Motivation Wie das Büro unsere Leistung beeinflusst

Ich kann so nicht arbeiten! Ein Büro kann motivieren oder ermüden, den Teamgeist fördern oder die Menschen zu Einzelkämpfern machen. Leider unterschätzen viele Unternehmen die Macht der Räume.

So sieht ein inspirierendes Arbeitsumfeld aus
Erlebnisspielplatz bei Google Quelle: Presse
Das Adidas Headquarter in Herzogenaurach Quelle: Presse
Amsterdamer Büro von Booking.com Quelle: Presse
Spielbereich bei Lego Quelle: Presse
VW-Bus-Zelt bei Facebook Quelle: Presse
Blick in das Goodgame Studios Büro Quelle: Presse
Gewächshaus im Büro von Travelbird Quelle: Presse

Das Fazit von Robert Probst klang bitter. „Rattenlöcher“ seien das, „monumentaler Irrsinn“. So harsch urteilte Probst 1997, drei Jahre vor seinem Tod, über seine eigene Erfindung: Cubicles.

So heißen die Raumteiler, die die riesigen Flächen moderner Großraumbüros in winzige Einheiten trennen. Heute gelten die Stellwände als Inbegriff einer anonymisierten Arbeitswelt, die Mitarbeiter nur noch als Kostenfaktor sieht. Probst musste das als Pervertierung seiner Idee erscheinen: Ursprünglich sollte sein „Action Office“, erfunden in den Sechzigerjahren, Schreibtischarbeitern mehr Raum, Freiheit und Privatsphäre garantieren. In der Praxis aber geschah das Gegenteil: Unternehmen nutzten sein modulares Bürosystem, um mehr Menschen auf weniger Fläche zu sperren.

Die von Probst erhofften positiven Effekte konnten sich so nie einstellen, im Gegenteil: Wer in Cubicles arbeitet, ist nachweislich gestresster, ängstlicher und lustloser als Kollegen in Einzel- oder Teambüros – das zeigen Studien mittlerweile eindeutig. Demnach leiden 90 Prozent aller Angestellten im Großraumbüro an den seelischen und körperlichen Folgen, resümierte der Gesundheitsökonom Vinesh Oommen von der Technischen Universität Queensland in einer Übersichtsstudie.

Das Design wird unterschätzt

Zu beklagen seien „Reizüberflutung, Verlust von Privatsphäre, Identitätsverlust, niedrige Produktivität und geringe Zufriedenheit“. Trotzdem sitzen allein in den USA laut einer Studie der International Facility Management Association 70 Prozent der arbeitenden Bevölkerung im Großraum. Warum?

„Unternehmen unterschätzen die Bedeutung des Designs“, sagt der US-Psychologe Ron Friedman, der jetzt ein Buch über die unbewussten Kräfte geschrieben hat, die an unserem Arbeitsplatz wirken. Welch große Rolle die Gestaltung spielt, erkennen Forscher mittlerweile immer deutlicher: Räume beeinflussen unsere Art, zu denken und zu arbeiten. Sie können uns motivieren oder ermüden, den Teamgeist fördern oder uns zu Einzelkämpfern machen.

Knigge für das Großraumbüro

Zahlreiche Studien erforschen die Wirkung des Designs. Sie belegen, dass Büros mit hohen Decken unsere Kreativität fördern, Grünpflanzen Energie geben und leichtes Hintergrundgemurmel unseren Geist stärker fördert als absolute Stille.

Selbst die Frage, wie weich ein Bürostuhl idealerweise sein sollte, lässt sich mittlerweile wissenschaftlich beantworten: Wer sich konzentrieren oder eisern verhandeln muss, sollte eine harte Auflage wählen. Offenbar, so die Annahme, beeinflusst das Gefühl von Härte das Verhalten – und macht streng und stur. Unternehmen setzen die Erkenntnisse nur langsam um, sagt Friedman: „Es fehlt an der Vermittlung von der Theorie in die Praxis.“

Viele Arbeitgeber nutzten das in der Vergangenheit als Entschuldigung fürs Nichtstun. Sie gestalteten ihre Büros bewusst einheitlich und pressten immer mehr Mitarbeiter auf immer kleinere Flächen. Dadurch sank die Durchschnittsgröße amerikanischer Büros in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch: Seit den Siebzigerjahren hat sie sich mehr als halbiert – auf heute durchschnittlich 18 Quadratmeter pro Mitarbeiter. Der deutsche Arbeitsschutz schreibt mittlerweile für Büro- und Bildschirmarbeitsplätze mindestens acht Quadratmeter vor.

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