Serie: Zukunft der Arbeit 7 Tipps gegen den digitalen Burnout

Was nützt die größte Sichtbarkeit in digitalen Medien, wenn der Mensch sich dabei überlastet fühlt und schlimmstenfalls gar nicht mehr richtig zum Arbeiten kommt? Sieben Wege, Überlastung und Frust zu vermeiden.

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Elke M. hat die Sozialen Medien satt: „Ich melde mich bei Facebook wieder ab!“ Was der selbstständigen Unternehmensberaterin zunächst als großartiger neuer Kanal für die Kundengewinnung und den Austausch im Netzwerk erschien, gerät ihr zunehmend zur Belastung: „Ich habe das Gefühl, ich muss praktisch Tag und Nacht online sein, auch am Wochenende. Dauernd neue Kommentare und Reaktionen, dazu private Nachrichten – und nur ein Bruchteil davon ist für mich beruflich relevant.“

Trotzdem lasse sie sich immer wieder dazu verleiten, durch ihre Timeline zu scrollen, auf dieses Video zu klicken und jener Verlinkung zu folgen: „Da sind dann im Nu ein paar Stunden plötzlich buchstäblich verdaddelt.“ Bei Twitter hat sich Heike S. daher erst gar nicht mehr angemeldet, und ob sie – wie geplant – ihre Aktivitäten in dem Businessnetzwerk Xing doch noch ausbauen wird, erscheint ihr mittlerweile mehr als fraglich.

Dabei gibt es für die Einzelunternehmerin nicht wirklich eine Alternative zur Online-Kommunikation. Ihr Werbe- und PR-Budget ist beschränkt. Herkömmliche Wege der Akquise funktionieren lange nicht mehr so gut wie früher. Zudem räumt sie ein: „Seit ich mich auf Facebook als Marke präsentiere, ist die Zahl der Neukunden-Anfragen kontinuierlich  angestiegen. Auch meine Website wird viel besser besucht, und mein Ratgeber-Blog wird mittlerweile vielfach weiterempfohlen.“

Dr. Kerstin Hoffmann Quelle: PR

Doch was nützt die größte Sichtbarkeit in digitalen Medien, wenn der Mensch sich dabei überlastet fühlt und schlimmstenfalls gar nicht mehr richtig zum Arbeiten kommt? Warum überfordert uns die Präsenz in Sozialen Medien schneller als die in anderen? Und: Gibt es Wege, Überlastung und Frust zu vermeiden?

Warum Soziale Medien nützlich und verführerisch zugleich sind

Wer sich in sozialen Netzwerken mit anderen trifft und austauscht, auch zu beruflichen Fragen, muss sich weitgehend von herkömmlichen Vorstellungen über Werbung und Kundenakquisition verabschieden. Menschen wollen am liebsten mit Menschen kommunizieren, die authentisch herüberkommen. Das gilt auch für den professionellen Bereich. Gerade dann erzielt die Eigen-PR die größte Wirkung, wenn sie weitgehend frei von Werbebotschaften ist.

So hat Kommunikation in Netzwerken im Grundsatz seit jeher funktioniert: Wer auf andere eingeht und ihnen zudem nützliche, hilfreiche oder unterhaltsame Inhalte schenkt, erfährt seinerseits Unterstützung und wird weiterempfohlen. Wer sich hingegen nicht persönlich engagiert und sich Gesprächen auch abseits von Sachfragen verweigert, wird für alle anderen ziemlich farblos bleiben. Echte Beziehungen – und damit Sichtbarkeit und Relevanz – baut nur derjenige auf, der auch emotionell erreichbar ist und direkt mit anderen interagiert. Wer einfach nur gelegentliche eigene Botschaften und Links in das Statusfeld schüttet, wird allein schon vom Algorithmus als irrelevant aussortiert.

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Doch genau darin liegt eben auch die Krux: Soziale Medien funktionierend dann am besten, wenn der ganze Mensch sich zeigt und auch Persönliches einbringt. Zudem vermischen sich gerade auf Facebook private und berufliche Nutzung. Das bedeutet zugleich: Selbst der- oder diejenige, die sich vor allem aus professionellen Erwägungen heraus engagiert, kommt gar nicht umhin, das gesamte Spektrum der Inhalte und Gespräche abzudecken. Dies gilt natürlich nicht nur für Freiberufler und Einzelunternehmer, sondern auch für Angestellte: Man kann meiner Ansicht nach auch im Auftrag des Arbeitgebers keine professionelle Social-Media-Strategie umsetzen, wenn man nicht über persönliche Erfahrungen in sozialen Netzwerken verfügt.

Viele Menschen haben gegenüber Social Media immer noch große Vorbehalte. Doch sind die einmal überwunden, stellt sich bei vielen regelrechte Begeisterung ein. Es erschließen sich im Digitalen völlig neue Möglichkeiten. Resonanz und Sichtbarkeit steigen. Zum einen  erhalten die Betreffenden plötzlich viel Feedback und können daraus lernen. Zum anderen gewinnen sie plötzlich Zugang zu unendlich vielen interessanten Inhalten. Das führt oft dazu, dass mehr als die ursprünglich veranschlagte Zeit aufgewendet wird. Schnell sind über das  Scrollen durch Facebook ein paar Stunden vergangen, die man eigentlich anders einsetzen wollte.

Irgendwann ist man gefühlt „always on“, und dabei ist ja etwa Facebook nur einer von vielen Kanälen, über den Neuigkeiten hereinkommen: Messenger wie WhatsApp, News-Portale und nicht zuletzt E-Mail fordern schließlich ebenfalls Aufmerksamkeit.

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