Stephans Spitzen

Glück statt Planwirtschaft

Cora Stephan Politikwissenschaftlerin

Frauen verdienen in Deutschland deutlich weniger als Männer. Das aber ist keine schreiende Ungerechtigkeit, sondern eine Folge der unterschiedlichen Entscheidungen von Menschen.

Zehn Fakten zu Frauen im Berufsleben
Eine Frau geht in Berlin auf dem roten Teppich zur Verleihung Quelle: dpa
Logo der Bundesagentur für Arbeit in Frankfurt am Main Quelle: dpa
Zwei männliche und ein weibliches Vorstandsmitglieder stehen auf dem Podium Quelle: dpa
Neue 20-Euro-Scheine in der Hand einer Frau Quelle: AP
Eine Ärztin untersucht ein Mädchen in Brandenburger Kinderklinik Quelle: dpa
Heirat Quelle: dpa
Ein Neugeborenes in Mainz strampelt Quelle: dpa
Vier Babys liegen in einer Kita in Ilmenau, Thüringen. Quelle: dpa
Mütter schieben ihre Kinderwagen Quelle: dpa
SPD-Plakat vor den Wahlen 2015 in Hamburg Quelle: dpa

„Ich bin keine Feministin, ich bin Egoistin“, schrieb die 23-jährige Ronja von Rönne kürzlich in einem Debattenbeitrag für die „Welt“ und erntete viel Zustimmung. Und einen Shitstorm, natürlich, bei den feministischen Frauen und Männern. Denn der Feminismus ist wie die Gewerkschaftsbewegung: Vorwärts und nicht vergessen – die Solidarität! Was den einen die Arbeiter, sind den anderen die Frauen, als deren VertreterInnen auf Erden sie sich fühlen. Sofern es sich nicht um niedliche Mädchen mit „Pausbäckchen“, einem „von“ im Namen und Modelkarriere handelt, die „Textchen“ schreiben - Solidarität gibt es nur für Gleichgesinnte.

Es ist schon verblüffend, wie schnell noch immer nach der Kandare gerufen wird, wenn jemand es wagt, sich nicht einzureih’n im Kampf an vorderster Front. Kampf natürlich nicht für die eigenen Rechte, die man als „privilegiertes“ Jungding offenbar nicht hat, sondern für die Entrechteten und Geknechteten, als die sich Frauen selbst im genderwahnsinnigen Deutschland noch zu fühlen haben, glaubt man den Bewegten.

Feminismus ist zur "Charityaktion" geworden

Verblüffend ist auch der rohe Ton, der gegenüber der Autorin angeschlagen wird: da werden selbst FrauenfreundInnen ganz macho, da wird verkleinert und diffamiert und Dreiundzwanzigjährige zählen plötzlich nicht mehr zu Erwachsenen, die auch mal eine eigene Meinung haben dürfen.

Ist denn Ronja von Rönnes Analyse so falsch, dass der Feminismus heute eine Art „Charityaktion“ der privilegierten für unterprivilegierte Frauen geworden ist, „Symptom einer Empörungskultur, die sich fester an die Idee der Gleichheit klammert als jedes kommunistische Regime“? „Mir ist mein Glück wichtig“, schreibt sie. „Dafür kämpfe ich. Nicht für die Planwirtschaft einer Fünfzig-Prozent-Ideologie.“

Das, scheint mir, ist der Punkt. Das Recht, nach individuellem Glück zu streben, steht in der amerikanischen Verfassung, doch leider nicht im Grundgesetz, bei uns darf man nur fürs Glück aller kämpfen – und wehe, das individuelle Glück steht dem Goldenen Kalb im Wege, das da Gleichheit heißt.

Die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern

Frauen entscheiden anders als Männer

Denn darum scheint es auf denkbar phantasielose Weise nur noch zu gehen, schaut man sich die Debatte um den berühmten „Gender Pay Gap“ an, gegen den alljährlich am „Equal Pay Day“ demonstriert wird. Laut Statistischem Bundesamt verdienen Frauen hierzulande im Schnitt 22 Prozent weniger als Männer. Das wäre eine schreiende Ungerechtigkeit, stimmte es denn so. Schaut man jedoch genauer hin, liegen dieser Schere nicht Ungerechtigkeit und Unterdrückung zugrunde, sondern die unterschiedlichen Entscheidungen von Menschen, die unterschiedliche Vorstellungen von Glück haben. Der Unterschied schmilzt auf, je nach Berechnung, zwei bis sieben Prozent, wenn man diese Entscheidungen berücksichtigt.

Denn seit sie frei wählen dürfen, entscheiden sich Frauen anders als Männer: weit häufiger etwa für die weniger karriereträchtigen Ausbildungen und Berufe. Überdies unterbrechen sie ihre Berufstätigkeit öfter und für längere Zeit und sie arbeiten weit häufiger in Teilzeit. Zwischen 30 und 40 Jahren wird die Differenz am größten, denn wenn Männer Karriere machen, bekommen Frauen Kinder. Das, genau das unterscheidet Männer und Frauen.

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