Rentenalter Immer mehr arbeiten bis 65

Die Rente mit 67 bleibt umstritten - auch wenn die Beschäftigung Älterer zunimmt. Ministerin von der Leyen will künftig halbjährlich über den Arbeitsmarkt für Ältere berichten.

von der Leyen Quelle: dpa

Immer mehr Ältere arbeiten bis kurz vor Erreichen des Renteneintrittsalters. Von den 60- bis 64-Jährigen waren dies 2010 noch 40,8 Prozent - zehn Jahre zuvor erst 19,9 Prozent. Damit belegt Deutschland in Europa einen Spitzenplatz. Dies geht aus einem Bericht über Fortschritte auf dem Arbeitsmarkt für Ältere hervor, den Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zusammen mit DGB-Chef Michael Sommer und Handwerks-Präsident Otto Kentzler vorlegte.

Rente mit 67

In der Erwerbstätigenquote von 40,8 Prozent sind nach Angaben von Sommer allerdings auch rund 800 000 Mini-Jobber enthalten - mit steigender Tendenz. Auch die Selbstständigen werden bei der allgemeinen Erwerbstätigenquote eingerechnet. Schaut man nur auf die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, so ergibt sich ein deutlich anderes Bild: Danach sind nur 27,5 Prozent der 60- bis 64-Jährigen noch in Arbeit - während dies von den 15- bis 65-Jährigen insgesamt 52,1 Prozent sind. Allerdings ist auch hier die Quote der älteren Beschäftigten leicht gestiegen.

Wichtiges Signal

Mit Blick auf die Rente mit 67 bezeichnete von der Leyen die Zunahme der Älteren mit Arbeit als „wichtiges Signal“. Die Ministerin sagte: „Wir leben länger, die Beschäftigungschancen steigen - unser Ziel ist, dass Arbeit auch für Menschen über 60 der Normalfall wird.“

Von Arbeitsmuffeln und fleißigen Bienchen
Entspanntes Leben: Im Vergleich zu Deutschland, Großbritannien, Spanien, Italien und den Niederlanden landet Frankreich auf dem letzten Platz. Und zwar dann, wenn es um die jährlich geleisteten Arbeitsstunden geht. Ein vollbeschäftigter Franzose arbeitet im Schnitt 1.679 Stunden. Noch weniger als 1999. Da waren es noch 1.950 Stunden. Quelle: dapd
Geht es um die Arbeitsproduktivität - also darum, wie viel die Franzosen im Schnitt in einer Stunde erwirtschaftet - sehen die Zahlen sehr viel besser aus: Ein französischer Arbeitnehmer bringt es auf 42,60. Quelle: ap
Großbritannien liegt mit 1.856 Arbeitsstunden pro Jahr im Mittelfeld. Auch die Briten haben ihre Arbeitszeit verringert. 1999 arbeiteten sie noch 1.960 Stunden. Quelle: ap
Während die Arbeitsproduktivität der Briten 1999 noch bei 33,70 Euro lag, liegt sie nun bei 41,70 - ein Plus von 23,6 Prozent. Quelle: Reuters
Die Italiener arbeiten fast so viel wie die Deutschen - nämlich 1.813 Stunden im Jahr. Aber auch Italien hat die Stundenanzahl im Vergleich zu 1999 gesenkt. Damals arbeiteten sie noch 1.928 Stunden pro Jahr.
Bei der Arbeitsproduktivität stehen die Italiener schlecht da. Sie liegt bei 35,60 Euro pro Stunde. Immerhin ein Plus von 6,7 Prozent im Vergleich zu 1999 (33,40 Euro). Quelle: dpa
Die Niederländer liegen bei der Anzahl der jährlichen Arbeitsstunden auf dem dritten Platz - mit 1.795 Stunden. Quelle: ap
Pro Stunde erwirtschaftet ein Niederländer 47,30 Euro - mehr als andere Europäer.
Ein Spanier arbeitet im Schnitt 1.798 Stunden pro Jahr. Noch 1999 waren es 2.001. Quelle: dapd
Beim Stierkampf ganz oben mit dabei -ansonsten im Vergleich das Schlusslicht: Ein Spanier erwirtschaftet pro Stunde nur 30,20 Euro. Trotzdem ein Plus von 18,1 im Vergleich zu 1999 (25,60 Euro pro Stunde). Quelle: dpa
In Deutschland arbeiten vollbeschäftigte Arbeitnehmer 1.904 Stunden Jahr, weder in Großbritannien noch in den Niederlanden wird so viel gearbeitete wie hier. Trotzdem arbeiten die Deutschen weniger als 1999 - damals waren es noch 2.028 Stunden pro Jahr. Quelle: dpa
Wenn es um die Arbeitsproduktivität geht, stehen die Deutschen plötzlich sehr viel schlechter da. Laut Untersuchung des Wirtschaftsforschungsinstitut Coe-Rexecode erwirtschaftet ein deutscher Arbeitnehmer im Schnitt einer 36,80 Euro pro Stunde - viel weniger als beispielsweise die Franzosen oder Niederländer. Quelle: ap

Im europäischen Vergleich liege Deutschland mittlerweile auf einem Spitzenplatz. Von der Leyen: „Das kann aber nur eine Zwischenetappe sein auf dem langen Weg zur vollen Rente mit 67.“ Die von der großen Koalition 2006 beschlossene Rente mit 67 wird stufenweise eingeführt und soll ab 2029 für alle ausscheidenden Arbeitnehmern verbindlich werden.

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