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Studie Digitalisierung und Arbeitsplätze Computer können Jobs von 4,4 Millionen Deutschen übernehmen

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Der Kita-Roboter wird nicht kommen


Dass Computer nicht nur die Produktionsberufe, sondern auch die Dienstleistungsberufe verändern (werden), zeigt sich insbesondere auch im Berufssektor „Kaufmännische und unternehmensbezogene Dienstleistungsberufe“. Das durchschnittliche Substituierbarkeitspotenzial liegt hier bei den Helfern und bei den Fachkräften immer über 40 Prozent. Einzelhandelsberufe, aber auch Groß- und Außenhandelsberufe und berufliche Tätigkeiten rund um die administrativen und organisatorischen
Büro- und Sekretariatsarbeiten könnten demnach bereits heute zu einem nicht unwesentlichen Teil durch Computer ersetzt werden.

Ob das tatsächlich passiert, hat aber nicht nur etwas mit den technischen Möglichkeiten zu tun: In den Berufssegmenten "medizinische und nicht-medizinische Gesundheitsberufe" - dazu gehört zum Beispiel der Altenpfleger - oder "soziale und kulturelle Dienstleistungsberufe", worunter unter anderem Lehrer fallen, liegt das Substituierbarkeitspotenzial bei null Prozent. Und das obwohl viele der ausgeübten Tätigkeiten von einem Roboter oder einem Programm erledigt werden könnten.

Denn schließlich gibt es schon heute Lernsoftware, die den Mathenachhilfelehrer überflüssig machen könnte und in Japan experimentieren entsprechende Einrichtungen schon länger mit Pflegerobotern. Und auch der Augsburger Industrieroboterhersteller Kuka liebäugelt mit dem Gedanken, Roboter für Krankenhäuser und Altersheime herzustellen. "Serviceroboter können wir uns gut vorstellen bei Kuka. Diese Maschinen helfen dann im Haushalt beim Tisch abräumen oder im Pflegeheim und Krankenhaus bei der Essens- und der Medikamentenausgabe“, sagte Konzernchef Till Reuter.

Ethik und Haftungsdebatte machen Pflegeroboter schwer vorstellbar

Mehr ist in Deutschland aber schwer vorstellbar: Was wäre, wenn Alte in Zukunft von Maschinen gepflegt, gefüttert oder angezogen werden sollen. Wenn Roboter in Kitas Babys wickeln oder mit Kleinkindern spielen sollen und wenn eine Software Kindern lesen beibringen soll. Es wären sicher nicht nur Digitalisierungsverweigerer und Kirchen gegen diese Art des Fortschritts. Hinzu kommt - wie auch jetzt schon beim automatisierten Fahren - die rechtliche Frage:

  • Wer haftet, wenn der Krankenschwester-Roboter den Intensiv-Patienten umbringt, weil er die falschen Medikamente verabreicht?
  • Wer ist schuld, wenn der Kita-Bot beim Wickeln ein Kind fallen lässt, weil das Kind sich auf eine Weise bewegt hat, die in der Programmierung nicht vorgesehen ist?
  • Und bemerkt der Pflegeroboter im Heim, ob ein Patient in der Nacht gestorben ist?

Schon 2012 haben Forscher des Zentrums für Technologiefolgen-Abschätzung in Zürich festgestellt, dass die Haftung wohl das K.O.-Argument sein werde. Schließlich könnte bereits ein Stromausfall dazu führen, dass lebenswichtige Medikamente nicht verabreicht werden. Von einem Angriff durch Hacker einmal ganz zu schweigen. Die Haftungsfrage wäre in so einem Fall kaum zu klären.

Die Wissenschaftler befragten außerdem Patienten, Krankenhausmanager, Pfleger und Ärzte, was sie vom Einsatz von Pflegerobotoren denken. Pflegekräfte befürchteten auf der einen Seite, dass sie aus Spargründen von Robotern ersetzt werden könnten. Allerdings begrüßten sie mechanische Assistenten etwa zur Entlastung bei schweren körperlichen Arbeiten, wie dem Heben und Umlagern von bettlägerigen Patienten.

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Die Einstellung der Patienten war dagegen zwiespältig: Einerseits erhoffen sie sich einen unabhängigeren Alltag mit smarten Rollstühlen oder Servicerobotern für den Haushalt. Auch sogenannte Telepräsenzroboter, die per Videogespräch die Anwesenheit einer Pflegekraft ersetzen, könnten als digitale Nabelschnur gegen Vereinsamung dienen.

Allerdings gehe mit der vermeintlich gewonnenen Selbstständigkeit auch eine gewisse Abhängigkeit von den Maschinen einher. Und: Um sicher zu stellen, dass der Roboter eben nicht dank eines Stromausfalls starr in der Ecke steht, während der Patient ihn braucht, müssen Roboter und Mensch rund um die Uhr überwacht werden. Auch keine schöne Vorstellung.

Davon abgesehen wäre die Kosten exorbitant hoch: Einmal die Anschaffungs- und Wartungskosten für die Maschine plus die Kosten für die Überwachungstechnik plus die Personalkosten für die Mitarbeiter, die die Überwachungsdaten auswerten.

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