Präsentationen Powerpoint nervt! Hier sind drei Alternativen

Warum präsentieren wir eigentlich immer noch mit Powerpoint? Häufig langweilen sich die Zuhörer und können sich den Inhalt nicht merken. Wir zeigen Ihnen Alternativen für spannende Vorträge.

So gelingt Ihre nächste Präsentation
Der rote FadenEin wichtiges Merkmal für eine gelungene Rede ist der rote Faden. Erst wenn eine Ansprache logisch nachvollziehbar ist, werden die Zuhörer Ihrer Argumentation auch folgen – und sich überzeugen lassen. Die richtige Reihenfolge der Argumente im Kopf zu behalten, ist aber gar nicht so einfach. Die Loci-Methode hilft dabei, sich die Rede-Struktur einzuprägen. Dabei entsteht im Kopf eine vertraute, imaginäre Route, etwa von der eigenen Haustür bis zum nächsten Supermarkt, bei der an markanten Stellen Begriffe „abgelegt“ werden können. Bei der Präsentation oder der freien Rede können diese Schlagworte dann wieder – in der richtigen Reihenfolge – eingesammelt werden. Quelle: dpa
Gründe zeigenDer Autor Simon Sinek hat untersucht, wie es Ikonen wie Martin Luther King oder dem Apple-Gründer Steve Jobs gelang, Massen von Menschen von ihren Ideen zu überzeugen. In seinem Buch „ Start with Why“ kommt Sinek zu dem Schluss, dass sie ähnlich dachten - und sprachen. In großen Reden ging es ihnen vor allem um das "Warum", nicht das übliche "Was?". Der Grund: Menschen lassen sich viel eher auf einer emotionalen Ebene mitreißen - etwa dann, wenn sie das Ziel und den Grund eines Projekts kennen. Quelle: dpa
Beispiele nutzenBrillante Rhetorik, geschliffene Sätze: Niemandem nutzt die beste Rede, wenn sich kein Zuhörer den Inhalt merken kann. Aber auch dafür gibt es die richtigen Mittel: Beispiele. Lebhafte Beispiele sind häufig nicht schwer zu finden, insbesondere alltägliche Phänomene bieten sich an. Auch die beiden Wissenschaftler und Autoren Chip und Dan Heath sehen darin einen Schlüssel für eine gelungene Präsentation. In ihrem Buch „Made to Stick: Why Some Ideas Survive and Others Die“ beschäftigen sie sich mit der Kommunikation von Ideen. Ein Ergebnis: Erst mit anschaulichen, bildlichen Beispielen lassen sich Menschen überzeugen. Eine Studie ergab: Nur fünf Prozent einer Studentengruppe konnte sich an den Inhalt eines Vortrags erinnern - aber knapp zwei Drittel der Studenten konnten die Beispiele wiedergeben.
Gesten sparsam einsetzenBeim Gestikulieren gilt es, einen gesunden Mittelweg zu finden. Eine Studie der Psychologin Susan Wagner Cook von der Universität von Iowa ergab, dass gestikulierende Studenten Matheaufgaben effektiver erklären und sich zeitgleich auch eine Buchstabenfolge besser merken konnten als nicht-gestikulierende Kommilitonen. Die Psychologin vermutet, dass die Studenten durch das Gestikulieren mehr „Speicherplatz“ zur Verfügung hatten, mit dem sie sich – neben dem Erklären – noch auf eine andere Aufgabe konzentrieren konnten. Gerade bei Vorträgen ist das ein doppelter Vorteil, denn eine gute Präsentation erfordert wahre Multitasking-Fähigkeiten: Zum einen sollen die Informationen sicher vermittelt werden, andererseits muss der Redner auch die Bildschirmpräsentation bedienen oder auf Stimmungen im Publikum eingehen. Aber Vorsicht: Wer zu viel mit den Armen fuchtelt, der verliert seine Glaubwürdigkeit.
