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Schwieriger Joballtag Diese Grafiken zeigen, was Deutsche sich im Joballtag zumuten

Überstunden gehören bei vielen Beschäftigen zum Arbeitsalltag.

Überstunden ohne Ende, wenig Zeit für viele Aufgaben, Arbeiten trotz Krankheit: Eine Studie zeigt, was Beschäftigte im Joballtag besonders belastet. Schon das Trinken wird zur Herausforderung.

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Zwölf Buchstaben genügen, um den Missstand zu beschreiben, auf den die Techniker Krankenkasse und das Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung in vier Jahren voller Befragungen gestoßen sind: Präsentismus. Arbeitswissenschaftler bezeichnen damit das Phänomen, dass sich Beschäftigte mit einer Krankheit herumquälen, die sie jedoch nicht davon abhält, sich ins Büro zu schleppen. Die Hälfte der Beschäftigten soll mindestens gelegentlich krank zur Arbeit gehen, fast zehn Prozent sogar sehr häufig. Das zeigt die Studie mit dem Titel „How's work?“, für die zwischen 2018 und 2021 mehr als 11.000 Beschäftigte aus Privatwirtschaft und öffentlichen Einrichtungen befragt wurden.

Doch ausgerechnet jetzt, zu einer Zeit, in der die Ampelkoalition eine 3G-Regelung im Büro auf den Weg bringen will, offenbaren verschiedene Studien, welchen Effekt auch die neuen Arbeitsformen auf das Wohlbefinden derer haben, die die Wirtschaft letztendlich tragen: die Beschäftigten.

„Es reicht nicht, als Unternehmen nur auf Fehlzeiten zu schauen“, sagt Jens Baas, Vorstandschef der Techniker Krankenkasse. Zu einem „zukunftsfähigen betrieblichen Gesundheitsmanagement“ gehöre der Blick auf Themen wie Präsentismus – „ganz besonders in Zeiten von mehr Homeoffice und flexiblen Arbeitsmodellen.“ Gerade im Homeoffice sind die Hürden, trotz einer Krankheit zu arbeiten, viel geringer. Die lästige Fahrt zur Arbeit, gar die ersten Schritte aus der Wohnung heraus, fallen schlicht weg. Wer sich schlecht fühlt, bleibt im Bett, auf der Couch oder am heimischen Schreibtisch – und arbeitet trotzdem. Schon in einer Umfrage der Deutschen Stiftung Depressionshilfe von Dienstag gab ein Drittel der 1123 Umfrageteilnehmer, die während der Pandemie überwiegend zu Hause waren, an, dass der Verzicht auf den Arbeitsplatz und der fehlende, reale Umgang mit Kollegen negative Folgen für ihr psychisches Befinden habe.



Die Studie der TK erfasst auch Entwicklungen, für die Arbeitnehmer nicht mal krank sein müssen: Fast 40 Prozent der Befragten gaben an, dass sie „manchmal“ Überstunden schieben, fast ein Viertel tut das gar „oft“. Und nur jeder Zehnte mache „nie“ oder zumindest „fast nie“ Überstunden.

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    Dabei unterscheiden sich die Antworten bei verschiedenen Altersgruppen stark: Bei den Menschen bis 29 Jahre ist der Anteil derer, die nie Überstunden machen, am größten, er liegt in dieser Altersgruppe bei rund 17 Prozent. Der große Gegensatz dazu sind die Mitarbeiter mittleren Alters: Unter den Befragten zwischen 40 und 49 Jahren können nur gut sieben Prozent der Befragten behaupten, nie mehr für ihren Arbeitgeber zu schuften, als sie das eigentlich müssten (siehe Grafik oben).



    In dieser Gruppe ist auch der Anteil derer, die immer Überstunden machen, mit neun Prozent am größten. Wieder beweisen die jüngeren Kollegen, dass es auch etwas vertragsgetreuer geht: Nur etwas mehr als vier Prozent schieben immer Überstunden.

    Werden die Überstunden nicht in der Gleitzeit angehäuft, um mehr Urlaubstage rauszuschlagen, muss die Extraarbeit eine Ursache haben. In der Studie berichten viele Beschäftigte von Zeitdruck: Gut zwei Drittel der Befragten haben demnach „manchmal“ oder „oft“ nicht genügend Zeit, um ihre Aufgaben zu erledigen. Nur rund sechs Prozent hätten nach der Studie so gut wie nie Probleme, die Arbeit innerhalb der vereinbarten Arbeitszeit zu verrichten.

    Auch bei dieser Befragung zeigen sich enorme Unterschiede zwischen den Altersgruppen (siehe Grafik oben).



    Vor allem Beschäftigte in Führungsverantwortung sehen sich dem Zeitdruck ausgesetzt: Nur zwei Prozent der Führungskräfte schaffen es laut der Studie, ihre Arbeit innerhalb der Arbeitszeit zu erledigen. Fast 15 Prozent schaffen das nie. Doch das schlägt sich noch nicht in mehr Überstunden nieder: Mehr als 11 Prozent der Führungskräfte machen nie Überstunden, während gerade mal weniger als fünf Prozent der Beschäftigten ohne Personalverantwortung das behaupten konnten.

    Womöglich tun sie das, um ihren viel beschäftigten Chefs etwas zu beweisen. Um ebenfalls auf der Karriereleiter aufzusteigen. Womöglich aber auch, weil sie die Extraarbeit von eben diesen aufgebrummt bekommen. TK-Chef Baas sieht in den Zahlen einen Zusammenhang zum Präsentismus: „Wer viele Überstunden macht“, so Baas, „oder generell zu wenig Zeit für berufliche Aufgaben hat, geht häufiger krank zur Arbeit“.



    Und so verwundert es nicht, dass sich viele Befragte danach sehnen, während der Arbeit lieber eine Runde zu schlafen. Schließlich sind sich viele Forscher einig, dass kurze Schlafphasen, die sogenannten Power Naps, die Leistungsfähigkeit steigern. Zwei Drittel der unter 30-Jährigen verspüren mindestens „manchmal“ das Verlangen, für eine kurze Zeit die Augen zu schließen. Über alle Altersgruppen hinweg haben 58 Prozent das Verlangen nach etwas Schlaf am Tag.

    Wenn Beschäftigte den Tag mit viel Arbeit – oder Schlaf – verbringen, fehlt sogar die Zeit für andere ganz grundlegende, lebenswichtige Aktivitäten: Wasser trinken etwa. Oder auch mal einen Apfel zu essen: Fast 40 Prozent der Befragten schaffen es laut der Studie nicht, 1,5 Liter Wasser am Tag zu trinken. Und nur zwei Prozent der Befragten essen – wie empfohlen – am Tag fünf Portionen Obst oder Gemüse (siehe Grafik).

    Mehr zum Thema: Die Coronakrise hat die deutsche Wirtschaft über Nacht digitalisiert – und könnte im Nachgang gar den Fachkräftemangel von Unternehmen lindern.

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