirken mehr als, wenn irgendwann die angestaute Wut motzend aus einem herausbricht.
Foto: FotoliaDistanz halten
Jeder Mensch hat eine Intimzone von etwa 50 Zentimetern. Und die sollten Kollegen einhalten, auch wenn es im Großraumbüro schnell eng werden kann. Was für den einen eine angenehme Nähe ist, kann dem anderen schließlich schon zu nah sein.
Foto: FotoliaAuf die Worte achten
Außer vielen Kollegen finden sich in Großraumbüros auch immer doppelt so viele Ohren. Und nicht jedes Ohr muss gleich jede Intimität oder Privatsache mitbekommen. Daher sollte man auf seine Worte achten und private Gespräche lieber draußen abhalten.
Foto: dpaRiechendes Essen verbannen
Ein Großraumbüro, viele Geschmäcker. Wenn Chinabox, Dönertasche und Pizza mit Knofi aufeinander treffen, sorgt das für eine Atmosphäre, in der sich niemand wohlfühlt. Um Gerüche, die sich in Möbeln und Kleidern festsetzen, zu vermeiden – sowie die Konflikte die dadurch entstehen, weil manche Kollegen gewisse Düfte nicht ertragen können oder wollen, sollten Chefs geruchsintensive Gerichte im Großraumbüro verbieten.
Foto: dpaNicht durch den Raum rufen
Ein Vorteil von Großraumbüros ist das Arbeiten auf Zuruf – heißt es. Wer allerdings quer durch den Raum ruft, stört andere bei der Arbeit. Und wenn vier Menschen gleichzeitig rufen, zeigt sich schnell, wie unpraktisch diese Kommunikationsart ist.
Foto: dpaAusreichend lüften
Wo viele Menschen atmen, schwitzen und ab und zu auch mal essen, gibt es schlechte Luft. Also gilt es, immer wieder ausreichend zu lüften. Das belebt die Mitarbeiter und verhindert, dass sie lustlos vor ihren Bildschirmen dahin vegetieren.
Foto: dpaRücksicht beim Lüften
Auch wenn viel Frischluft wichtig ist: Neben den Frischluftfanatikern gibt es immer auch die Frostbeulen. Für ein harmonisches Zusammenarbeiten gilt es, beiden Gruppen gerecht zu werden. Das heißt, immer mal wieder kurz die Fenster aufreißen, statt sehr lange. So müssen die Frostbeulen nie allzu lang frieren und die Frischluftfanatiker nie allzu lang auf ihre neue Ladung warten.
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Dabei seien die langfristigen Folgen ungünstiger Arbeitsbedingungen immens, wenn auch schwer greifbar, argumentiert Friedman: Schlechte Büros lassen nicht nur Mitarbeiter leiden. Sie gefährden mitunter auch die Produktivität des gesamten Unternehmens. Sitzen Beschäftigte zum Beispiel in Großraumbüros zusammen, unterbrechen sie sich gegenseitig ungewollt bei ihren Aufgaben – etwa durch Telefonate oder Rückfragen.
Diese eigentlich harmlosen Störungen zeigen Wirkung: Bis zu 23 Minuten dauert es nach einer ungeplanten Unterbrechung, bis wir uns wieder voll auf die ursprüngliche Aufgabe konzentrieren. Das behauptet zumindest Gloria Mark, Professorin an der Universität von Kalifornien in Irvine. 588 Millionen Dollar verliere die amerikanische Wirtschaft jedes Jahr durch diese Störungen am Arbeitsplatz, hat die Technologiefirma Basex vor einigen Jahren errechnet.
