Pendeln 2015 erwartet Deutschland einen Pendler-Rekord

Morgens eine halbe Stunde mit dem Zug zur Arbeit, abends wieder zurück. Vielleicht sind es auch zwei Stunden. Oder die Baustelle auf der Autobahn frisst Zeit. Für immer mehr Deutsche gehört das zum täglichen Wahnsinn.

So macht Pendeln Spaß
Kuchen verzierenKuchen schmeckt gut, macht glücklich und beruhigt die Seele. Es gibt ihn auf jedem Kindergeburtstag, bei Firmenfeiern und beim Sonntagsbesuch bei Oma. Warum also nicht auch in der Bahn? Backen Sie einen Kuchen, nutzen Sie die Bahnfahrt zur Dekoration und verteilen sie ihn danach an Ihre Mitfahrer. So macht pendeln Spaß und Ihre Mitfahrer sind glücklich. Quelle: dpa
Den Zugführer zum Lachen bringenWenn Sie über die Zeit meckern, die Sie in Bus und Bahn verbringen, überlegen Sie doch einmal, wer immer am längsten in der Bahn sitzt. Richtig, der Zugführer. Ein guter Grund, ihn mal zum lachen zu bringen. In New York hatten Studenten dafür eine besondere Idee: Bei der Einfahrt in die Station müssen Fahrer in den USA auf ein schwarz-weißes Zeichen zeigen, um zu demonstrieren, dass sie voll bei der Sache sind. Die Studenten verhängten diese Zeichen und ersetzten sie durch Plakate mit lustigen Aufschriften wie „Zeigen Sie hierhin, wenn sie unglaublich sexy sind“ und „Zeigen Sie hierhin, wenn Sie gerade keine Unterwäsche tragen“. Quelle: dpa
Luftpolsterfolie knallenAntistress mit Knalleffekt, dachte sich der italienische Künstler Fra Biancoshock. Er erfand den optimalen Zeitvertreibt für Mailänder Pendler: Knallfolie. Je nach Wartedauer können die Reisenden verschieden große Folien auswählen, dann geht der Knallspaß los. Nehmen Sie sich diese Idee als Beispiel – Knallfolie ist günstig und in jedem Baumarkt erhältlich.
Einen Schlafwagen bauenSchlafen ist wohl die naheliegendste Beschäftigung für Pendler. Vor allem wer spätabends nach der Arbeit in der Bahn sitzt will eigentlich nur noch eins: Ins Bett. Nichts leichter als das: Bauen Sie sich doch einmal Ihren eigenen Schlafwagen. Ein Metallgestellt, Decke und Kissen und fertig ist der Schlafplatz für den Heimweg. Quelle: obs
Andere beim Lesen beobachtenSie sind auf dem Weg zur Arbeit und haben unglücklicherweise Ihr Buch vergessen? Kein Problem. Andere beim Lesen zu beobachten ist mindestens genauso spannend. Welches Buch lesen sie? Und wie verändern sich ihre Gesichter, wenn sie die Welt um sich herum vergessen? Quelle: dpa
Kunstwerke aus Kekskrümeln bauenFür alle Vielflieger und Berufspendler über den Wolken hat sich die Künstlerin Nina Katchadourian den perfekten Zeitvertreib ausgedacht. Fotografieren Sie gängige Bordutensilien, aus denen Sie kleine Kunstwerke bauen. So werden Kekskrümel plötzlich zu Lawinen, der Kugelschreiber zum Düsenjet und das Pendeln zum Abenteuer.
Einfach mal LachenDie einfachste Möglichkeit, sich die Zeit zu vertreiben und dabei auch noch Spaß zu haben ist, einfach zu lachen. Nutzen Sie die Bahnfahrt, um sich die Sorgen von der Seele zu lachen und Sie werden sehen, wie viele Mitreisende sich davon mitreißen lassen. In Berlin hat das geklappt: Eine Lachyoga-Gruppe hat dort einen kompletten Waggon zu Lachen gebracht, innerhalb weniger Minuten. Quelle: AP

