Stellenanzeigen Nachfrage nach Fachkräften sinkt spürbar

Eine Auswertung relevanter Stellenbörsen zeigt, dass deutlich weniger Fachkräfte gesucht werden als noch im ersten Quartal 2015. Wer zu den Verlierern zählt und in welchen Branchen mehr gesucht wird.

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10. MechanikerNach kurzfristiger Entspannung ist in Deutschland der Anteil der Unternehmen, die offene Stellen nicht besetzen können, wieder kräftig von 35 auf 40 Prozent gestiegen. Auch weltweit ist der Wert mit 36 Prozent auf dem höchsten Niveau seit 2007, jedoch ist der Anstieg hier nur moderat. Die Folgen des Fachkräftemangels spüren viele Firmen laut des Personaldienstleisters ManpowerGroup-Studie bereits: 50 Prozent geben an, dass die Rekrutierungsprobleme ihre Wettbewerbsfähigkeit gefährden. 45 Prozent sagen sogar, dass der Fachkräftemangel sich schon negativ auf die Kundenzufriedenheit auswirkt. Jetzt hat Dekra seinen Arbeitsmarkt-Report veröffentlicht, für den die Stellenanzeigen aus Printpublikationen, Online-Jobportalen und einem sozialen Netzwerk analysiert wurden. Die 15.111 offenen Stellen verteilen sich auf insgesamt 214 Berufe und Tätigkeiten. Das sind die am meisten gefragten Berufe. Im Dekra-Report tauchen in diesem Jahr erstmals Mechaniker unter den Top-Ten-Berufen auf. Ihr Anteil an den Stellenanzeigen entspricht 2,12 Prozent. Das ergibt im Dekra-Ranking Platz zehn. Quelle: ZB
9. Medizinisches Fachpersonal"Dem Mangel an qualifizierten Managern sollten die Unternehmen frühzeitig mit individuellen Entwicklungsplänen begegnen, ein Bestandteil können Führungskräfte-Coachings sein", so ManpowerGroup-Deutschland-Chef Herwarth Brune. Das sollten sich offenbar auch Kliniken und Labors zu Herzen nehmen. Ärzte und medizinische Fachangestellte liegen nämlich auf Platz acht der meistgesuchten Fachkräfte. Bei Dekra schaffen es die Gesundheits-und Krankenpfleger auf Platz neun. Ihr Anteil an Stellenanzeigen liegt bei 2,19 Prozent. Quelle: dpa
8. Ingenieure"Deutsche Unternehmen müssen jetzt Initiative ergreifen, damit sie den Wettbewerb um Fachkräfte nicht verlieren", sagt so Herwarth Brune. Das gilt ganz besonders für die Betriebe, die nach Ingenieuren suchen. Und diese scheinen Mangelware zu sein. Jedenfalls belegen sie mit 2,48 Prozent Platz acht der am stärksten nachgefragten Fachkräfte im Dekra-Report. Wer auf Elektrotechnik spezialisiert ist, dem stehen alle Türen offen. Innerhalb der Ingenieurberufe entfällt fast jedes dritte Stellenangebot auf sie (30,9 Prozent). Die Fachrichtung Maschinen- und Fahrzeugbau befindet sich auf Platz 13 und damit erstmals seit 2010 nicht unter den Top-Ten-Berufen. Vermutlich machen sich nun die gestiegenen Absolventenzahlen in diesem Fach bemerkbar. Bei Architekten und Bauingenieuren sorgt die anhaltend gute Lage am Immobilien- und Baumarkt für eine positive Stellensituation: Fast jede fünfte Ingenieurstelle ist für die Planungsspezialisten ausgeschrieben (19 Prozent). Quelle: dpa
7. IT-KräfteNahezu jedes zehnte Stellenangebot richtet sich an Bewerber mit IT-Hintergrund (9,2 Prozent). Die positive Entwicklung der Bereiche Software und IT-Services macht sich auch am Stellenmarkt bemerkbar: Software-Entwickler liegen an siebter Stelle der Top-Ten-Berufe. Mit der zunehmenden Digitalisierung steigt auch der Beratungsbedarf, weshalb der Stellenanteil von IT-Beratern kräftig zugenommen hat. Auf Anwenderseite fehlen vor allem IT-Fachleute wie Systemadministratoren. "Häufig scheitert die Mitarbeitersuche an fehlenden Fachkenntnissen der Bewerber. Doch Weiterbildungsprogramme für Quereinsteiger zahlen sich aus, wenn Kandidaten gut zum Unternehmen passen und eine hohe Motivation mitbringen", sagt Herwarth Brune, Vorsitzender der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland. Quelle: dpa
6. VertriebsmitarbeiterDie ManpowerGroup Studie "Fachkräftemangel" wird seit 2006 weltweit durchgeführt (international unter dem Titel "Talent Shortage Survey"). Mit 37.000 Teilnehmern aus 42 Ländern in 2014 zeigt die Studie, welche Stellen weltweit schwer zu besetzen sind. Für Deutschland wurden 1.000 Unternehmen befragt, die einen Querschnitt der gesamtdeutschen Wirtschaft darstellen. Und die deutschen Betriebe fragten Vertriebsmitarbeiter (Platz sieben) sehr viel stärker nach als noch im Jahr 2013. Im Dekra-Report belegen die Vertriebler sogar Platz sechs. Quelle: Fotolia
5. Callcenter-Agents und TelefonverkäuferLeicht gestiegen ist auch die Nachfrage nach qualifiziertem Personal für Callcenter-Agents und Telefonverkäufer. In diesem Jahr belegen sie Platz fünf. Quelle: dpa/dpaweb
4. ElektrikerUnverändert ist dagegen die Nachfrage nach Elektrikern, Elektroinstallateuren und Elektrotechnikern. Sie belegen im Dekra-Report Platz vier. Quelle: dpa
3. Fachverkäufer im Nahrungsmittelgewerbe Erstmals finden sich Fachverkäufer im Nahrungsmittelgewerbe im Dekra Arbeitsmarkt-Report. Sie belegen Rang drei. Vor allem Bäckereiketten profitieren von der „Snack-Kultur“ und suchen Verkaufspersonal. Der Arbeitsmarkt-Report beleuchtet seit 2008 die Entwicklung in sieben Berufsfeldern (Beratung, Entwicklung, Büro, Service, Verarbeitung, Infrastruktur und Erzeugung). Quelle: AP
2. Wirtschaftswissenschaftler, Betriebswirte und SteuerberaterSeit 2008 hat der Anteil der wissensintensiven Berufe deutlich zugenommen: Knapp die Hälfte aller Anzeigen (49,1 Prozent) sind in diesem Jahr den Berufsfeldern „Beratung“ und „Entwicklung“ zuzuordnen. Zum Vergleich: 2008 waren es noch 42,4 Prozent. Dementsprechend belegen Wirtschaftswissenschaftler, Betriebswirte und Steuerberater im Dekra-Bericht auch Platz zwei der meistgesuchten Fachkräfte. Quelle: dpa
1. KundenberaterAuf Platz eins liegen in diesem Jahr Kundenbetreuer. Kundenbetreuer und -berater spielen in Unternehmen mit beratungsintensiven Produkten eine wichtige Rolle. Sie werden derzeit insbesondere in der Medien- und Kommunikationsbranche sowie in der Elektro- und IT-Industrie benötigt. Quelle: dpa

