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Pro Natürlich muss der Job Spaß machen

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Bei Stress macht Arbeit keinen Spaß

Das Resultat dieser Entwicklung ist bekannt: Am Wochenende, an Feiertagen und im Urlaub werfen immer mehr Arbeitnehmer einen Blick auf die dienstlichen Emails. Zeitlich sind sie jederzeit für den Arbeitgeber erreichbar und sitzen zu Stoßzeiten auch gerne bis 22 Uhr im Büro. Die Arbeit muss ja schließlich gemacht werden.

In einigen Branchen – zum Beispiel in Werbe- und PR-Agenturen – verschärfen zu viele Aufträge für zu wenig Personal das Problem. Der Stress für den einzelnen wird zum Dauerzustand. Die Gesellschaftskrankheit „Burnout“ ist nicht umsonst ein modernes Phänomen, unter dem immer mehr Menschen leiden. Spaß hat unter diesen Umständen ganz sicher niemand.

Wir müssen auf uns selbst aufpassen

Die Chemnitzer G. Günther Soziologen Voß und Hans J. Pongratz haben diese Tendenz am Arbeitsmarkt schon Ende der 90er Jahre prognostiziert und den Begriff des Arbeitskraftunternehmers geprägt. Sie beschreiben damit einen neuen Arbeitstypus, der gezwungen ist, mit seiner eigenen Arbeitskraft wie ein Unternehmer umzugehen. Konkret: Junge Arbeitnehmer nehmen nicht mehr nur noch klar abgegrenzte Arbeit gegen ein Gehalt an. Sie müssen ihre Arbeitskraft regelrecht vermarkten und selbständig organisieren - beziehungsweise rationalisieren.

Verstärkte Selbstkontrolle ist damit zu einem wesentlichen Merkmal von modernen Arbeitskräften geworden.

Weniger Kontrolle, mehr Freiheit am Arbeitsplatz? Das klingt gut, doch die Kehrseite liegt auf der Hand. Je ergebnis- und makroorientierter die vom Arbeitgeber vorgegebenen Ziele für Beschäftigte werden, desto besser müssen sie sich und ihren Arbeitsalltag organisieren – nicht zuletzt, um auf sich selbst und ihre Gesundheit zu achten.

Fünf Tipps, damit Ihnen Ihr Job wieder Spaß macht
Fangen wir doch gleich mal mit dem " Nein" sagen an. Lassen Sie die Kollegen 2014 einfach nicht mehr alles auf Sie abwälzen. "Könntest du bitte hier...", "würde es dir etwas ausmachen, wenn..." Wenn Sie immer den Mist der anderen miterledigen, kommen Sie selber nicht voran und glücklicher werden Sie damit auch nicht. Also sagen Sie "Nein". Und zwar persönlich, nicht per Mail. Auch wichtig: Begründen Sie Ihr Nein und bieten Sie Alternativen an. Quelle: Fotolia
Und wo wir schon dabei sind, dass Sie sich gegen etwas entscheiden - entscheiden Sie doch öfter etwas. Natürlich innerhalb Ihres Kompetenzbereichs. Nutzen Sie Ihre Entscheidungsfreiheit und hören Sie auf, sich wegen jedem Kinkerlitzchen hundertmal rückzuversichern. Das ist weder gut fürs Selbstbewusstsein, noch macht es sonderlich viel Spaß. Quelle: Fotolia
Schließlich wird niemand gerne wie eine Marionette gelenkt. Falls Sie das Gefühl haben, an Ihrem Arbeitsplatz nur die Marionette des Chefs oder der Kollegen zu sein, müssen Sie daran etwas ändern. Legen Sie für sich fest, welche von den auf Sie abgewälzten Aufgaben wichtiger ist und wie Sie sie erfüllen. So gewinnen Sie - zumindest teilweise - die Herrschaft über Ihr Tun zurück. Quelle: Fotolia
Dafür ist natürlich eine Strategie unabdingbar. Nicht nur Ihre, sondern auch die der Vorgesetzten. Deshalb ist es wichtig, dass der Chef klare Anweisungen gibt: Wer macht was wann und warum. Gibt es die nicht automatisch, bestehen Sie darauf, dass Ihnen Ihr Chef sagt, wohin er mit dem Projekt will und welche Aufgaben Priorität haben. Dann kann sich auch keiner verzetteln. Quelle: Fotolia
Ihre Vorgesetzten loben zu wenig bis gar nicht? Dann tun Sie es doch! Loben Sie Ihre Kollegen, wenn etwas gut geklappt hat. Mit etwas Glück werden demnächst auch Sie gelobt - und das tut immer gut. Egal, von wem es kommt. Quelle: Fotolia

Konsequent und richtig macht das die vielbeschriebene Generation Y. Nicht selten wird ihr Faulheit oder Trägheit vorgeworfen. Dabei hat sie besser als die ebenso oft gescholtene, sich ausbeuten lassende Generation Praktikum verstanden, dass man nur einmal lebt. YOLO – you only live once ist ihr Motto. Das Leben und die Zeit optimal nutzen, ist ihr erklärtes Ziel. Die Sinnhaftigkeit einer Tätigkeit steht dabei an erster Stelle, verbunden mit dem Wunsch, Privat- und Arbeitsleben gut miteinander vereinen zu können.

Dabei geht es nicht darum, wenig zu arbeiten! Es geht um die Möglichkeit, das eigene Leben auf den Druck am Arbeitsmarkt anpassen zu können. Kaum jemand, der Forderungen an seine Arbeit und sein Leben stellt, will sich um Aufgaben herum drücken. Gerade junge Arbeitnehmer, Berufseinsteiger am Anfang ihrer Karriere wollen einen guten Job machen - ohne dabei körperlich wie seelisch im Zuge einer 60-Stunden-Woche vor die Hunde zu gehen.

Denn immer mehr jungen Menschen ist bewusst, dass sie vermutlich nie eine gutbezahlte Rentenzeit erleben werden. Sie werden – sofern nicht ausreichend privat vorgesorgt wird – so lange arbeiten müssen, wie der Körper mitmacht. Der Generationenvertrag versagt, das ist beim Blick auf demographische Statistiken seit Jahrzehnten absehbar. Wer durchhalten will, muss haushalten und für sich selbst und seine Gesundheit Verantwortung übernehmen.

Freude am Job ist kein Kann, sondern ein Muss

Beruf



Vor diesem Hintergrund und im Kampf gegen die Langeweile ist Spaß an der eigenen Arbeit unerlässlich! Zähe Strukturen, die von oben nach unten durchdekliniert werden, kann die Generation Y nicht akzeptieren. Deshalb treten junge Arbeitnehmer mit gerade einmal Anfang 20 selbstbewusst und reflektiert auf. Der Satz „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ als Totschlagargument für unsinnige Tätigkeiten funktioniert nicht mehr.

Wer sich selbst vermarktet und seine Arbeitskraft selbst organisiert, will wissen, ob sich Mühe und Opfer auch wirklich lohnen. Denn wer im Jahr 2014 Vollzeit arbeitet, opfert Zeit, die sonst für Familie, Freunde, Hobbys und Ehrenamt dagewesen wäre.

Unter diesen Umständen ist Spaß an der Arbeit für viel mehr Menschen wichtiger als noch vor dreißig Jahren. Nur wer zufrieden ist, wird auch gerne seine Freizeit opfern und gesund durchs Leben gehen.

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