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Rhythmus der Arbeit Mit welcher Musik Sie den Job am besten bewältigen

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Playlists für Kreativität, Teamarbeit und Entspannung

Kreativität und Teamarbeit

Haben Sie schon mal vom „Mozart-Effekt“ gehört? Er geht zurück auf Studien der Psychologin Frances Rauscher von der Universität von Wisconsin, die Anfang der Neunzigerjahre die Auswirkungen von Musik auf kognitive Prozesse untersuchte. Dabei stellte sie in einem Experiment fest, dass die Probanden ein besseres räumliches und zeitliches Vorstellungsvermögen hatten, nachdem sie Mozarts Sonate für zwei Klaviere in D-Dur gehört hatten.

Die Öffentlichkeit nahm diese Ergebnisse bereitwillig auf – und verzerrte sie sogleich: „Mozart hören macht schlauer“, hieß es damals etwa in der „New York Times“. Das war zwar schon damals übertrieben. Aber zumindest die rechte Gehirnhälfte scheint durch aktivierende Musik belebt und angeregt zu werden, wie spätere Studien zeigten. „Wenn Musik die Stimmung hebt, können Menschen räumliche oder kreative Aufgaben besser lösen“, sagt auch Professor Eckart Altenmüller.

Außerdem kann sie die Gedächtnisleistung verbessern. Dazu empfiehlt der Neurowissenschaftler Lutz Jäncke folgendes Schema: 30 Minuten intensiv lernen, gefolgt von zehn Minuten Pause. Danach beginnt das Gehirn, das Gelernte ins Gedächtnis einzubrennen. Diese neuen Netzwerke zwischen den Synapsen werden gestärkt, wenn man zu diesem Zeitpunkt aufregende Musik einschaltet, so Jäncke. Denn dabei werden Botenstoffe wie Adrenalin, Dopamin und Cortisol ausgeschüttet – und die erleichtern das Verfestigen der Erinnerung.

Dahingegen ist kaum eine Termineinladung so gefürchtet wie die zum blinden Brainstorming. Einfach mal zusammensetzen, quatschen – und am Ende wird schon etwas Schlaues herauskommen? Nun ja. Wenn man sich aber schon mit Kollegen im Konferenzraum treffen muss, kann man alles dafür tun, um die Zeitverschwendung so angenehm wie möglich zu gestalten, etwa indem man gemeinsam Musik hört. Die beiden Verhaltensforscher Simone Ritter (Radboud-Universität Nimwegen) und Sam Ferguson (Technische Universität Sydney) spielten in einer Studie aus mehr als 150 Versuchsteilnehmern klassische Musik vor, die entweder fröhlich, ruhig, ängstlich oder wütend klang. Danach lösten die Probanden kreative Aufgaben. Wer die fröhliche Musik gehört hatte („Frühling“ aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“), schnitt deutlich besser ab.

Der Ökonom Kevin Kniffin von der Cornell-Universität hat noch einen weiteren Effekt entdeckt: In seinen Experimenten handelten Teilnehmer in einer Gruppe kooperativer, wenn sie erst durch ein Lied in eine positivere Stimmung versetzt wurden.

Kreativer und kooperativer – das funktioniert umso besser, wenn man die Musik selbst macht. Bei der Methode „Jymmin“, des Max-Planck-Forschers Thomas Fritz bedient man präparierte Geräte aus dem Fitnessstudio, die durch Bewegung Töne erzeugen. Wer sich auf diese Weise gemeinsam für zehn Minuten bewegt und musiziert, spüre danach ein Gefühl, das dem Runner’s High nach Langstreckenläufen gleicht. „Kurzfristig werden die Leute dadurch zu besseren Teamplayern und können kreativer denken“, sagt Fritz. Mittlerweile arbeitet er auch mit Unternehmen zusammen, die seine Technik einsetzen wollen.

Playlist für kreatives Arbeiten und Teamarbeit




Entspannung

Die richtige Musik entspannt besser als jedes Kaltgetränk. Zum Beispiel die von Max Richter. Der deutsche Komponist und Pianist ist einer der aktuell einflussreichsten Musiker seiner Generation – auch weil er sich um die Nöte schlafloser Büroarbeiter kümmert. „Gut schlafen, das ist heute immer ungewöhnlicher. Wir sind überreizt und alle etwas erschöpft“, sagte Richter, als er im Jahr 2015 sein Werk „Sleep“ vorstellte.

Die Aufnahme dauert 504 Minuten: ein mehr als achtstündiges Wiegenlied für eine übernächtigte Gesellschaft. Mit dem amerikanischen Hirnforscher David Eagleman hat Richter seine Komposition auf das menschliche Schlafverhalten abgestimmt, sodass man zu den ersten Klängen von „Sleep“ einschlummert und mit den letzten Tönen wieder aufwacht.

Eine Untersuchung des britischen Cochrane-Instituts aus dem Jahr 2015 weist ebenfalls auf die schlafförderliche Wirkung von Musik hin. Dazu werteten Forscher sechs verschiedene Studien aus, bei denen Schlaflosigkeit mit Musik behandelt werden sollte: Langsame, gleichförmige Musik verbesserte die Schlafqualität.

Noch entspannender ist der Song „Weightless“ des Trios Marconi Union. So sehr, dass die Band davor warnt, ihn beim Autofahren zu hören. Die sphärischen Klänge und der langsame Beat von etwa 60 Schlägen pro Minute, die mithilfe der Britischen Akademie für Musiktherapie entstanden sind, sorgten in einer nicht repräsentativen Studie bei den Teilnehmern tatsächlich für starke Beruhigung.

Playlist zur Entspannung


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