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Pandemische Umverteilung Der Trend zum Homeoffice wird zur Umverteilungsmaschine

Wer im Homeoffice arbeitet, spart im Schnitt 730 Euro im Jahr.  Quelle: imago images

Wer während der Pandemie zu Hause arbeitet, heizt mehr, gibt aber weniger Geld fürs Pendeln aus. Eine neue Studie zeigt, dass Besserverdiener stärker vom Homeoffice profitieren – nicht nur finanziell.

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Zwischen den kleineren Unbequemlichkeiten und verheerenden gesundheitlichen Schäden, die das Coronavirus zweifellos angerichtet hat, versuchten die meisten Menschen, der Pandemie auch ein paar positive Seiten abzuringen. Für viele Büroarbeiter war die Suche nach dem Guten in der Katastrophe verbunden mit dem Wort Homeoffice. Endlich nicht mehr täglich pendeln, endlich selbstbestimmt die eigene Arbeitszeit einteilen und vielleicht sogar Familien- und Berufsleben so vereinen, dass sich beide nicht mehr in die Quere kommen. 

Viele dieser Hoffnungen hielten nach ein paar Monaten der Heimarbeitseuphorie der harten Corona-Realität zwar nicht stand. Dennoch hat sich das Homeoffice in vielen Firmen als Organisationsprinzip bewährt. Und wenn auch die Erwartungen an Arbeitszeit und Vereinbarkeit nicht bei jedem und jeder Betroffenen erfüllt wurden, dann haben die Heimarbeiter doch zumindest eines: Geld gespart. 

Gut für den Geldbeutel – und fürs Klima

Im Durchschnitt 730 Euro, um genau zu sein. Das zumindest haben die Ökonomen Marion Bachelet, Matthias Kalkuhl und Nicolas Koch in einer aktuellen Studie berechnet. Die Forscher, die am Berliner Mercator-Forschungsinstitut für globale öffentliche Güter und Klimawandel (MCC) arbeiten, haben untersucht, wie sich die Ausgaben der Menschen in Deutschland verändern würden, wenn 15 Prozent der Angestellten hierzulande ausschließlich von zu Hause arbeiten würden. Ihre Ergebnisse zeigen, welche Umverteilungseffekte dadurch entstehen – und auch, wie dadurch der jährliche Ausstoß des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid beeinflusst würde. 

Die Schätzung, dass 15 Prozent der Menschen in Zukunft im Homeoffice arbeiten werden, nennt Nicolas Koch „konservativ“. „Sie bildet in etwa die Situation ab, als die Menschen nach dem ersten Lockdown wieder in die Büros zurückkehren durften“, so der MCC-Forscher. In aktuellen Umfragen, etwa von der Hans-Böckler-Stiftung, lag die Zahl derer, die ausschließlich oder überwiegend zu Hause arbeiteten, zuletzt ebenfalls bei 15 Prozent.  Insgesamt könnten etwa die Hälfte aller Beschäftigten in Deutschland zumindest theoretisch von zu Hause arbeiten.

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    Um die Effekte dieser Verschiebung des Arbeitsortes zu berechnen, nutzten die Forscher den Datensatz des Mikrozensus, für den die statistischen Ämter jährlich ein Prozent der deutschen Bevölkerung befragen. Aus dieser Stichprobe wiesen sie per Zufall einem Anteil von 15 Prozent die Versetzung ins Homeoffice zu – und beobachteten wie sich dadurch ihr Budget veränderte. Voraussetzung dafür war lediglich, dass sie in der Befragung einen Job angegeben hatten, der heute als Homeoffice-fähig gilt.

    Die Verteilungswirkung des Homeoffices berechneten Koch und seine Kolleginnen anhand von zwei Größen: den Energiekosten und den Mobilitätskosten. „Wenn man im Homeoffice ist, hat man keine Kosten für die beruflichen Wege, aber man will es den ganzen Tag lang warm haben“, erklärt er das Kalkül dahinter. Aus der aktuellen Forschungslage zum Energieverbrauch schätzten sie, dass zu Hause 20 Prozent mehr Energiekosten für jeden Homeoffice-Tag anfielen. Dabei sei für den überwiegenden Teil das Heizen verantwortlich. Strom schlage kaum zu Buche. Schließlich kamen die Forscher auf durchschnittlich 110 Euro Mehrausgaben für Energie im Homeoffice. Bei der Mobilität berechneten sie aus den Mikrozensus-Daten eine durchschnittliche Einsparung von 840 Euro pro Arbeitnehmer. Subtrahiert man die Mehrkosten von den Ersparnissen, ergeben sich im Schnitt 730 Euro, die jeder Heimarbeiter spart. 

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