Rekordverdächtig Knapp 2,66 Millionen mit Zweitjob

So viele Arbeitnehmer wie noch nie in Deutschland gehen noch einem Zweitjob nach. Ende vergangenen Jahres besserten 2,66 Millionen Menschen ihr Einkommen aus einer regulären Hauptbeschäftigung mit einem Minijob auf.

Strumpfmodel, Schlangensteher oder Poker-Ass
Der SchlangensteherGeld verdienen mit Herumsitzen oder Stehen ist möglich. Wer keine Lust hat, für das neue iPhone vorm Apple Store zu zelten oder für Konzertkarten Schlange zu stehen, kann das andere für sich machen lassen - gegen Geld natürlich. In den USA vermittelt Robert Samuel, Gründer von Same Ole Line Dudes (SOLD Inc.), professionelle Schlangensteher. Diese
Der FahrzeugüberführerIn Hamburg steigt der Fahrer ins Auto und fährt bis zum Flughafen in Lissabon, Portugal. Dort gibt er das Auto ab und steigt in den nächsten bestellten Wagen. Ziel: Berlin, Deutschland. Nicht immer müssen es gleich 5000 Kilometer sein. In der Regel schafft ein Überführer die Wagen innerhalb Deutschlands von A nach B. Der Verdienst liegt zwischen 40 und 80 Cent pro gefahrenem Kilometer. Ralf Müller, Inhaber einer Fahrzeugüberführungsagentur in Berlin, stellt nur Leute an, die mindestens 25 Jahre alt sind, ein sauberes Führungszeugnis vorweisen können und ein positives Erscheinungsbild haben. Außerdem:
Das AnprobemodellDas Modell lies ihre Beine in Strumpfhosen fotografieren. Talentscouts hatten Genevieve beim Schlendern in der Innenstadt angesprochen. Sie sollte ihre langen Beine für die Unterwäsche in Übergroßen zur Verfügung stellen.
Der HausaufpasserAuf das Haus Dritter aufzupassen, hat seine Vorzüge. Stephan, 27 Jahre alt, Student in Vancouver, Kanada, erzählt:
Der SimulationspatientDas Alter der Probepatienten liegt zwischen 14 und 84 Jahren. Praktisch alle können mitmachen.
Die Promilletester In Hamburg betreibt Manuela Ganschow die Promille-Polente. Teams aus vier Personen schwärmen in die Hamburger Nacht aus, verkleidet als Polizisten. Sie gehen durch die Kneipen und bieten den Kunden einen Promilletest an.
Der PokerspielerTagsüber paukt Simon Peters (Name geändert) in Eichstätt Katholische Theologie - nachts pokert er an fünf Rechnern parallel im Internet. Seine Gegner kommen von überall her, sie sind unterschiedlich stark. Oft heißt der Gewinner: Simon Peters. Die Einsätze sind verschieden hoch, er streut das Risiko. Im Schnitt verdient er aber genug zum Leben - etwa um die 1500 Euro im Monat oder mehr. Steuerfrei. Zum Leben reicht das allemal. Auf Turnieren lockt noch mehr Geld.

Das sind 59.000 beziehungsweise 2,3 Prozent mehr als am Vorjahresende. Dies berichtet die Chemnitzer „Freie Presse“ (Montagausgabe) unter Berufung auf die Zwickauer Linke-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann, die die Zahlen bei der Bundesagentur für Arbeit abgefragt hat. Die Arbeitsmarktexpertin sieht in der deutlichen Zunahme einen Beleg dafür, dass "für immer mehr Beschäftigte das Einkommen aus einem Job nicht mehr ausreicht". Der überwiegende Teil der Zweitjobber mache dies "aus purer finanzieller Not und nicht freiwillig", sagte sie dem Blatt.

