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Scherzen im Job „Guter Humor ist ein bisschen wie Flirten“

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Training für aggressiven Humor

Da wären wir wieder bei aggressivem Humor.
Genau. Damit kann ich Kollegen gezielt auf ihren Platz verweisen. Wenn Chefs Humor nutzen wollen, um ihren Status zu manifestieren, dann trainiere ich sie in aggressivem Humor. Aber gegenüber den Mitarbeitern ist diese Art von Humor nicht zu empfehlen. Da sollten Chefs versuchen, Distanz abzubauen statt mehr Distanz zu schaffen.

Wie schaffe ich das?
Meine Empfehlung ist: Machen Sie den Witz eindeutig und groß, damit er verstanden wird. Eine Übertreibung ist immer einfacher zu verstehen als Ironie – vor allem in E-Mails. Witze in Mails sind erlaubt, aber Sie müssen beachten, dass der Empfänger die Stimmlage und den Gesichtsausdruck nicht dazu sieht – das macht die Wahrscheinlichkeit größer, dass der Empfänger Sie missversteht.  

Gibt es auch Menschen, die einfach gar keinen Humor verstehen?
(lacht) Ich glaube, wir diagnostizieren gern: „Der hat einfach keinen Humor.“ Aber die Wahrheit ist wohl eher, dass nicht alle Menschen den gleichen Humor haben. Und ich mache immer wieder die Erfahrung, dass manche Berufsgruppen – egal ob Bauingenieure oder Oberärzte – so sehr im logischen Denken drin sind und ihre Unternehmen so logisch aufgebaut sind, dass sie an Kreativität und Leichtigkeit verlieren. Ich habe nie das Gefühl, dass ich Humor erst beibringen muss, aber manchmal muss ich ganz schön tief graben.

Macht Humor produktiver?
Wir konnten jedenfalls nachweisen, dass Humor die Selbstwirksamkeit steigert.
Was bedeutet das?
Menschen haben dann eher das Gefühl, in ihrer Position im Unternehmen einen sinnvollen Beitrag zu leisten. Humor kann meine Perspektive auf langweilige Aspekte meines Jobs ändern und hilft dabei, Widersprüche auszuhalten. Wenn ich zum Beispiel das Gefühl habe, dass in meinem Geschäftsbereich zu wenig Geld investiert wird, während es in anderen Bereichen verschwendet wird.
Geht es in den Unternehmen lustiger zu, nachdem Sie mit den Führungskräften trainiert haben?
Ich bekomme häufig Rückmeldungen von Teams, die sagen, dass sie nach einem Humortraining knifflige Situationen kreativer und besser lösen können, zum Beispiel Verhandlungsgespräche.

Was ist für Sie guter Humor?
Guter Humor ist für mich ein bisschen wie Flirten. Ich achte darauf, was mein Gegenüber lustig findet, reagiere mit einem Schmunzeln oder Lachen. Probiere etwas anderes, wenn mein Witz nicht ankommt, lasse mir vom anderen etwas anbieten. Ich finde es immer etwas anstrengend, wenn jemand eine halbe Stunde lang einfach nur einen Kalauer nach dem anderen raushaut und gar nicht darauf achtet, ob der Gesprächspartner das überhaupt lustig findet. Humor ist Interaktion, es geht darum, sich gegenseitig Geschenke zu machen.

Wie wäre es mit einem Abschiedsgeschenk: Was ist Ihr Lieblingswitz?
Der hier geht immer: Barack und Michelle Obama gehen in ein Autohaus. Dabei stellt sich heraus, dass Michelle früher einmal mit dem Besitzer des Autohauses liiert war. Barack sagt: „Wärst du mit ihm zusammengeblieben, wärst du heute die Frau eines Autohausbesitzers.“ Michelle antwortet: „Nein, wenn ich heute noch mit ihm zusammen wäre, wäre er heute Präsident der USA.“

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