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Ohne Arbeitszimmer Wie Sie das Corona-Homeoffice von der Steuer absetzen können

Homeoffice als Ausnahme: Seit dem Ausbruch der Coronapandemie arbeiten viele Deutsche am heimischen Küchentisch - und fragen sich nun, ob sie die Kosten dafür auch von der Steuer absetzen können. Quelle: dpa

Wer zu Hause kein Arbeitszimmer hat, kann eigentlich auch keine Kosten fürs Homeoffice von der Steuer absetzen. Doch es gibt Tricks, wie sich die Sache nun doch noch lohnt.

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Viele Menschen arbeiten in der Coronakrise zum ersten Mal von zu Hause aus – und stellen sich nun mit Blick auf die Steuererklärung 2020 auch zum ersten Mal die Frage, welche Kosten sie dafür absetzen können. Bislang sind steuerliche Erleichterungen nur möglich, wenn man zu Hause ein Arbeitszimmer hat. „Ein Durchgangszimmer, den Küchentisch oder die Ecke im Wohnzimmer erkennt das Finanzamt nicht an“, stellt die Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH), der nach eigenen Angaben größte Lohnsteuerhilfeverein Deutschlands, klar.

Werde das Arbeitszimmer ausschließlich für berufliche Aufgaben genutzt und stehe dafür beim Arbeitgeber kein Arbeitsplatz zur Verfügung, seien anteilig Miete und Nebenkosten, etwa für Gas, Strom und Wasser, absetzbar, erläutert Jörg Strötzel, Steuerberater und Vorstandsvorsitzender der VLH. „Ist der Arbeitnehmer Eigentümer der Wohnung, können statt Miete Abschreibungen und gegebenenfalls Schuldzinsen geltend gemacht werden.“ Allerdings gibt es bei diesen Abschreibungen eine Grenze: Pro Jahr können maximal 1250 Euro als Werbungskosten in die Steuererklärung eingetragen werden.

Diese Regeln gelten auch für die Coronakrise. „Seit vielen Jahren stand die Frage im Raum, ob die Kosten für eine Arbeitsecke anteilig von der Steuer abgesetzt werden können“, betont VLH-Chef Strötzel – und verweist auf das klare Urteil des Großen Senats des Bundesfinanzhofs (veröffentlicht am 27. Januar 2016, Aktenzeichen GrS 1/14). „Die Kosten für eine Arbeitsecke dürfen nicht in der Steuererklärung eingetragen werden. Räume mit einer Arbeitsecke dienen erkennbar auch privaten Wohnzwecken.“ Gut möglich, dass Politiker all jenen, die derzeit am heimischen Küchentisch arbeiten, doch noch entgegenkommt. Die Steuergesetzgebung werde seit Jahrzehnten den Veränderungen in der Arbeitswelt angepasst, sagt Strötzel. Er würde es begrüßen, wenn nun auch eine Arbeitsecke steuerlich absetzbar wäre.

Die aktuelle Rechtslage bedeutet aber nicht, dass diejenigen, die derzeit am Esstisch arbeiten, leer ausgehen. Sie können zumindest die Kosten für Arbeitsmittel, also zum Beispiel Büromaterial oder eine eigens angeschaffte Computermaus, absetzen. Lohnender wird es mit einer Alternative zum Steuersparen. So könnten Beschäftigte mit dem Arbeitgeber vorübergehend eine Unkostenpauschale vereinbaren, wenn sie nun den privaten Telefon- oder Internetanschluss nutzen, um mit Kunden und Kollegen in Kontakt zu bleiben. „Der Arbeitgeber hat jetzt die Möglichkeit, den Fleiß des Arbeitnehmers im Homeoffice durch eine steuerfreie Zahlung bis zu einem Betrag von 1500 Euro zu honorieren“, sagt Strötzel von der VHL. „Dieser Zuschuss ist – sofern er bis zum Dezember 2020 gezahlt wird – steuer- und sozialversicherungsfrei und kommt damit dem Arbeitnehmer zugute.“

Arbeitszimmer zur Miete

Manche Berufstätige mieten in der Corona-Krise vorübergehend ein Arbeitszimmer an. Für diejenigen, die sich zu Hause hingegen kaum konzentrieren können, weil die Kinder ständig ins Meeting oder die Vorbereitung einer wichtigen Präsentation platzen, ist das durchaus eine Option. Für all jene, die auch am heimischen Küchentisch gut arbeiten können, eher nicht. Hier entstünden nämlich, wie Strötzel betont, zusätzliche Kosten, die höchstens teilweise zu einer Steuererstattung führen würden. „Aus betriebswirtschaftlicher Sicht kann ich diese Lösung daher nicht empfehlen“, sagt der Experte. 

