Studie Betrügen kann glücklich machen

Ehrlich währt am längsten, sagt der Volksmund. Forscher fanden nun heraus: Schummeln, Tricksen und Lügen im Job sorgen unter bestimmten Umständen für Glücksgefühle.

Kleinere Betrügereien sollen einer Studie zufolge Vorteile haben und sich sogar positiv auf die Stimmung auswirken. Quelle: Fotolia

Schummeln, Tricksen und Betrügen haben Nachteile - zumindest laut vorherrschendem Ethikverständnis. Ein Forscherteam der Universität Washington, Harvard University, London Business School und der University of Pennsylvania kommt in einer Studie nun zu dem überraschenden Ergebnis, dass kleinere Betrügereien durchaus Vorteile haben und sogar positiv für die Stimmung sein können. Vorausgesetzt, das unethische Verhalten führt nicht zu Nachteilen bei anderen, und das Risiko, entdeckt zu werden, ist relativ klein.

Was die Deutschen glücklich macht
Rational, kühl, pessimistisch: Die Deutschen gelten allgemein nicht als das Volk mit der größten Lebensfreude. Falsch, sagt die Forsa-Umfrage für das Happiness-Institut von Coca-Cola. Demnach sind die Deutschen wesentlich lebensfroher, als man gemeinhin annimmt. Quelle: dpa
Für den quantitativen Studienteil wurden 2153 in Deutschland lebende Männer und Frauen zwischen 14 und 69 Jahren vom Meinungsforschungsinstitut Forsa befragt. Für die qualitative Studie wurden insgesamt sechs Gruppendiskussionen (jeweils acht Personen) mit Teenagern, jungen Erwachsenen, Doppelverdienern ohne Kinder, Eltern und Senioren veranstaltet. Insgesamt fördert das Happiness-Institut, zu dessen Experten Professor Hilke Brockmann (Soziologin), Professor Ruut Veenhoven (Sozialpsychologe) und Professor Peter Wippermann (Professor für Kommunikationsdesign an der Folkwang Universität der Künste in Essen, Gründer des Trendbüros Hamburg) gehören, ein positives Stimmungsbild zutage. Quelle: dpa
Doch was macht die Deutschen lebensfroh? Die Antwort ist eindeutig und wenig überraschend: 80 Prozent der Deutschen empfinden während ihrer Freizeitbeschäftigungen große Lebensfreude. Was zählt, ist das Hier und Jetzt. 72 Prozent der Befragten empfinden zudem große Lebensfreude, wenn sie innehalten und den Moment genießen. 68 Prozent ergeht es so, wenn sie sich selbst verwirklichen können. Quelle: dpa
Arbeit trägt wesentlich zur Lebensfreude bei. Von den voll Erwerbstätigen empfinden 51 Prozent große Lebensfreude, von den Befragten ohne Job nur 41 Prozent. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Kochen auf Sterne-Niveau, Kicken im Verein oder Volleyball im Park – jeder zweite Deutsche (50 Prozent) verwirklicht sich im Hobby. Quelle: dpa
Wer selbst entscheiden kann, wie er sein Leben gestaltet, ist zufriedener. Die wichtigste Strategie dafür: selbst über seine Zeit bestimmen. Das sagen 64 Prozent der Deutschen. Quelle: dpa
Lieben und geliebt werden: 54 Prozent der Menschen in einer Beziehung sind sehr lebensfroh. Unter den Singles liegt die Quote bei 44 Prozent. Für 76 Prozent der Eltern kleiner Kinder trägt der Nachwuchs sehr zur Lebensfreude bei. Quelle: dpa

Der Schummel-Erfolg löse eine Cheater's High aus, also einen Glückszustand beim Betrüger, stellten die Forscher fest. Das Team hatte in sechs verschiedenen Experimenten untersucht, wie sich unethisches Handeln auf die Gemütsverfassung auswirkt. Sie gingen von der Annahme aus, dass die Bereitschaft zum Betrügen dann groß ist, wenn dadurch niemand konkret geschädigt wird und das unethische Verhalten viele Vorteile für den Betrüger verspricht. Auch nahmen die Forscher an, dass unter solchen Bedingungen nicht notwendigerweise Nachteile oder schlechte Gefühle durch den Betrug entstehen müssten.

Entsprechend wählten die Wissenschaftler die Experimente aus. Die Probanden sollten beispielsweise 20 Mathematikaufgaben lösen. Für jede richtige Lösung wurden sie mit einem Dollar belohnt, der sich in einem Umschlag mit insgesamt 20 Dollar befand. Bei einem Durchlauf erhielten die Teilnehmer die Gelegenheit, die richtigen Antworten zu sehen und ihr Rechenergebnis entsprechend zu korrigieren, um besser abzuschneiden.

Die Hitliste der Chef-Lügen

Zuvor hatten die Forscher die Probanden befragt, wie diese zu reagieren glaubten, wenn sie bei einer Aufgabe schummelten. Die meisten Befragten gaben an, dass sie sich schlecht fühlen würden und der Betrug sicher zu eigenen Nachteilen führen würde. Tatsächlich geschah aber das Gegenteil. Die Trickser litten keineswegs unter einem schlechten Gewissen. Im Gegenteil, ihre gute Laune stieg. Sie kamen sich wie Gewinner vor, hatten ein stärkeres Selbstbewusstsein und fühlten sich insgesamt zufriedener. Die Ehrlichen dagegen ärgerten sich über ihre schlechten Ergebnisse und das nicht gewonnene Geld. Sie fühlten sich wie Verlierer und zweifelten an sich.

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Bezogen auf die Arbeitswelt könnte diese Verhaltensstudie erklären, weshalb insbesondere bei Bewerbungen viele Menschen zum Schummeln und Schönen neigen. Auch hier erwarten die Betrüger keine offensichtlichen Leidtragenden, aber einige Vorteile für sich. Eine ähnliche Parallele ziehen die Forscher zu Unternehmen, in denen ganze Abteilungen dazu angehalten werden, nicht ehrlich zu sein - etwa wenn es um die Präsentation geschönter Zahlen im Geschäftsbericht geht. Je unkonkreter und unsichtbarer die negativen Folgen von unethischem Verhalten, desto größer ist demnach die Wahrscheinlichkeit, dass betrogen wird.

Dieser Artikel ist zuerst auf zeit.de erschienen.

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