Haben Sie heute morgen auch wieder im Stau gestanden? Wahlweise im Auto oder in der Straßenbahn hinter dem Müllwagen? Kam der Bus zu spät und war völlig überfüllt? In Deutschland gibt es immer mehr Pendler, die zweimal am Tag mit dem Auto, Bus oder Bahn die Distanz zwischen Wohnort und Arbeitsplatz überbrücken mussen. Die meisten brauchen dafür eine halbe Stunde. Einzelfälle, die zwei Stunden oder mehr unterwegs sind, gibt es natürlich auch.

Laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) sind die steigenden Pendlerzahlen eine Folge der zunehmenden Beschäftigungsrate. Im Jahr 2005 arbeiteten 38,8 Millionen Deutsche, im Jahr 2014 waren es schon 42,6 Millionen. Zwischen 2004 und 2012 ist die Zahl der Pendler um 11 Prozent gestiegen – ähnlich rasant wie die Beschäftigung.

Die fünf Branchen mit dem höchsten Anteil an Pendlern

Hinzu kommt, dass es alle in die Städte zieht - und zwar zum Wohnen und Arbeiten. In den 15 größten deutschen Städten leben inzwischen 17 Prozent der Bundesbürger – im Jahr 2000 waren es erst 15,5 Prozent. Entsprechend ist auch der Arbeitsweg innerhalb einer Stadt kein Vergnügen - es sei denn, man wohnt nur wenige Minuten vom Arbeitsplatz entfernt, sodass man zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren kann.

Das Pendeln mit den eigenen Füßen oder dem öffentlichen Nahverkehr ist allerdings ein Privileg der Metropolen und ihrer Bewohner. So fahren in Berlin 44 Prozent der Pendler mit U- und S-Bahn, Tram oder Bus zur Arbeit, während im Saarland neun von zehn Pendlern das Auto nutzen. In Sachsen-Anhalt und Thüringen sind es acht von zehn. Durch den Drang in die Städte sind allerdings die Arbeitswege entsprechend kurz: Im Jahr 2012 lebte wie 2004 knapp die Hälfte der Pendler maximal zehn Kilometer von ihrem Arbeitsort entfernt.

Die fünf Großstädte mit dem höchsten Anteil an Pendlern

Das IW Köln geht davon aus, dass es 2015 bei weiter steigender Erwerbstätigkeit einen neuen Pendlerrekord geben dürfte. Noch in diesem Jahr sollen gut 40 Millionen Menschen morgens und abends in der Straßenbahn sitzen beziehungsweise stehen. Denn auf dem gleichen Grundstück – also im Homeoffice oder im eigenen Handwerksbetrieb – arbeiten nicht einmal fünf Prozent der Erwerbstätigen.

In Arbeit
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Das hat nicht nur Folgen für die Verkehrsbetriebe und Straßenplaner: Wer zur Arbeit pendelt, trägt ein erhöhtes Risiko psychisch krank zu werden. Das geht aus dem Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) aus dem Jahre 2012 hervor.

"Mobilität und Flexibilität gehen auf die Nerven", sagte eine TK-Sprecherin bei der Vorstellung des Berichts. Berufspendler, zu denen etwa 45 Prozent der Beschäftigten in Deutschland zählen, werden mit 12,7 Tagen im Jahr zwar geringfügig weniger krankgeschrieben als wohnortnah arbeitende Erwerbstätige mit 12,9 Tagen. Aber Pendler sind mit 2,2 Fehltagen pro Kopf häufiger und langwieriger von psychischen Diagnosen betroffen als andere Beschäftigte (1,9 Tage).

Immerhin: Das IW geht davon aus, dass sich Pendlerzahlen mittelfristig wieder reduzieren werden. Allerdings erst ab 2020. Dann nämlich, wenn auch die letzten Arbeitnehmer aus der Generation der Babybommer in Rente gehen.

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