Zielgruppe beachtenNicht nur Inhalt und Wortwahl beeinflussen den Erfolg der Rede, sondern auch das Verhältnis zwischen Redner und Zuhörern. Der Rhetoriktrainer und Autor Ingo Vogel („So reden Sie sich an die Spitze“) rät, jede Rede und jeden Vortrag genau auf das Publikum abzustimmen. Denn ob die Familie, ob Kollegen oder sogar die Chefetage im Publikum sitzt, macht einen gewaltigen Unterschied. In allen Fällen gilt aber: Verbindungen aufbauen und von Gemeinsamkeiten ausgehen. In Familienkreisen können das längst vergangene Erfahrungen sein, in formaleren Situationen aber auch geteilte Sorgen oder Unternehmenserfolge.
Kurz fassen60 Sekunden - dann schweifen die Zuhörer ab. Laut Darlene Price, Autorin des Buches "Well Said! Presentations and Conversations That get Results", bleibt in der Regel nicht mehr Zeit, um das Interesse der Zuhörer zu wecken. Umso wichtiger ist es, einen interessanten und lebhaften Einstieg in das Thema zu schaffen. Price warnt davor, die Zeit mit halbherzigen Witzen, Danksagungen oder verwirrenden Details zu verschwenden. Besser: eine kurze, packende Geschichte zum Einstieg, die den Zuhörern die Relevanz und die Kernaussage der Rede deutlich macht.
Klar ausdrückenIm Mittelpunkt der Rede muss die Information stehen, nicht der Sprecher. In dem Artikel “ The New Articulate Executive : Look, Act and Sound Like a Leader“ verrät der Berater Granville Toogood Tricks für gelungene Präsentationen. Ein Tipp: Immer verständlich reden - so wie in einem Dialog. Eine Studie konnte zeigen, dass Redner sich gerne mit Fremdwörtern und Fachbegriffen schmücken um intelligent zu wirken – aber bei ihrem Publikum genau das Gegenteil erreichen.
Struktur wählenWählen Sie die Struktur Ihrer Rede je nach Anlass und Absicht. Ein Beispiel ist die „Drei-Zeiten-Methode“, bei der eine Rede von der Vergangenheit („Wie war es früher?“), über die Gegenwart („Wo sind wir jetzt?) bis in die Zukunft („Was ist unser Ziel?“) führt.
PowerPoint ignorierenVisuelle Unterstützungen sind aus den meisten Präsentationen nicht mehr wegzudenken. Was früher das Flip-Chart war, heißt heute PowerPoint oder Prezi – und überfordert die Zuhörer. In einer Studie der australischen Universität New South Wales bewiesen Forscher um den Professor John Sweller den negativen Einfluss von zusätzlichen Präsentationsanreizen. Professor Sweller ging sogar so weit, die Nutzung von PowerPoint als „Desaster“ zu bezeichnen und lautstark ein „Verbot“ des Programms zu fordern. Ein Problem von PowerPoint sehen Wissenschaftler vor allem dann, wenn sich Vortrag und Bildschirm-Präsentation nicht ergänzen - sondern den gleichen Inhalt doppelt transportieren.
Aussagen wiederholenMitdenken ist als Zuhörer gar nicht so einfach. Die sogenannte Radio-Methode hilft, dass Kollegen, Freunde und Zuhörer nicht mit den Gedanken abschweifen. Vor allem Werbeagenturen arbeiten mit diesem Trick, um die Konsumenten zu erreichen. Typisch für diese Strategie ist das häufige Wiederholen von prägnanten Sätzen und Phrasen. Es geht aber auch origineller als „Geiz ist geil“: Wenn der Redner die zentralen Gedanken des Vortrags regelmäßig wiederholt, werden die Zuhörer es ihm danken – mit Aufmerksamkeit. Quelle: dpa/dpaweb