Vor allem Vertriebs- und Marketingmanager, Ingenieure und IT-Spezialisten werden seltener gesucht als in den ersten drei Monaten des Jahres 2015. Das ergibt eine Auswertung des Personaldienstleisters Hays. Seit 2011 werten die Experten jedes Quartal die Stellenanzeigen in Tageszeitungen und den meist genutzten Online-Jobbörsen aus. Referenzwert mit 100 Indexpunkten ist die Erhebung aus dem ersten Quartal 2011.

Insgesamt ist die Nachfrage nach Fachkräften im zweiten Quartal 2015 um sieben Punkte gefallen. Liegt mit 98 Indexpunkten knapp unterm Ausgangsquartal von 2011.

Die Stellenanzeigen für Ingenieure gehen überdurchschnittlich stark zurück und zwar um elf Punkte. Vor allem Ingenieurbüros, Unternehmen für Informations- und Telekommunikationstechnik sowie das Baugewerbe suchen deutlich weniger Ingenieure als von Januar bis März.

Die attraktivsten Regionen für Fachkräfte

Die Vertriebs- und Marketingmanager sind ebenfalls deutlich weniger gefragt als im Vorquartal (- zehn Punkte). Hierfür ist vor allem die rückläufige Nachfrage in der Telekommunikationsbranche und der Automobilindustrie verantwortlich.   In der Chemie- und Pharmaindustrie hingegen ist ein Aufwärtstrend für die Marketing- und Vertriebsstrategen zu verzeichnen.

IT-Spezialisten sind absolut gesehen zwar immer noch die meistgesuchten Fachkräfte, vor Vertriebs- und Marketingmanagern sowie Finanzexperten, dennoch ist auch hier ein rückläufiger Trend zu erkennen. Im Handel und im Automobilsektor geht die Nachfrage am deutlichsten zurück. Bessere Aussichten  haben die Informatiker im Bereich Verkehr und Logistik sowie bei Personaldienstleistern.

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Mit Blick auf die Branchen ist zu erkennen, dass ausschließlich die Energieversorger mehr einstellen als im Vorquartal. Deutlich weniger suchen der Handel und die IT-Branche. Allerdings haben diese beiden Wirtschaftszweige seit dem vierten Quartal  2013 überdurchschnittlich viele neue Mitarbeiter gesucht.   

Die Zurückhaltung bei den Einstellungen erklärt Hays-Vorstand Dirk Hahn mit „der instabilen politischen und wirtschaftlichen Lage in wichtigen Absatzmärkten Deutschlands“. Dazu zählen sowohl die anhaltenden Sanktionen gegen Russland als auch die Griechenlandkrise. 

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