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Studie Überqualifizierte Akademiker

Fast jeder fünfte Beschäftigte arbeitet unterhalb seines Ausbildungsniveaus - in Zeiten des Fachkräftemangels ein enormes Problem. Eine Studie zeigt, was Unternehmen und Politik dagegen tun können.

Wo es jetzt mehr Gehalt gibt
Ära moderater Lohnabschlüsse vorbeiMit dem Pilotabschluss in Baden-Württemberg haben die Metaller die höchste Einkommensverbesserung seit rund 20 Jahren durchgeboxt. Arbeitgeber und IG Metall haben sich am Samstag in Sindelfingen auf einen Tarifvertrag geeinigt. Die Entgelte für die 800.000 Metaller werden rückwirkend zum 1. Mai um 4,3 Prozent erhöht. Der jüngste Tarifabschluss für die baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie soll bundesweit übernommen werden. Für die Volkswirte der Commerzbank steht nach dem Metall-Tarifabschluss fest: „Die Entgelte in der deutschen Wirtschaft werden dieses Jahr deutlich stärker zulegen als 2011.“ Die Ära moderater Lohnabschlüsse sei nun erstmal vorbei, meint Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Quelle: dpa
Auch ohne Tarif mehr als sechs Prozent PlusAuch all diejenigen, für die keine Tarifverträge gelten, können in diesem Jahr deutlich mehr Geld verlangen. Nach einer Analyse der WirtschaftsWoche und der Hamburger Vergütungsberatung PersonalMarkt erhalten Führungskräfte in Unternehmen mit 100 bis 1.000 Mitarbeitern 2012 ein durchschnittliches Jahresgehalt von etwa 95.000 Euro – das sind satte 6,7 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Quelle: Fotolia
Mehr Geld für BerufseinsteigerFachkräfte ohne Personalverantwortung können noch mit einem Plus von 1,7 Prozent rechnen. Sie nehmen im Schnitt etwa 53 000 Euro mit nach Hause. Hochschulabsolventen steigern ihr Einstiegsgehalt in diesem Jahr im Schnitt um 3,9 Prozent. Im Jahr 2011 verdienten sie durchschnittlich gut 40 000 Euro, 2012 kommen sie auf mehr als 42 000 Euro. Den kompletten Gehaltstest finden Sie hier. Quelle: dpa
Chemie-Arbeiter fordern sechs ProzentAls nächstes wollen sich die rund 550.000 Beschäftigten der Chemie-Industrie ihren Anteil holen, wenn sie am Mittwoch in Berlin ihre Tarifverhandlungen fortsetzen. Die IG BCE verlangt unter anderem sechs Prozent mehr Geld für die Mitarbeiter und Auszubildenden bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Quelle: dpa
Auch Banker wollen sechs ProzentAuch Bankangestellte wollen vom Aufschwung profitieren. In den festgefahrenen Tarifverhandlungen bei den Banken erhöht Verdi mit weiteren Warnstreiks den Druck. Die Arbeitgeber hatten Anfang Mai eine erste Offerte vorgelegt, die für die 220.000 Beschäftigten bei privaten und Landesbanken Gehaltssteigerungen von 4,2 Prozent über 30 Monate vorsieht. Das sind nach Verdi-Berechnungen knapp 1,4 Prozent pro Jahr. Die Gewerkschaft fordert dagegen ein Lohnplus von sechs Prozent sowie tarifliche Vereinbarungen für einen besseren Gesundheitsschutz. Allerdings ist nur eine Minderheit der Bank-Beschäftigten in einer Gewerkschaft organisiert, die Durchschlagskraft eines Arbeitskampfs ist daher begrenzt. Verdi und DBV verhandeln für rund 220.000 Beschäftigte bei Großbanken, Privatbanken, Landesbanken und freien Sparkassen. Dort arbeitet etwa ein Drittel aller Beschäftigten in deutschen Banken. Die Postbank hat einen Haustarif, die Gehälter in den Kreis- und Stadtsparkassen folgen dem öffentlichen Dienst. Quelle: dpa
6,5 Prozent bei der TelekomDie Tarifverhandlungen für die 80.000 Beschäftigten der Deutschen Telekom sind bereits abgeschlossen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer einigten sich auf 6,5 Prozent mehr Geld. Die Anhebung erfolgt in drei Stufen innerhalb einer Laufzeit von zwei Jahren. Quelle: dpa
Neuer Haustarif bei VolkswagenDie IG Metall fordert 6,5-prozentige Lohnaufschläge für die VW-Beschäftigten. Die Gewerkschaft handelt bei Volkswagen traditionell einen Haustarif für die rund 100.000 Beschäftigten in den sechs westdeutschen Werken aus. Die Gespräche sollen am 25. Mai in Hannover fortgesetzt werden. Wegen des Rekordgewinns von VW hatten die Beschäftigten der sechs westdeutschen Werke bereits eine Gewinnbeteiligung von je 7.500 Euro erhalten. Quelle: dapd

