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Nur noch kurz Mails checken So schnell verstößt Homeoffice gegen den Arbeitsschutz

Homeoffice: So verstoßen Sie nicht gegen den Arbeitsschutz Quelle: imago images

Wer abends berufliche E-Mails liest, hat oft schon gegen das Arbeitszeitgesetz verstoßen – von der riesigen Grauzone im Homeoffice nicht zu reden. Mit diesen Tipps lassen sich Heimarbeit und Arbeitsschutz vereinbaren.

Kann das bisschen Arbeit Sünde sein? Für viele Berufstätige ist es völlig normal, im Feierabend noch berufliche E-Mails zu lesen oder der Vorgesetzten per Chat eine Info nachzureichen. Was da so nebenbei erledigt ist, verletzt aber schnell ebenso beiläufig geltendes Recht. Das Arbeitszeitgesetz schreibt generell einen Acht-Stunden-Tag und dazwischen elf Stunden Ruhezeit vor. Konkret heißt das: Wer um 23 Uhr noch E-Mails checkt und vor 10 Uhr am nächsten Tag wieder die Arbeit aufnimmt, verstößt gegen das Gesetz. Insbesondere das Homeoffice wird so schnell zum Tatort. Auch hier schützt Unwissenheit vor Strafe nicht. Aber wie lassen sich Homeoffice und Arbeitsschutz am besten vereinbaren?

Der Streit um das Arbeitszeitgesetz tobt seit Jahren. Wirtschaftsverbände kritisieren das 1994 eingeführte Gesetz als veraltet, Homeoffice-Bremse und Gefahr für den Standort Deutschland. Laut einer Bitkom-Umfrage gibt jedes vierte Unternehmen (27 Prozent), das kein Homeoffice erlaubt, die gesetzlichen Regelungen zum Arbeitsschutz als Grund an. Vor allem zwei Regelungen stehen im Fokus. So heißt es im Arbeitszeitgesetz: „Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten“ und „Die Arbeitnehmer müssen nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden haben“.

Doch es gibt eine Reihe von Ausnahmen und Sonderregelungen. So gilt das Arbeitszeitgesetz zum Beispiel nicht für leitende Angestellte. Die Ausnahmen seien aber auf Unternehmen mit Tarifbindung beschränkt, lautet ein Kritikpunkt des Digitalverbands Bitkom. Dessen Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder fordert deshalb immer wieder, das „aus der Zeit gefallene“ Arbeitszeitgesetz zu ändern – auch, weil es „Arbeitnehmer massenhaft ins Unrecht“ setze.

Verstoß gegen Arbeitszeit kann teuer werden

Nicht so schnell, meinen hingegen Arbeitsschutzexperten. „Für die Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes ist der Arbeitgeber verantwortlich“, betont Frank Brenscheidt von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) auf die Frage nach der Haftung bei Verstößen. Die können laut dem Bundesarbeitsministerium mit Geldbußen bis zu 15.000 Euro geahndet werden.

„Das geltende Arbeitszeitrecht bietet in Sachen Flexibilisierung viele Möglichkeiten – teilweise mehr, als es aus Sicht von Sicherheit und Gesundheit wünschenswert wäre“, urteilt der BAuA-Experte. Mit Blick auf die Bitkom-Umfrage meint er deshalb: „Dass das Arbeitsschutzgesetz der Grund dafür ist, dass die Unternehmen kein Homeoffice anbieten, möchte ich doch stark bezweifeln.“ Brenscheidt verweist auf die BAuA-Arbeitszeitbefragung 2017. Demnach arbeiten 88 Prozent der Beschäftigten nicht im Homeoffice. Neun Prozent begründeten dies mit dem Nein des Arbeitgebers. Die überwiegende Mehrheit (69 Prozent) aber gab an, einfach nicht zu Hause arbeiten zu wollen. Die meisten Befragten wollen demnach Beruf und Privatleben sauber trennen.

In einem Punkt aber sind sich Verfechter und Kritiker des Arbeitszeitgesetzes einig. Arbeitgeber wie Arbeitnehmer sollten zum eigenen Schutz darauf achten, dass das Homeoffice nicht einfach so passiert. Die Arbeit im privaten Umfeld muss sorgfältig vorbereitet und begleitet werden. Nur so wird sichergestellt, dass gesetzliche Vorgaben zum Arbeitsschutz eingehalten werden und beide Seiten dauerhaft vom Homeoffice profitieren.

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