SMS, WhatsApp, Telefon Warum wir in E-Mails nicht lügen

Täglich landen etwa eine Milliarde E-Mails in deutschen Postfächern. Das sollte uns freuen: Denn in Mails wird weniger gelogen als etwa am Telefon. Warum das so ist und wie Sie Lügen enttarnen.

Sieben Tipps für die richtige E-Mail
E-Mail Quelle: dpa
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E-Mail: Je kürzer desto besser Quelle: dpa
E-Mail nicht in Großbuchstaben schreiben
E-Mails wie einen Brief schreiben Quelle: dpa
Nicht immer sind E-Mails geeignet
Zweikämpfe vermeiden

Wenn Sie jemandem einen Bären aufbinden wollen, machen Sie das am besten via E-Mail. Das tut außer Ihnen nämlich so gut wie niemand, wie der kanadische Psychologe und Kommunikationswissenschaftler Jeff Hancock herausgefunden hat. Er forscht an der Stanford University zum Verhalten im Netz.

Hancock zufolge lügen die Menschen am häufigsten beim Telefonieren. So kann das Gegenüber verräterische Anzeichen einer Lüge nicht sehen und es gibt keine Zeugen für das Gesagte.

An zweiter Stelle folgt das direkte Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Erstaunlicherweise glaube die Mehrheit der Menschen, dass sie im direkten Gespräch eine Lüge erkennen würden, sagt Hancock. Die Quote liegt tatsächlich aber nur bei 54 Prozent. "Genauso gut könnte man eine Münze werfen." Seien Sie sich also bewusst: Wenn Sie jemand anlügt, dann wahrscheinlich am Telefon oder wenn er vor Ihnen steht.

Diese körperlichen Signale deuten auf eine Lüge hin

Dass jemand in einer WhatsApp-Nachricht lügt, ist dagegen relativ unwahrscheinlich. In Hancocks Ranking der ehrlichsten Medien liegt sie auf Platz drei. Auf Platz zwei folgt die SMS, auf Rang eins die gute alte E-Mail. Weil sie gespeichert und weitergeleitet werden können, flunkern Menschen dort weniger. Schließlich gibt das geschriebene Wort dem Belogenen einen Beweis an die Hand. "Das habe ich so nie gesagt", zählt nicht. Wer etwas aufschreibt, muss also zwangsläufig gewissenhafter sein.

Außerdem komme die E-Mail hauptsächlich im beruflichen Kontext zum Einsatz, wo nicht ganz so viel geflunkert wird, wie privat, erklären die Forscher.

Mit diesen Fragen bringen Sie Lügen ans Licht

Und wer doch via Messenger oder SMS lügt, schreibt laut Hancock "Ich bin unterwegs", obwohl er noch auf der Couch sitzt. Die großen Lügen hebt man sich dann für das Telefonat auf.

Dass die Menschen in der digitalen Welt ehrlicher sind, als in der analogen, stimmt so aber auch nicht. Gerade auf Bewertungsportalen werde gelogen, dass sich die Balken biegen. Zumindest, wenn man die gefälschten Bewertungen von Agenturen oder den Herstellern miteinbeziehe. Diese falschen Bewertungen könne man jedoch leicht erkennen, so Hancock.

Diese Antworten weisen auf eine Lüge hin

Anders als echte Kunden schreiben die Fälscher nämlich regelrechte Abenteuergeschichten, in denen Häufig das Wörtchen "Ich" auftaucht. Wer wirklich ein Hotel loben möchte, schreibt aber nicht: "Ich habe die Aussicht sehr genossen" oder "Ich habe wunderbar gegessen", sondern: Das Zimmer war schön, das Essen im Restaurant lecker, das Personal freundlich.

Und auch mit Superlativen wirft der normale Kunde in der Regel nicht um sich. Bezahlte Agenturen kommen aus dem "großartig", "toll" und "wunderschön" dagegen gar nicht mehr heraus. Aber im Grunde sei die Mehrheit der Menschen bemüht, ehrlich zu sein. Das zeige sich selbst im Digitalen: Schließlich behandeln die vielen Airbnb-Kunden ihre Wohnungen auf Zeit genauso pfleglich, wie das Car-Sharing-Auto oder die über "Rent the Runway" geliehene Abendgarderobe. Der Grund ist laut Hancock nicht nur die Angst, erwischt zu werden: "Wir wollen, wenn wir in den Spiegel schauen, einen ehrlichen Menschen sehen."

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