Großraumbüros machen konzentriertes Arbeiten unmöglich
Das Verständnis für die Probleme sei seitens der Unternehmen dennoch erstaunlich gering, beobachtet auch Riklef Rambow, Architekturpsychologe am Karlsruher Institut für Technologie. Viele Manager, die selbst in Einzelbüros sitzen, glaubten oft, es sei nur eine Frage der Disziplin, im Teambüro zu arbeiten: „Dabei zeigen Studien, dass es einfach unmöglich ist, unter solchen Bedingungen hoch konzentriert zu arbeiten.“
Trotzdem bevorzugen Planer und Manager gleichermaßen die weiten Büroflächen, sehen darin ein Symbol für Aufgeschlossenheit und einen Garanten für Kreativität. In der Praxis bewirken sie genau das Gegenteil.
Studien belegen: Viele Menschen fühlen sich in offenen Räumen unwohl – beobachtet, kontrolliert, im Extremfall ängstlich.
Für den Psychologen Friedman ist das ein Erbe unserer Urahnen: Als Nachkommen der Jäger und Sammler ist uns in offenen Flächen unbehaglich, wir suchen automatisch Schutz und Rückendeckung. Entsprechend lausig fühlen wir uns, wenn wir auf Wände starren.
Wer am Fenster sitzt, arbeitet am effektivsten
Die Folgen schlagen sich messbar in unserer Leistung nieder: Callcenter-Mitarbeiter etwa können ihren Sitzplatz in der Regel täglich neu wählen. Im Schnitt sind es aber immer dieselben Plätze, auf denen sie ihre Aufgaben am effektivsten bearbeiten: nämlich jene Schreibtische am Fenster, an denen sie ihren Blick auch einmal schweifen lassen können. Laut einer Studie der kalifornischen Energiekommission erwirtschaften die Mitarbeiter hier im Schnitt 3000 Dollar mehr pro Jahr.
The Draw
Arbeiten mit Tablets
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Multitasking
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Kurznachrichten schreiben
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Sich zurückziehen
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Touchscreens bedienen
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Privatsphäre suchen
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Konzentration am Bildschirm
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Zurücklehnen dank großer Displays
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The Strunch
Über den Tisch lehnen
Foto: PresseDas Prinzip wechselnder Arbeitsplätze offenbart allerdings zugleich ein zentrales Problem der Bürogestaltung: Mitarbeitern fehlt dort die Chance, sich tatsächlich mit ihrem Unternehmen zu identifizieren. „Menschen haben immer das Bedürfnis, sich einen Raum anzueignen“, sagt Architekturpsychologe Rambow. „Deshalb möchten sie auch ihr Büro oder ihren Schreibtisch gewissermaßen zu ihrem eigenen Territorium erklären.“
Die Landnahme in der Arbeitswelt kann dabei ganz unterschiedlich aussehen. Dem einen reicht das Familienbild auf dem Schreibtisch oder das Maskottchen auf dem Computerbildschirm, der andere rollt seinen Gymnastikball als Stuhlersatz ins Büro.
Kluge Manager sollten diese Marotten zulassen: Nur wenn ein Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz mit seiner Persönlichkeit besetzen kann, bindet er sich auch emotional an ihn. Umgekehrt deuten anonyme Schreibtische Untersuchungen zufolge daraufhin, wie unwohl ein Mitarbeiter sich fühlt.
Einige Firmen gehen deshalb mittlerweile dazu über, ihren Mitarbeitern ein Budget zur Verfügung zu stellen, das sie zur individuellen Gestaltung ihres Arbeitsplatzes nutzen können. Der Erfolg ist immens, ersten Studien zufolge sind diese Beschäftigten um bis zu 32 Prozent produktiver.
So lautete vor einigen Jahren das Fazit einer Untersuchung von Craig Knight von der britischen Universität von Exeter. Die meisten modernen Büros seien zwar sinnvoll eingerichtet, ließen den Angestellten aber zu wenig eigenen Spielraum: „Wer sich im Büro unwohl fühlt, zeigt automatisch weniger Engagement“, sagt Knight, „wenn Angestellte zumindest ein wenig mitgestalten können, sind sie glücklicher, identifizieren sich stärker mit ihrem Arbeitgeber und arbeiten produktiver.“
Experten zufolge wird unser Bedürfnis nach Privatheit im Büro steigen: Globalisierung und digitaler Wandel lassen unsere Arbeitsweise immer flexibler werden, viele Mitarbeiter arbeiten auch unterwegs oder von zu Hause aus, treffen sich zur Besprechung mal online, mal in der Firmenzentrale.
