Networking Lockere Netzwerke sorgen für mehr Erfolg

Seilschaften sind oft die erste Stufe der Karriereleiter. Eine Studie zeigt jetzt: Umso lockerer das Netzwerk geknüpft, umso erfolgreicher ist es.

Tipps fürs Netzwerken
So
Der EinstiegDer erste Eindruck zählt. Eine Binse, möchte man meinen, doch schnell wird das vergessen. Also: nach dem Vortrag einer Person oder auf einer Veranstaltung sollte man mutig auf die Zielperson zugehen, mit der man in Kontakt treten möchte, und Blickkontakt aufnehmen. „Der Augenkontakt ist wichtig“, sagt Netzwerk-Expertin Monika Scheddin. „und dann losplappern“. Idealerweise erzählt man, was einem gefallen hat von dem Vortrag oder von der Person. „Seien sie diplomatisch“, sagt Scheddin, „sprechen Sie über Gemeinsames, darüber was ihnen gefallen hat. Was sie von der Person trennt sollte Sie außen vor lassen.“ Auch Ironie und Humor sollten im ersten Gespräch dosiert vorkommen. „Schließlich kennt die Zielperson sie nicht“, sagt Scheddin, „und Humor könnte falsch verstanden werden“. Der Name sollte an zweiter Stelle folgen. Und dann am besten wie ein berühmter Agent im Dienste seiner Majestät. Scheddin: „Die Studenten, denen ich das auf meinen Coaching-Veranstaltungen erzähle, lachen mich aus. Aber nur so bleibt der Name hängen“. Also dann: Bond. James Bond. Quelle: REUTERS
Verhedderung vermeidenWenn die Frage kommt: Was machen sie? sollte die Antwort nicht länger als eine Minute sein. Man sollte nicht den gesamten Lebenslauf herunterbeten. Details interessieren die meisten Zuhörer eh nicht und wenn die Zielperson nicht aus der gleichen Branche kommt, dann verwirren die Details zu sehr. „Sie müssen sich überlegen: wie will ich bei der Person in Erinnerung bleiben?“, sagt Scheddin, „viele möchte mit ihrer Kompetenz punkten“ Doch wie kann man diese in einem Gespräch zeigen, das in der Regel nicht länger als fünf Minuten dauern wird? Am besten: man macht eine intelligente, inhaltliche Bemerkung zum Thema, das mit der Zielperson zusammenhängt – und hofft so in Erinnerung zu bleiben. Quelle: dpa
Viel Zuhören, weniger sprechenMonika Scheddin sagt: „Ein guter Netzwerker hört viel zu und redet wenig“. Am besten liegt der eigene Gesprächsanteil unter 50 Prozent. Voraussetzung ist natürlich: ein ehrliches Interesse an der Person, mit der man sich unterhält. Nicht Interesse an der Funktion der Person - aufmerksame Gesprächspartner merken schnell, dass einer seine Neugier lediglich vorheuchelt.   Quelle: Fotolia
Die schweren und tiefen Themen vermeidenHat man ein halbes oder ein ganzes Jahr nicht gearbeitet, dann reicht es, dass man die Floskel „Auszeit“ verwendet oder „Ich bin auf der Suche nach einer neuen Herausforderung“. Schämen müsse man sich dafür nicht. Die Akzeptanz für die Auszeiten, aus welchen Gründen auch immer, sollte da sein. Das war mal anders. Scheddin erzählt: „Vor fünf Jahren war das Verständnis für Lücken im Lebenslauf kleiner“. Durch die Finanzkrise und das Aufbrechen der klassischen Berufsbilder habe sich die Toleranz für nicht geradlinige Karrieren vergrößert.  Quelle: Fotolia
Der Ausstieg zum richtigen ZeitpunktEin guter Zuhörer erkennt auch den richtigen Zeitpunkt, wann er auf einer Veranstaltung das Gespräch mit seiner Zielperson beendet sollte. Im Zweifel registriert er das: wenn sein gegenüber in Eile ist oder viele andere Personen mit ihm sprechen wollen. Dann sollte der Zuhörer auch bereit sein, seine Visitenkarte zu hinterlassen. „Machen sie es der Zielperson so einfach wie möglich
Am Ball bleibenNach dem ersten Treffen kommt es darauf an, bei der Zielperson in Erinnerung zu bleiben. Eine freundliche Mail innerhalb der ersten 24 Stunden nach dem Treffen, in der man sich für das Gespräch bedankt, ist gut und zeigt, dass man grundsätzliche Manieren des sozialen und menschlichen Miteinanders versteht und anwenden kann. Netzwerken gehört zu der Kategorie: Wichtig, aber nicht dringend. Trotzdem ist es ist ein zartes Pflänzchen, das kontinuierliche Fürsorge benötigt. Man braucht dafür einen langen Atem.

Die Erfolgsgeschichte des Silicon Valley zeigt: Netzwerke zahlen sich aus. Nirgendwo sonst sprossen so viele technologische Innovationen in den letzten Jahren, wie im Süden der San Francisco Bay Area. Nicht zuletzt dank informeller Netzwerke schafften es dort tausende Unternehmer erfolgreiche Start-Ups zu gründen. Eine Methode, die mittlerweile auch die Berliner Gründerszene aufgegriffen hat. Denn Kontakte lassen sich nirgends einfacher knüpfen als in Netzwerken.

Netzwerke erleichtern den Kontakt
Abseits von Silicon Valley und Berlin haben aber auch andere das Netzwerken für sich entdeckt, vor allem im Internet. Immer mehr Menschen treten Karriereportalen wie LinkedIn oder Xing bei. Letzteres verzeichnete Anfang des Jahres den stärksten Mitgliederzuwachs seit drei Jahren: Mehr als 5,5 Millionen Deutsche sind mittlerweile auf dem Internetportal vernetzt. Durch das richtige Netzwerk, so hoffen sie, könne man wichtige Kontakte schließen und die Karriere voranbringen. Wer in einem Netzwerk ist, kennt Menschen, die einen fördern, ermutigen und unterstützen. Netzwerke erleichtern auch den Kontakt zu Menschen, die man sonst nicht erreichen kann", sagt der Bielefelder Soziologe Martin Diewald in einem Interview mit Spiegel Online. Sie machen es leichter, Geschäfte abzuwickeln, einen Studienaustausch zu organisieren oder gemeinsame Projekte abzuwickeln.
Ohne Erwartungen ergeben sich bessere Netzwerke
Was sie wirklich bringen, hat Michael Koenig erforscht. Der Wissenschaftler am Institut für Wirtschaftspolitische Forschung in Stanford untersuchte Netzwerke von Firmengründern, Unternehmen und Staaten. Sein Fazit: Wer ohne große Erwartungen Netzwerke knüpft, profitiert am meisten von ihnen. Denn wo Verbindungen eher aus Zufall als aus Berechnung geschlossen werden, entstehen Netzwerke mit sehr vielen unterschiedlichen Kontakten. Wer erfolgreich netzwerken möchte, sollte sich daher bei der Auswahl der Kontakte von Gefühlen leiten lassen und keinen konkreten Nutzen aus einer Verbindung erwarten. Dahinter steckt eine simple Theorie: Wer viel über ein bestimmtes Netzwerk weiß und deswegen gezielte Verbindungen knüpft, der wählt oft Verbindungen zu denen, die selbst über zahlreiche Kontakte verfügen. Durch diesen "Pool an Wissen" entstehen am Ende allerdings stark zentralisierte Netzwerke, die sich für die meisten nicht auszahlen. Nur die wenigen, die von vorne herein schon viele Kontakte pflegen, profitieren wirklich.

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