Etwa 19 Prozent der Akademiker sind für ihren Job überqualifiziert. In den 1980er Jahren waren es gerademal  elf Prozent. Diesen Anstieg belegt eine Studie der Universität Hohenheim im Auftrag der IG Metall Baden-Württemberg. Ralf Rukwid, der Autor der Studie, sieht die ungenutzten Reserven als Problem für die gesamte Volkswirtschaft.

Vor allem Bachelor-Absolventen scheinen unter der Überqualifizierung zu leiden. Ein Ergebnis zu dem auch die HIS-Absolventenbefragung kommt. Nur 36% der Bachelor-Absolventen an Universitäten halten ihren Job für ihrer Ausbildung entsprechend. Bei Diplom- und Magisterabsolventen sind es immerhin 70 Prozent. Vor allem Geistes- und Sozialwissenschaftler finden häufig nicht den passenden Job.

Doch auch Absolventen der MINT-Studiengänge, die oftmals als Mangelware bezeichnet werden, sind unzufrieden mit ihrer Beschäftigung. Nur 45 Prozent der Bachelor fühlen sich an ihrem Arbeitsplatz adäquat untergebracht, fast 20 Prozent unterfordert.

Denglische Floskeln, die wir nicht mehr hören wollen
Noch vor Jahren hatte die Deutsche Bahn vor allem ein Image als "Sprachpanscher". Nun verstärkt der Konzern seine Bemühungen um die Sprache. Künftig sollen weniger englische Wörter im Bahn-Alltag verwendet werden. Das hat Bahnchef Grube in einem Brief an den CSU-Bundestagsabgeordneten Hinsken versichert. Aus dem Flyer sollen künftig wieder Handzettel werden, die Hotlines werden zu Service-Nummern und bei bekannten Marken wie "Call-a-Bike" soll künftig eine deutsche Erläuterung wie "Das Mietrad-Angebot" hinzugefügt werden. Auch mit der Rechtschreibung will die Bahn es genauer nehmen: Aus dem "ReiseZentrum" wird das "Reisezentrum" mit kleinem "z". Zuvor waren bei der Bahn Service Points bereits zu DB Informationen und Counter wieder zu Schaltern geworden. Es wird also Zeit, Abschied zu nehmen von viel gehörten Sätzen wie "Senk ju vor träwelling wiss Deutsche Bahn." Aber keine Angst: Die folgenden denglischen Floskeln werden uns wohl oder übel noch erhalten bleiben. Quelle: dpa
A Ferrari P4/5, designed by Pininfarina Quelle: REUTERS
Mann mit Laptop Quelle: gms
türklinke Quelle: Fotolia
Ein Bauarbeiter mauert am Main am 30. August 2005 an einem Haus. Quelle: AP
Ein Spot beleuchtet in Hagen in einer Fotoillustration auf einem Kalenderblatt den Wochentag Freitag Quelle: dapd
Frau mit einem Heftpflaster auf der Schulter Quelle: REUTERS

„Diese Untersuchung weist auf beträchtliche ungenutzte und damit gefährdete Qualifikationsreserven hin“, sagt Jörg Hofmann, IG-Metall Bezirksleiter Baden-Württemberg. In Zeiten des Fachkräftemangels sei die Situation noch brisanter. Auch Rolf Schumacher, Ministerialdirektor im baden-württembergischen Ministerium für Finanzen und Wirtschaft, fordert Beschäftigte nach ihren Qualifikationen einzusetzen. „Das ist gerade für die Sicherung des Fachkräfteangebots wichtig, denn Fachkräftesicherung heißt,  alle Potenziale voll auszuschöpfen“, sagt er.   

Beschäftigte mit einer abgeschlossen Berufsausbildung sind ebenfalls oftmals überqualifiziert für ihre Tätigkeit. Das trifft vor allem auf diejenigen zu, die befristete Arbeitsverträge haben oder in Teilzeit beschäftigt sind. Mehr als jeder Vierte in einem befristeten Beschäftigungsverhältnis fühlt sich unterfordert.

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