„Wir arbeiten autonomer und gleichzeitig vernetzter als je zuvor“, sagt Stefan Rief vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation. Dort erforscht er seit vielen Jahren, wie das Büro der Zukunft aussehen muss, damit es den Anforderungen der Wirtschaft genauso genügt wie den Bedürfnissen der Mitarbeiter. Doch erst jetzt spürt er, dass auch die Unternehmen das Thema endlich ernst genug nehmen.
Das Büro der Zukunft ist ein Campus
Die flexible Arbeitswelt fordert Investitionen in kluges Bürodesign: Positiv auf ein angenehmes Arbeitsumfeld reagieren gerade jene Mitarbeiter, die regelmäßig zwei bis drei Tage pro Woche auf Dienstreise sind. Unterwegs hatten sie schon schwierige Arbeitsbedingungen, arbeiteten am Flughafen oder im Hotel. Da brauchen sie im Unternehmen einen Platz, an dem sie sich konzentrieren können, einen Ruhepol finden, aber auch Kollegen treffen. Das können ihnen intelligent gestaltete Büros verschaffen.
Die müssen nach Ansicht der Experten künftig vor allem multifunktional sein. Denn keine Büroform kann heute ständig und für jeden ein optimales Arbeitsumfeld bieten. „Cubicles deprimieren, Einzelbüros isolieren“, fasst Friedman zusammen, „und offene Räume sind unruhig.“
Doch genauso offensichtlich sind auch die unterschiedlichen Vorteile: Cubicles sparen Kosten, Einzelbüros bieten beste Bedingungen für konzentriertes Arbeiten, in offenen Räumen funktioniert die Kommunikation im Team am besten.
Idealerweise sollten die Bürotypen deshalb gemischt werden: Mitarbeiter erhalten dann vielleicht einen Sitzplatz im Teambüro, können sich aber für Telefonate oder Aufgaben, die Konzentration verlangen, in Einzelbüros zurückziehen, die zur freien Verfügung stehen. Das Büro der Zukunft müsse einem Campus gleichen, so Friedman: Dort finden sich auch Orte zum individuellen Lernen, zum gemeinsamen Diskutieren und zum konzentrierten Arbeiten nebeneinander.
Das klingt anspruchsvoll, sei aber selbst für kleine Unternehmen zu leisten, betont Arbeitsplatzforscher Rief. Dazu sollten Unternehmen vor allem klären, wofür ihre Büros genutzt werden. Braucht der Mitarbeiter Ruhe, um sich konzentrieren zu können? Regelmäßig Austausch mit Kollegen, weil er stets in Teamprojekten involviert ist? Oder vor allem einen kurzen Weg zum Chef, weil er eine wichtige Verbindung ins Team ist?
Hier sei auch eine neue Form von Führung gefragt, sagt Rief. „Führungskräfte sollten darüber nachdenken, wohin sie ihre Leute setzen, wie sie Meetingräume gestalten und wem sie Rückzug gewähren, wenn intellektuell besonders anspruchsvolle Aufgaben zu leisten sind. Aber auch, wen sie bewusst ins Großraumbüro setzen, weil er sich sonst zurückzieht – egal, ob aus Schüchternheit oder Desinteresse.“
Ein Standardrezept für das ideale Büro liefern die neuen Studien also leider nicht. Jedes Unternehmen muss für sich selbst herausfinden, welche Elemente jeweils für bestimmte Tätigkeiten passen. „Das ist wie bei einzelnen Stimmen in einem großen Orchester“, sagt Psychologe Friedman. „Man muss dafür sorgen, dass der Gesamtklang stimmt.“ Dann passt sich der Raum dem Menschen an – und nicht umgekehrt.