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Ökonom Ernst Fehr "Bonus-Kriterien sind oft leicht manipulierbar"

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"Je stärker jemand den Leistungsindikator beeinflussen kann, desto stärker sollten die Anreize sein"

Ist diese Art von Vergütung nur Vorständen vorbehalten oder für alle Mitarbeiter eine Option?
Je stärker jemand den Leistungsindikator beeinflussen kann, desto stärker sollten die Anreize sein. Das Top-Management hat großen Einfluss darauf. Wenn ich aber nur am Fließband stehe und mir die Arbeitsgeschwindigkeit mechanisch vorgegeben wird, kann ich durch eigene Leistung wenig beeinflussen. Deshalb sind Vergütungsmodelle dieser Art erst ab einer bestimmten Entscheidungsebene sinnvoll.

Sollte es eine Begrenzung von Managergehältern geben, wie es oft gefordert wird?
Ein gut konstruiertes Anreizsystem erzeugt indirekt einen sehr effektiven Deckel, weil ja die objektive gemessene Leistung des Managements nicht in den Himmel wächst. Ein expliziter Deckel, womöglich noch gesetzlich vorgeschrieben, ist aber nicht sinnvoll.

Für die variable Vergütung auf niedrigeren Hierarchieebenen entstehen immer wieder neue Ansätze. Es gibt etwa Firmen, bei denen in einem Team derjenige am meisten verdient, der im Vergleich zu seinen Teammitgliedern mehr geleistet hat. Was halten Sie davon?
Das ist dann wenig zielführend, wenn die Gesamtleistung stark von der Zusammenarbeit in einer Gruppe abhängt. Solche Anreizsysteme zerstören dann den Anreiz, anderen zu helfen. Auf Top-Management-Ebene ist das anders. Da geht es um die relative Konkurrenz zu anderen Unternehmen und nicht zu Kollegen.

Die umstrittensten Managergehälter
John Cryan Quelle: REUTERS
Bill McDermott Quelle: REUTERS
Martin Winterkorn Quelle: dpa
Christine Hohmann-Dennhardt Quelle: dpa
Thomas Winkelmann Quelle: dpa
Christian Bittar Quelle: REUTERS
Jeffrey Skilling Quelle: AP

Andere Unternehmen experimentieren damit, über einen Teil der Vergütung von den direkten Kollegen entscheiden zu lassen.
Davon, das gesamte Team über die Vergütung einzelner Mitglieder bestimmen zu lassen, halte ich auch nicht viel. Auch das ist zu subjektiv. Außerdem ist es möglich, dass sich alle absprechen und sich gegenseitig beste Leistungen attestieren. Ich habe das in Krankenhäusern erlebt, in denen sich Ärzte gegenseitig die Bestnoten gegeben haben. Das ist dann wie ein Kartell.

Ist es dann besser, wenn der Teamleiter Sonderzahlungen von oben anordnet?
Man muss unterscheiden zwischen einmaligen Zahlungen und Vergütungssystemen. Dass man außergewöhnliche Leistungen mit außergewöhnlichen Boni honoriert, ist in Ordnung. Aber es bleibt eine subjektive Einschätzung von Leistung, etwa wenn ein Team ein eigentlich gescheitertes Projekt gerettet hat. Ein funktionierendes System dagegen darf nicht abhängig sein von der Einschätzung eines Einzelnen.

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