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Psychologie Wie Hobbys die Karriere fördern

Der Vorstandsvorsitzende der Investmentbank Goldman Sachs, David Solomon, legt in seiner Freizeit in Clubs auf.  Quelle: REUTERS

Eine aktuelle Studie zeigt: Wer sein Hobby ernst nimmt, profitiert auch im Job – vorausgesetzt, er hat sich die richtige Freizeitbeschäftigung ausgesucht.

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Tagsüber trägt David Solomon Hemd und Anzug, nachts Kopfhörer und Basecap. Denn der glatzköpfige Mittfünfziger verbindet zwei Welten, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Solomon ist Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs, aber er legt eben auch als Hobby-DJ in den Nachtclubs von New York bis Miami auf.

Beides tue er „mit vollem Einsatz“, wie er vergangenen Winter dem US-Magazin „Fortune“ erzählte. Bevor er 2018 den Chefposten bei Goldman Sachs übernommen habe, hätte er überlegt, ob er die Turntables aufgeben soll – und sich dagegen entschieden. Richtig so. Denn mittlerweile belegt eine psychologische Studie, dass die richtige Freizeitbeschäftigung auch für die Karriere durchaus förderlich sein kann. 

Herausgefunden hat das Ciara Kelly. Sie lehrt an der Management-Schule der britischen Sheffield Universität Arbeitspsychologie und hat gemeinsam mit Kollegen der französischen ESSEC Business School und der Loughborough Universität den Zusammenhang zwischen Hobbys und Karriere untersucht. Dazu rekrutierten die Forscher Studienteilnehmer mit ganz unterschiedlichen Interessen. Sie gingen unter anderem in die Kletterhalle und zur Chorprobe, durchforsteten Online-Foren zu Brettspielen und besuchten Zirkus-Workshops. Am Ende hatten sie 280 Personen auf ihrer Liste, die sie über sieben Monate befragten. 128 von ihnen beantworteten die Fragen regelmäßig und konnten so abschließend in die Untersuchung aufgenommen werden.

Der Unterschied macht's

Von ihnen wollten die Wissenschaftler zunächst wissen, wie ernsthaft sie ihr Hobby betreiben. Denn vorangegangene Untersuchungen belegten bereits, je intensiver die Freizeitbeschäftigung praktiziert wird, desto sinnhafter erscheint etwa das eigene Leben, desto besser sind die sozialen Beziehungen und desto besser kann man seine eigenen Fähigkeiten einschätzen. Wer sich einer Sache nur sporadisch widmet, verzeichnet solche Effekte nicht. Um die Ernsthaftigkeit also zu messen, sollten die Teilnehmer folgende Aussagen bewerten: „Die Aktivität ist sehr wichtig, um zu beschreiben, wer ich bin“, „Ich möchte in dieser Aktivität etwas erreichen“, „Ich trainiere regelmäßig für diese Aktivität“ und „Ich glaube, ich habe das Potential gut in dieser Aktivität zu sein“. 

Anschließend fragten die Forscher nach, ob die Freizeitbeschäftigung dieselben mentalen und physischen Anforderungen stellt wie der Job. Denn sie gingen davon aus, dass Hobbys, die die gleichen Ressourcen binden wie der Job, sich weniger positiv auf den beruflichen Erfolg auswirken.

Im Anschluss dokumentierten die Studienteilnehmer, vom Sportkletterer bis zum Hobby-Kabarettisten, sieben Monate lang, wie viele Stunden sie ihrem Hobby widmeten. Außerdem bewerteten sie ihre Arbeitsleistung im Job über Aussagen wie: „Ich schaffe es bei der Arbeit, Herausforderungen zu meistern“ oder „Ich kann schwierige Aufgaben bewältigen, weil ich mich mit Schwierigkeiten auskenne“. 

Hobbys laden den Akku auf

Die Forscher fanden heraus, sobald die Beteiligten mehr Zeit als üblich in ihr Hobby investierten, stieg auch ihr Glaube daran, einen guten Job zu machen. Das traf allerdings nur bei den Teilnehmern zu, die ihr Hobby ernsthaft betrieben. Und auch wenn das Hobby dem Beruf zu ähnlich war, hatte dies eher negative Auswirkungen. Das könnte etwa bei einem Lehrer der Fall sein, der schon den ganzen Tag vor der Klasse steht und abends regelmäßig bei Theatervorstellungen auf der Bühne Publikum unterhalten muss.

Laut Ciara Kelly und ihren Kollegen liegt das daran, dass das Hobby dann dieselben Ressourcen bindet wie die Arbeit und diese nicht mehr ausreichend vorhanden sind. Unterscheiden sich Job und Freizeitaktivitäten allerdings, können die für die Arbeit benötigten psychologischen Ressourcen während der freien Zeit aufgetankt werden. Außerdem helfen ernsthaft betriebene Hobbys, neue Fähigkeiten und Wissen anzuhäufen. Das stärkt die Zuversicht, bei der Arbeit gute Ergebnisse abzuliefern. 

Ob die Leistungen der Studienteilnehmer tatsächlich besser waren, wenn sie sich mehr ihrem Hobby zugewandt haben, haben Kelly und ihr Team noch nicht untersucht. Dennoch sind die Wissenschaftler überzeugt, dass es die Karrierechancen auf lange Sicht steigert, immer wieder die eigenen Ressourcen aufzuladen und von den eigenen Fähigkeiten überzeugt zu sein. Und genau dabei kann das richtige Hobby helfen.

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