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Netzwerken am Mittagstisch Warum man beim "Lunch Roulette" nur gewinnen kann

Sie gehen immer mit denselben Kollegen mittags essen? Was machen Sie dann, wenn keiner da ist? Eine neue Idee bringt Fremde mit demselben Arbeitgeber an einen Mittagstisch: Das "Lunch Roulette".

Wer aber über den Tellerrand gucken und andere Kollegen aus dem Haus kennen lernen möchte - etwa um sein berufliches Netzwerk zu erweitern - der sollte auf Lunch Roulette setzen. Quelle: Fotolia

Wie gut kennen Sie die Kollegin oder den Kollegen, der morgens mit Ihnen in den Aufzug steigt, einen Guten Morgen wünscht und dann eine Etage früher wieder aussteigt? Den Namen? Die Abteilung? Vielleicht aber auch noch nicht einmal das. In vielen großen Unternehmen ist das ganz normal – je mehr Menschen unter einem Dach arbeiten, desto mehr Fremde gibt es, denen man Tag für Tag begegnet. Im Aufzug, auf dem Gang, bei der Poststelle und in der Kantine. Ein neues Konzept namens "Lunch Roulette" soll das ändern – dank digitaler Möglichkeiten.

Die Idee zu "Lunch Roulette" kam David Thompson bei einem alltäglichen Gang: dem Besuch der Kantine. Thompson arbeitet seit 2008 für die US-Tochter des deutschen Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim (BIPI). Als er 2012 seinen Job als Wissenschaftler aufgab, um im selben Haus als Social-Media-Stratege anzufangen, stand er in der Kantine nämlich auf einmal alleine da. Seine Kollegen, mit denen er jahrelang gemeinsam die Pause verbracht hatte, waren nicht da und sonst kannte er niemanden in der Firma. Es blieb ihm also nichts anderes übrig als alleine zu essen – ein unangenehmes Gefühl, ausgeschlossen zu sein. Eine Situation, die sich aber Tag für Tag in vielen großen Firmen abspielen dürfte.

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Noch auf seinem Nachhauseweg beschäftige dies Thompson. Wie kann man solche Situationen umgehen und vielleicht sogar Nutzen daraus ziehen? Hinter dem Steuer seines Autos soll ihm dann die Idee gekommen sein, dass man eine Web-Anwendung entwickeln könnte, die eine kleine Gruppe von Menschen zufällig zum Mittagessen zusammenbringt. Die Idee des "Lunch Roulettes" war geboren.

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Eine Rolle Toilettenpapier liegt auf einer Herrentoilette Quelle: dpa

Schon kurze Zeit später konnte Thompson den ersten Prototypen ausprobieren. Dieser wurde an einige ausgewählte Kollegengruppen geschickt, die zum Testen eingeladen wurden. Das Ergebnis: Innerhalb kürzester Zeit konnte die App die Kollegen begeistern. Nach sieben Wochen hatten über 350 Mitarbeiter am "Lunch Roulette" teilgenommen - darunter auch BIPI-Geschäftsführer Paul Fonteyne.

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„Das Ziel ist es nicht, Fremde zusammen an einen Tisch zu bringen oder jemanden im Aufzug zu treffen und mit ihnen Gespräche zu führen. "Lunch Roulette" ist dafür da, neue Leute kennen zu lernen, sie mit neuen Bereichen der eigenen Firma vertraut zu machen und so vielleicht neue Ideen hervor zu bringen“, sagte Thompson dem US-Magazin „Harvard Business Review“. Das Konzept soll verschiedene Zweige und Sichtweisen eines Unternehmens vernetzen. Zum Beispiel eben den Geschäftsführer mit einem Trainee – wie es Paul Fonteyne bei seinem ersten "Lunch Roulette" passierte.

Nur vier einfache Schritte sind nötig, um am "Lunch Roulette" teilzunehmen: Wer mitmachen möchte, sucht sich einen oder gleich mehrere Tage aus, an denen er oder sie noch keine Verabredung zu Mittagessen hat. Dann sucht man sich den Ort aus, wo man essen möchte und klickt auf den „Match Me“-Button. Ist ein Lunch-Partner gefunden, bekommen die Teilnehmer eine Mail mit den Details und müssen nur noch zur vereinbarten Zeit vor Ort sein.

In Arbeit
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Ob sich durch "Lunch Roulette" tatsächlich innovative Ideen entwickeln können, bleibt abzuwarten – so lange gibt es das Projekt noch nicht. Allerdings dürfte dieser Aspekt auch zweitranging sein. Das Spannende am Mittagessen mit Kollegen vom anderen Korridor oder aus dem anderen Stockwerk ist es, neue Menschen kennenzulernen und vielleicht doch nicht immer über die Arbeit zu sprechen. Und vielleicht das Wichtigste: Niemand muss dank "Lunch Roulette" mehr alleine essen, wenn er nicht will.

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