So wird aus der Arbeitslosigkeit ein Neubeginn
Erstmal zur ArbeitsagenturDen Job zu verlieren, ist zunächst ein Schock. Trotzdem nützt Selbstmitleid in dieser Situation nichts. Deshalb müssen Betroffene so schnell wie möglich aktiv werden. Das beginnt mit dem Gang zur Arbeitsagentur, sobald klar ist, dass die Kündigung ins Haus steht. Dort melden sich Betroffene arbeitssuchend und klären die nötigen Formalitäten. Quelle: dpa
Ziele und Fähigkeiten einschätzenBevor Sie sich auf zu neuen Ufern machen, fragen Sie sich selbst, was Sie können - und was Sie erreichen wollen. Bei der Bestandsaufnahme der eigenen Fähigkeiten kann die Einschätzung von Freunden und Ex-Kollegen helfen. Ziele definieren müssen Sie dagegen selbst. Quelle: Fotolia
Bewerbungsunterlagen aktualisierenGerade wer länger keine Bewerbungen mehr geschrieben hat, sollte sich ein wenig Zeit für seine Unterlagen nehmen. Das heißt, den Lebenslauf zu aktualisieren, Kopien der entsprechenden Arbeitszeugnisse beilegen und ein aktuelles Bewerbungsfoto machen lassen. Quelle: Fotolia
Bewerben übenWenn Sie sich unsicher sind, wie ein Bewerbungsgespräch ablaufen soll: üben Sie die Situation. Informieren Sie sich über ein Unternehmen, das Sie interessiert und üben Sie, sich zu verkaufen. Was bieten Sie, was wollen Sie, was können Sie? Viele Jobcenter bieten außerdem Bewerbungstrainings an. Quelle: Fotolia
Bewerbungen schreibenWenn die Unterlagen auf dem neuesten Stand sind, gilt es, sich für den Job zu bewerben, der zu den eigenen Fähigkeiten und Zielen passt. Vor der schriftlichen Bewerbung braucht niemand Angst zu haben. Wichtig ist, zu erklären, warum man der oder die Richtige für den Job ist und sich interessant zu machen. Wie die perfekte Bewerbung aussehen sollte, erfahren Sie hier. Quelle: Fotolia
Engagieren Sie sichWarten Sie nicht darauf, dass Ihnen der neue Job in den Schoß fällt - werden Sie aktiv. Gehen Sie zu Fachmessen, sprechen Sie Personaler und Headhunter an und schreiben Sie Initiativbewerbungen. Quelle: Fotolia
Nehmen Sie direkten Kontakt aufSie wollten schon immer zu Siemens oder zur Deutschen Bank? Dann schreiben Sie doch die Firmen, die sie interessieren, direkt an. Schicken Sie ein kurzes, persönliches Anschreiben nebst einem Profil von Ihren Fähigkeiten und beruflichen Stationen. Oft ergibt sich etwas, auch wenn keine Stelle ausgeschrieben war. Quelle: Fotolia

Damit arbeiteten 9,1 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nebenbei in einem Zweitjob. Damit hat sich der Anteil innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt (2003: 4,3 Prozent).
Zimmermann sieht in der deutlichen Zunahme einen Beleg dafür, dass „für immer mehr Beschäftigte das Einkommen aus einem Job nicht mehr ausreicht“. Der überwiegende Teil der Zweitjobber mache dies „aus purer finanzieller Not und nicht freiwillig“. Eine Sprecherin des Bundesarbeitsministeriums betonte indes, dass es keine Erhebung zu dem Thema gebe. Deshalb seien neben finanziellen Engpässen auch andere Gründe vorstellbar, etwa eine „gestiegene Konsumlust“.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Während bundesweit jeder elfte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte einem Nebenjob nachging, war es in Sachsen nur jeder zwanzigste. Aber auch im Freistaat verdoppelte sich der Anteil in den vergangenen zehn Jahren. 2003 gab es noch weniger als 35.000 Zweitjobber (2,5 Prozent), Ende 2012 waren es knapp 73.000 (5,0 Prozent). Auffällig viele Zweitjobs waren mit knapp 8900 Fällen im Einzelhandel und mit fast 7800 Fällen im Gastgewerbe angesiedelt. Anfang 2013 wurde die monatliche Verdienstgrenze bei den für Arbeitnehmer steuer- und abgabenfreien Minijobs um 50 auf 450 Euro erhöht.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%