Langweilige Powerpoint-Präsentationen sind kein deutsches Problem. Sie sind eine globale Seuche. Das wurde mir bei einem zweitägigen Workshop in Kuala Lumpur, Malaysia klar. Das Thema: Bankwesen nach islamischem Recht.

Zugegeben, das Thema ist nicht der reine Rock’n’Roll. Und ja, die wenigsten Dozenten waren charismatisch oder zum Präsentieren geboren. Aber das größte Problem war: Sie alle nutzten Powerpoint-Präsentationen, um die Erfahrungen aus ihren Heimatländern (Tansania, Deutschland, Indonesien, Oman) zu erzählen. Leider war das, was ich dabei gelernt habe, ein Gähnen nach innen. Alles, was nach den zwei Tagen übrig blieb, waren Handouts von Folien, auf denen mehr Wörter standen als in den allgemeinen Geschäftsbedingungen von islamischen Banken.

Ich frage mich: Warum präsentieren wir unsere Ideen so ideenlos? Warum unterwerfen wir uns dem Powerpoint-Primat? Und was können wir dagegen tun?

5 Tipps für die perfekte Rede

Das Wirtschaftsportal Bloomberg schätzt, dass auf der Welt pro Sekunde 350 Powerpoint-Präsentationen entstehen.

Tick. Tack. Tausend mehr.

Meinald Thielsch, ein promovierter Psychologe aus Münster, hat 2012 in einer Studie über „Präsentations-Software“ herausgefunden, dass 96 Prozent aller digitalen Vorträge mit Powerpoint gehalten werden. Dieser Marktanteil wird auch in anderen Studien bestätigt.

Das Wort „alternativlos“ drängt sich auf. Powerpoint existiert seit fast 30 Jahren. Wir Menschen haben uns in den letzten Jahrzehnten so viel weiterentwickelt. Warum nutzen wir immer noch Powerpoint?

„Weil es so einfach ist“, sagt Barbara Messer. Die 53-Jährige ist Trainerin und Autorin eines Buchs, das alternative Präsentationsmethoden beschreibt. „Viele denken: Wenn mein Vortrag auf Powerpoint steht, ist es seriös und bedeutsam. Aber so einfach funktioniert das nicht“, meint Messer. Denn es müsse vor allem darum gehen, bei den Zuschauern einen „bleibenden Eindruck“ zu hinterlassen – im wörtlichen Sinne. Das funktioniere nicht beim Einsatz von zahlreichen Folien mit kleinteiligen Grafiken und Text.

„Eine gute Powerpoint-Folie lässt sich vom Zuhörer in maximal fünf Sekunden erfassen“, sagt Marcus Werner, Romanautor und Kolumnist bei WirtschaftsWoche Online.

Das Problem: Führungskräfte in deutschen Unternehmen finden die meisten Businesspräsentationen überhaupt nicht überzeugend. Das hat die Manager-Umfrage „Publikumeter 2012“ des Hamburger Instituts praesentarium ergeben. Demnach werden 82 Prozent aller Präsentationen als langweilig eingestuft, 14 Prozent als zielführend und nur vier Prozent als begeisternd.

Steve Jobs hasste Power Point

Oder hat schon mal jemand gesehen, wie Steve Jobs vor der Präsentation des iPhones an die Anwesenden ein Handout verteilt hat? Nein, der Apple-Gründer hat Powerpoint gehasst.

Es mag daran liegen, dass die Software vom Konkurrenten Microsoft stammt. Oder daran, dass Jobs bei seinen Urteilen meist nur die Kategorien Liebe und Hass kannte, wie in der Biografie von Walter Isaacson beschrieben. In dem Buch steht auch folgendes Zitat von Jobs: „Ich hasse es, wenn jemand Präsentationen auf Folien macht, anstatt nachzudenken. Menschen, die wissen, worüber sie reden, brauchen kein Powerpoint.“ Ein Treppenwitz in der Geschichte von Powerpoint: Die erste Version erschien im Jahr 1987 und lief auf dem Macintosh-Computer – ein Produkt von Apple. Doch Microsoft lizensierte das Produkt noch im gleichen Jahr.

Steve Jobs ist nicht der einzige prominente CEO, der sich gegen die Software von Microsoft wehrte. Jeff Bezos, Chef des Onlinehändlers Amazon, erteilte seinen Kollegen bereits im Jahr 2004 eine Lektion darin, wie man eine Idee in einer Besprechung präsentiert.


In einer Mail mit dem Betreff „Keine Powerpoint-Präsentationen mehr“ wies Bezos seine Mitarbeiter an, ihre Ideen auf vier bis sechs Seiten aufzuschreiben und an die Kollegen zu verteilen. Dann hätte jeder 20 Minuten Zeit, das sogenannte „narrative“ (die Erzählung) zu lesen, als Grundlage für eine Diskussion. „Powerpoint-Präsentationen lassen zu, Ideen schönzufärben. So wird der Sinn für die wahre Bedeutung abgeflacht. Außerdem ignorieren sie, dass Ideen miteinander verbunden sind.“

In einer Mischung aus Verzweiflung und Eigennutz hat der Rhetoriktrainer Matthias Pöhm eine „Anti Powerpoint-Partei“ gegründet, die im vergangenen Jahr an den Schweizer Nationalratswahlen teilgenommen hat. Seinem Erfolg als Trainer hat der politische Marketinggag nicht geschadet. In Erfurt hat die „Partei“ sogar eine eigene Hochschulgruppe, in dessen Statuten steht: „Ziel ist es, über die wesentlich besseren Alternativen zu Powerpoint zu informieren, denn ,ppt’ ist wie eine Krankheit, zu der es längst Gegenmittel gibt, das aber keiner kennt.“

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