Stress im Job Wir machen uns selber fertig

Stress am Arbeitsplatz gefährdet die Gesundheit der Mitarbeiter - auch weil sie mit sich selbst nicht pfleglich umgehen. Ausbrechen aus dem Teufelskreis können Arbeitgeber und Arbeitnehmer nur gemeinsam.

Diese Berufe machen krank
Ein Dozent der juristischen Fakultät begrüßt im Auditorium Maximum der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Erstsemester-Studenten Quelle: dpa/dpaweb
Ein Platzwart des FC St. Pauli bereitet den Rasen im Millerntor Stadion in Hamburg für das erste Heimspiel vor. Quelle: dpa
In der Papierfabrik der W. Hamburger AG überwacht ein Mitarbeiter das Abwickeln einer riesigen Papierrolle. Quelle: dpa
Eine Mitarbeiterin geht auf der Messe "CallCenter World 2009" vor einer Abbildung von drei in einem Callcenter arbeitende Figuren vorbei Quelle: dapd
In der Peene Stahl GmbH wird an einer Plasma-Autogen-Brenn-Schneidanlage gearbeitet. Quelle: ZB
Mulin Lin (l), Pflegeassistentin aus China, misst den Blutdruck der Rentnerin Margot Krüger im Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Quelle: dpa
Ein CNC-Fräser prüft eine Aluminiumbaugruppe Quelle: dpa

Freiheiten am Arbeitsplatz haben auch ihren Preis. Der steigende Ziel- und Ergebnisdruck in Unternehmen verleitet Beschäftigte in Deutschland dazu, mehr zu arbeiten als ihnen gut tut. Das ist das Ergebnis des Gesundheitsmonitors der Bertelsmann-Stiftung. Demnach legt ein Viertel der repräsentativ befragten Vollzeit-Beschäftigen ein zu hohes Arbeitstempo vor.

Dabei glauben die Angestellten selbst nicht daran, ihre Schlagzahl langfristig durchhalten zu können. 18 Prozent stoßen oft an ihre Leistungsgrenzen, 23 Prozent machen keine Pausen. Jeder Achte kommt sogar krank zur Arbeit. Damit wachse bei vielen die Gefahr, die eigene Gesundheit zu gefährden, so das Ergebnis der Studie.

Was bei der Arbeit stresst

42 Prozent der Befragten geben an, dass ihr Arbeitsumfeld durch steigende Leistungs- und Ertragsziele geprägt ist. Jeder Dritte weiß nicht mehr, wie er die wachsenden Ansprüche im Betrieb bewältigen soll. Dadurch komme es leicht zu einer Überforderung, bilanziert die Studie. Werden die Vorgaben dennoch erfüllt, gelte die übersprungene Messlatte schnell als neuer Standard.

Dass er dieser Spirale selbst entrinnen kann, glaubt nur jeder zweite Arbeitnehmer. 51 Prozent der Befragten geben an, keinen oder nur geringen Einfluss auf ihre Arbeitsmenge zu haben; über 40 Prozent sagen das auch über ihre Arbeitsziele.

Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, sieht daher zunächst die Unternehmen in der Verantwortung: "Das Management kann die Leistungskultur maßgeblich beeinflussen und durch realistische Arbeitsziele ein gesünderes Arbeitsumfeld schaffen."

Fünf Tipps zur Stressbewältigung

Um das selbstgefährdende Verhalten der Beschäftigten zu reduzieren, schlagen die Autoren der Studie regelmäßig verbindliche und realistische Zielvereinbarungsgespräche mit dem Arbeitgeber vor. Die vereinbarten Ziele müssten innerhalb der vertraglichen Arbeitszeit erreichbar sein, so Anja Chevalier von der Sporthochschule Köln. Besonders wichtig sei, dass Arbeitnehmer ein Gefühl für die eigenen Grenzen entwickeln, damit sie ihr Leistungspotenzial auch langfristig optimal ausschöpfen könnten, sagte Gert Kaluza vom GMK-Institut für Gesundheitspsychologie in Marburg.

In Arbeit
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„Die Studie belegt einen gefährlichen Trend, der durch die Digitalisierung der Arbeitswelt beschleunigt wird. Das Versprechen neuer Freiheiten verkehrt sich ins Gegenteil, wenn nur noch Ergebnisse zählen und unerreichbare Zieldiktate vorgegeben werden“, sagte Annelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied.

Arbeitsverdichtung, Arbeitshetze und Entgrenzung dürften aber nicht unter dem Deckmantel einer Pseudo-Freiheit zum Markenzeichen moderner Arbeit werden. „Wichtig ist, dass das Verhältnis von Arbeitszeit und Arbeitsleistung wieder ins Lot kommt, damit Arbeitszeit nicht entwertet wird.“ Dafür sei mehr Mitsprache und Mitbestimmung der Beschäftigten notwendig.

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