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Resturlaub und Brückentage geschickt nutzen So holen Sie 2021 am meisten aus Ihrem Urlaub raus

Wer klug plant, hat mehr von seinen Urlaubstagen. 2021 gibt es aber relativ wenig Gelegenheit, Brückentage auszunutzen. Quelle: dpa

Viele Menschen haben wegen der Coronakrise so viel Resturlaub wie nie. Der verfällt spätestens im März. Wir zeigen, wie man das vermeidet und an welchen Brückentagen sich Urlaub besonders lohnt.

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Die Deutschen sind urlaubsreif. Viele Menschen würden diesen Satz ohnehin jederzeit unterschreiben, derzeit aber gilt er ganz besonders: Denn wegen der Coronapandemie haben viele Menschen auf ihre Ferien verzichtet. In einer Xing-Umfrage gaben jüngst drei von vier Menschen an, 2020 weniger Urlaub gemacht zu haben als in den Jahren zuvor. Die Deutschen schieben also einen möglicherweise historischen Urlaubsstau nach 2021 hinüber. Vielen ist dabei nicht bewusst: Resturlaub wandert keineswegs automatisch ins nächste Jahr.

„Grundsätzlich verfällt der Urlaubsanspruch zum 31. Dezember eines Jahres“, erklärt Marc André Gimmy, Vorsitzender des Ausschusses Arbeitsrecht der Bundesrechtsanwaltskammer. Resturlaub könne nur ins nächste Jahr übertragen werden, wenn es dafür dringende betriebliche oder persönliche Gründe gebe. Dann müsse der Resturlaub bis 31. März des Folgejahres genommen werden. „Die derzeitigen Reise- und Ausgangsbeschränkungen sind jedoch kein solcher Grund für eine Übertragung des Urlaubs“, warnt der Experte. „Eine Corona-Ausnahme vom Verfall von Urlaubsansprüchen sieht das Gesetz nicht vor.“

Dennoch profitieren Arbeitnehmer in diesem Jahr von einer veränderten Gesetzeslage. „Nach neuerer Rechtsprechung muss der Arbeitgeber rechtzeitig und ausdrücklich in Textform dem Arbeitnehmer mitteilen, wie viele Resturlaubstage ihm noch zustehen, zum Urlaub auffordern und auf den drohenden Verfall des Urlaubs hinweisen“, erläutert Gimmy. Das werde aber häufig unterlassen – und dann verfalle der Resturlaub zunächst nicht. „Über wie viele Jahre auf diese Weise Urlaub angesammelt werden kann, ist noch ungeklärt. Dies wird bald vom Europäischen Gerichtshof entschieden.“



Bis wann muss ich den Resturlaub nehmen?

Urlaub stand bei vielen Menschen wegen Reisebeschränkungen oder der Angst um den Job nicht oben auf der Prioritätenliste. Es ist fraglich, ob sich daran im ersten Quartal grundlegend etwas ändert. Für viele Arbeitnehmer könnte es deshalb noch wichtig werden, dass auch die Frist 31. März nicht unumstößlich ist. Angestellte und Arbeitgeber können laut Gimmy vereinbaren, dass der Urlaub 2020 wegen der Ausnahmesituation noch bis Ende 2021 genommen werden kann. Der Experte rät, sich diese Zusage schriftlich bestätigen zu lassen.

Wer das meiste aus den Resttagen herausholen will, der kann sich die Brückentage zunutze machen. Die erste Chance dafür bietet sich gleich zum Jahreswechsel. Neujahr fällt auf einen Freitag. Wer vom 28. bis 31. Dezember vier Urlaubstage nimmt, kommt deshalb ab dem Ersten Weihnachtsfeiertag auf zehn freie Tage am Stück. Arbeitnehmer in Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen-Anhalt können noch die vier Tage rund um Heilige Drei Könige (6. Januar) hinzunehmen. Aus acht Urlaubstagen werden so 17 freie Tage am Stück.

Ostern ist bei Brückentagen immer eine sichere Bank. Karfreitag fällt 2021 auf den 2. April. Wer in den vier Tagen davor Urlaub nimmt, bekommt zehn freie Tage am Stück heraus. Dasselbe gilt, wenn die Urlaubstage in die Woche von Ostermontag (5. April) gelegt werden. Mit vier Urlaubstagen nach Pfingstmontag am 24. Mai können Arbeitnehmer neun Tage am Stück frei machen.

Auch die beiden fest auf einen Donnerstag fallenden Feiertage Christi Himmelfahrt und Fronleichnam sind wie immer eine sichere Bank für Urlaubsoptimierer. Mit einem Urlaubstag lässt sich so ein viertägiges langes Wochenende genießen.

Zwei Feiertage fallen weg

Bei den Feiertagen, die nicht auf einen festen Wochentag fallen, sieht es 2021 hingegen leider schlecht aus. Der Tag der Arbeit (1. Mai) findet an einem Samstag statt. Beim Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober ist es ein Sonntag. Zum Jahresende wird es nicht besser. Der erste und zweite Weihnachtsfeiertag fallen auf ein Wochenende, Neujahr dementsprechend auf einen Samstag.

Auch bei den regionalen Feiertagen sieht es nicht besser aus. Der Reformationstag ist in Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen gesetzlicher Feiertag, fällt aber nächstes Jahr auf einen Sonntag. Dasselbe gilt für Mariä Himmelfahrt (15. August), das im Saarland und Teilen Bayerns gesetzlicher Feiertag ist.

Ein verlängertes Wochenende beschert Allerheiligen Beschäftigten in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland. Das Datum (1. November) fällt auf einen Montag. Dasselbe gilt in Berlin für den Internationalen Frauentag am 8. März und in Thüringen für den Weltkindertag am 20. September. Die Sachsen haben durch den Buß- und Bettag am 17. November an einem Mittwoch frei. Sie kommen also mit zwei Urlaubstagen davor oder danach auf fünf freie Tage am Stück.

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Brückentage im Homeoffice nutzen

Dass so viele Feiertage im kommenden Jahr aus der Urlaubsplanung herausfallen, dürfte vor allem die vielen Menschen im Homeoffice verärgern. Denn selbst wenn man die Tage nicht freinimmt, machen viele Menschen von der Option Gebrauch, am Brückentag vom Ferienort aus zu arbeiten und den eingesparten Urlaubstag an den Beginn oder das Ende der Ferien zu legen. Hier muss aber vorher geklärt werden, ob das erlaubt ist. „Es hängt von der Vereinbarung zum Homeoffice ab, ob dort ein bestimmter Ort geregelt ist (zum Beispiel die Wohnung des Arbeitnehmers) oder ob es dem Arbeitnehmer überlassen bleibt, von wo aus er seine Arbeit erbringt“, erklärt Arbeitsrechtsexperte Gimmy.

Mehr zum Thema: Arbeit statt Urlaub: Der neue Feierabend

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