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Statt Flugzeug Dienstreise per Nachtzug? Ein Erfahrungsbericht

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Das „Hotel auf Schienen“ ist eher eine Jugendherberge

Während wir Köln passieren und auf die linke Rheinstrecke abbiegen, klettere ich die steile Trittleiter hoch, um mein Gepäck in der Ablage über der Abteiltüre zu verstauen und, um mein Bett herzurichten. Denn den Komfort, sich in ein gemachtes Bett legen zu können, den gibt’s nur im Schlafwagen. Das Hotel auf Schienen, als das die Bahn ihre Nachtzüge schon mal bezeichnet, es ist im Fall der Liegewagenreisenden eher eine Jugendherberge. Und so besteht auch das Bettzeug tatsächlich aus einem doppelt genähten Leintuch, in das man beim Schlafengehen hineinsteigt, wie in einen Hütten- oder Herbergsschlafsack. Dazu gibt es ein kleines Kissen und eine Wolldecke. Und das ist gut, denn die Klimaanlage im Abteil schafft es zuverlässig, den Raum in der Nacht auf eine erholsame Frische herunter zu kühlen.

Wir rollen durchs malerische Rheintal und haben längst die Deckenlampe im Abteil abgeschaltet, um aus dem Fenster den im Dunkeln schimmernden Fluss und die Burgruinen in den Weinbergen vorbeiziehen zu sehen. Jana, die resolute tschechische Schlafwagenschaffnerin, hat Hans noch ein Paprikahendl mit Spätzle gebracht (7,95 Euro) und Peter und mir einen Schlummertrunk. Einen Veltliner Weinbrand (3,65 Euro), wir fahren ja schließlich österreichisch. Dann beschließen wir kurz vor Mitternacht, der Zug rollt auf Mainz zu, schlafen zu gehen.

Dass wir hinter Mainz aufs rechte Rheinufer wechseln, dann über Frankfurt und Würzburg Richtung Nürnberg rollen, von all dem bekomme ich in meinem Etagenbett nichts mehr mit. Mit genau 1,80 Metern Länge ist es zwar recht knapp bemessen. Doch nachdem ich meine Aktentasche unters Kissen geschoben und mich leicht schräg auf die Matratze gelegt habe, bin ich – sanft vom schwankenden Zug in den Schlaf geschaukelt – eingenickt, bevor der letzte Mitfahrer, eineinhalb Meter, unter mir sein Nachtlicht ausgeschaltet hat.

Ich erwache erst wieder, als Stunden später völlige Stille herrscht. Ein Blick aufs Handy verrät mir, dass wir in Nürnberg sind. Gut eine Stunde hält der Zug hier, wird auseinander und neu zusammengekuppelt mit einem zweiten Zug, der aus Hamburg kommt und ebenfalls je zur Hälfte dann nach Wien und nach Innsbruck fährt. Doch so lange dauert das Rangieren nicht. Die Bahn gönnt den Reisenden schlicht eine etwas längere Nachtruhe. Was würde es denn nützen, schon um 5:45 Uhr in München anzukommen, wenn kurz nach 7 Uhr auch früh genug ist?

Ich weiß das zu schätzen und will mich gerade wieder zum Schlafen auf die Seite drehen, als ich aus den Tiefen unter mir leises aber anhaltend sonores Schnarchen höre. Das brauche ich jetzt ganz sicher nicht. Und während ich noch darüber nachdenke, dass ich einmal eine halbe Nacht in einem Hotel wach gelegen habe, weil das Atemrasseln eines anderen Hotelgastes sogar durch die Zimmerwand zu hören war, fällt mir ein, dass ein Satz Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung in meiner Tasche steckt.

Im Dunklen taste ich mich durch meine Tasche, finde die Ohrstecker, stelle erleichtert fest, dass der Akku geladen ist, stopfe sie mir in die Gehörgänge und erfreue mich an der wiedergewonnenen Nachtruhe. Dass der Zug in Nürnberg irgendwann wieder losrollt, bekomme ich schon nicht mehr mit.

Wohl aber, dass Jana eine knappe halbe Stunde vor der Ankunft leise aber ausdauernd in Höhe meines Bettes gegen die verriegelte Abteiltüre klopft. Sie hat mir Frühstück mitgebracht; Tee, zwei Brötchen, etwas Butter und – die ÖBB lässt grüßen – Ribisel-Marmelade, Johannisbeeren. Den Tee lasse ich abkühlen, während ich mich in einen der Waschräume am Waggonende schleiche. Sie scheinen kaum größer als ein hochkant stehender Schuhkarton. Und Duschen gibt’s im Liegewagen auch nicht. Aber für eine kompakte Morgentoilette samt Rasur reicht es.

Und so erreiche ich München am Donnerstagmorgen sogar fünf Minuten vor der Zeit, poliert und parfümiert und sogar mit einem kleinen Frühstück im Bauch. Die beiden Mitreisenden wachen gerade auf, als ich das Abteil verlasse. Hans wünsche ich ein schönes langes Wochenende mit der Familie, und Peter beneide ich um die Alpentour mit dem Motorrad. Da wäre ich gerne mitgefahren.

Nun aber wartet ein spannender Tag in München, bei dem es um nicht weniger geht als die Frage, wie die Zukunft des chinesischen Technologiekonzerns Huawei aussieht. Ich treffe mich mit einem Münchner Technologieanalysten zum Café und diskutiere die Herausforderungen für Huawei. Und als ich gut zwei Stunden später bei der ersten von zwei Pressekonferenzen auf den Rest der Journaille treffe, habe ich das Gefühl, dass ich deutlich ausgeschlafener ausschaue, als zumindest jener Teil der Kollegen, die mit dem Frühflieger angereist sind.

Und während manche von ihnen nach dem Ende der zweiten, nachmittäglichen Präsentation von Huaweis Neuheiten direkt wieder zum Flieger hetzen, kann ich in Ruhe meine Analyse der Veranstaltung und der Zukunftsfähigkeit des Konzerns schreiben und mich dann noch mit ein paar Freunden zum Abendessen treffen. Denn mein Nachtzug nach Düsseldorf verlässt München erst um kurz vor 23 Uhr. Nach einer ungestörten Nacht – diesmal ohne Schnarcher – bin ich Freitagfrüh um kurz vor 9 Uhr wieder in Düsseldorf … und wenig später am Schreibtisch.

Für mich ist das Fazit damit eindeutig: Wann immer es zeitlich passt, nehme ich wieder den Nachtzug. Er ist – zumindest für mich – auf innerdeutschen Strecken eine ernstzunehmende Alternative für den Früh- oder Spätflieger. Er erfordert aber auch, zumindest im Liegewagen, eine gewisse Bereitschaft zum rustikalen Reisen. Wer ein Faible fürs Bergwandern von Hütte zu Hütte hat, wer sich in Jugendherbergen wohlfühlte, der ist hier gut aufgehoben. Wer es luxuriöser mag oder braucht, sollte sich nach Alternativen umschauen … und muss im Zweifel eben doch fliegen. Ich hingegen werde es beim nächsten Mal mit dem Schlafwagen versuchen. Vielleicht schläft es sich dort – für wenig mehr Geld – ja sogar noch ein wenig besser.

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