Homeoffice in Zeiten von Corona

All jenen, die in diesen außergewöhnlichen Zeiten nun etwa ein Schlaf- oder Kinderzimmer vorübergehend in ein Arbeitszimmer umgewandelt haben, macht Strötzel von der VLH wenig Hoffnung, damit beim Finanzamt durchzukommen: „Es ist nicht glaubwürdig, dass ein Schlaf- oder Kinderzimmer ausgeräumt und ausschließlich beruflich genutzt wird.“

Andere Steuerberater sehen da mehr Spielraum. „Wenn der Raum ausschließlich beruflich genutzt wird, dann wäre das für diesen Zeitraum, also zum Beispiel während einer Corona-bedingten Heimarbeit von April bis Juni, eine Option, damit die Kosten für das häusliche Arbeitszimmer absetzbar sind“, sagt Michael Seifert, Referent beim Landesverband der steuerberatenden und wirtschaftsprüfenden Berufe in Bayern e. V. (LSWB). Er rät dazu, die Sondersituation mit Fotos zu dokumentieren, um sie bei der Steuererklärung nachweisen zu können. „In dem Zimmer darf sich nach bisheriger Rechtsprechung nichts Privates mehr befinden, am besten wird es zunächst komplett ausgeräumt.“

Besser per Pauschale

Aber auch dies sollte man zunächst einmal durchkalkulieren. Seifert macht eine Beispielrechnung auf: Für eine 100 Quadratmeter große Wohnung werden pro Monat 1400 Euro Miete inklusive Nebenkosten gezahlt. Das zehn Quadratmeter große Arbeitszimmer wird drei Monate lang genutzt. In diesem Fall ließen sich in der Steuererklärung für das Homeoffice 425 Euro an Werbungskosten geltend machen. Da Arbeitnehmer aber ohnehin pro Jahr einen pauschalen Betrag von 1000 Euro als Werbungkosten gegen die Steuerlast rechnen können, kommen sie damit meist günstiger weg. „Der Wegfall von Fahrtkosten zur Arbeit, der durch die Corona-bedingte Heimarbeit zu begründen ist, kann ganz oder auch nur zum Teil durch die eventuell abziehbaren Arbeitszimmerkosten ausgeglichen werden – aber nur, wenn ein richtiges häusliches Arbeitszimmer existiert und man mit weiteren Werbungskosten über den Arbeitnehmer-Pauschbetrag kommt“, fasst Seifert zusammen.



Auch bei einer Unkostenpauschale, mit der sich der Arbeitgeber am Homeoffice am Esstisch beteiligt, rät Seifert zur sorgfältigen Abwägung. „Es ist sicherlich schwierig, hier die anteiligen Kosten etwa bei der Miete unmittelbar zuzuordnen. Anders sieht das bei den Arbeitsmittelkosten aus – zum Beispiel den anteiligen Kosten für Strom“, sagt er. Bei einem eingerichteten, abgeschlossenen Arbeitszimmer gebe es mehr Gestaltungsmöglichkeiten: „Beispielsweise könnte der Arbeitgeber das Arbeitszimmer vorübergehend anmieten. Diese Einnahmen müssten dann aber eventuell versteuert werden.“ Der Experte empfiehlt, bei diesem Thema den Blick für die Relationen zu wahren: „Absetzen ist das eine – die steuerliche Auswirkung ist das andere. Dies wird oft verkannt.“

Mehr zum Thema
Von technischen Tücken bis zu der Frage, wie Sie auch aus der Ferne beim Chef punkten: Unser großes Dossier zum Homeoffice in Coronazeiten finden Sie hier als PDF zum Download.

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