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Teilzeitjob „Ich kann nur jedem empfehlen, in Teilzeit zu arbeiten“

Teilzeit im Job Quelle: Getty Images

Warum lohnt sich Teilzeitarbeit? Welche Fallstricke lauern bei der Stundenreduzierung? Und was bedeutet Teilzeit für die eigene Karriere? Das erklärt der Fernsehredakteur und Buchautor Axel Mengewein im Interview.

WirtschaftsWoche: Herr Mengewein, halten manche Menschen Sie für faul?
Axel Mengewein: Faul nicht unbedingt. Aber die Meinungen über Teilzeit gehen schon sehr weit auseinander. Wer selbst Stunden reduziert, schätzt die Freiheiten. Wer in der Vollzeit-Tretmühle steckt, steht dem kritischer gegenüber.

Der Untertitel Ihres neuen Buches „Halbe Arbeit - Ganzes Leben“ lautet: Arbeite so wenig, wie du willst. Da könnte man schon auf die Idee kommen, Sie machen sich einen schönen Lenz.
Ich mache in der gewonnenen Zeit ja andere Dinge. Zum Beispiel habe ich dieses Buch geschrieben. Das bedeutete viel Arbeit. Ich bin Taekwondo-Meister geworden, was viel Fleiß erfordert. Sehen Sie, ich bin nicht dem Teilzeit-Müßiggang verfallen, den man ja aus dem Urlaub kennt und der nachweislich träge macht. Ich kann nur jedem empfehlen, in Teilzeit zu arbeiten. Dabei entdecken Sie ungeahnte Talente. Denn wenn Sie Vollzeit arbeiten, haben Sie gar keine Zeit zu hinterfragen, was Ihnen noch Spaß machen könnte.

Wie hat sich ihr Leben verändert, seitdem Sie in Teilzeit arbeiten?
Mit der Liebe läuft es besser. Ich habe über zehn Jahre viel gearbeitet und war immer fürs Unternehmen da – auch am Wochenende, an Feiertagen und in Randzeiten. Jetzt habe ich eine tolle Partnerschaft, die ich auch pflegen kann. Außerdem bin ich deutlich fitter, als ich mir das jemals erträumt habe. Ich laufe sogar Marathon. Diese Art zu leben, macht mich zufriedener.

Axel Mengewein arbeitet seit 20 Jahren als Fernsehjournalist beim ZDF und ist Autor des Buches „Halbe Arbeit, ganzes Leben ­ Arbeite so wenig wie du willst. Das Teilzeitmanifest.“ Das Buch erscheint am 22. Oktober 2018 im Ariston-Verlag und kostet 16 Euro. Quelle: PR

Das hört sich erst mal gut an. Aber es war sicherlich auch nicht immer leicht. Wie hat etwa Ihr berufliches Umfeld reagiert, als Sie Teilzeit anmeldeten? 
Es war ungewöhnlich, dass ein Mann freiwillig Stunden reduziert. Meine erste Teilzeit habe ich beantragt, weil ich an der Uni Dortmund meine Promotion in Journalistik machen wollte. Das fanden alle ganz toll und irgendwie spannend. Als ich das zweite Mal reduziert habe, habe ich das gemacht, weil es meiner Mutter nicht gut ging und ich mehr Zeit mit ihr verbringen wollte. Da habe ich angefangen drei Wochen zu arbeiten und dann eine Woche frei zu machen. Das kam dann schon weniger gut an.

Warum?
Ich war damals leitender Redakteur. Und wie das nun mal so ist, reduziert man bei einer 80-Prozent-Stelle ja nicht nur 20 Prozent - von 100 auf 80 Prozent. Sondern eher um 40 Prozent, weil man vorher 120 Prozent gearbeitet hat. Vollzeit plus Überstunden. Das müssen andere dann auffangen.

Was wäre Ihrer Meinung nach eine Lösung für dieses Problem?
Führungstandems. Ich verstehe wirklich nicht, warum sich immer noch so selten Menschen eine Führungsposition teilen. Und die neue Brückenteilzeit, die von der großen Koalition ab 2019 eingeführt wird, ist ein weiterer wichtiger Schritt. Dabei können die Mitarbeiter bis zu fünf Jahre in Teilzeit gehen und haben danach ein Anrecht, in Vollzeit zurückzukehren. Das reduziert die Angst vor der Teilzeitfalle und führt zu einer größeren gesellschaftlichen Akzeptanz.

Müssen Sie sich heute noch rechtfertigen für Ihren Teilzeitjob?
Es wird nach wie vor hinterfragt. Kommst du mit dem Geld klar? Was ist mit deiner Rente? Hast du überhaupt noch Chancen auf eine Beförderung? Arbeitest du je wieder Vollzeit? Solchen kritischen Fragen muss ich mich schon stellen.

Das sind ja auch berechtigte Fragen. Welche Abstriche müssen Sie denn machen?
Finanziell sind die Einbußen tatsächlich deutlich weniger, als man so denkt. Das Brutto schrumpft zwar deutlich, aber netto macht es meist gar nicht so viel aus. Wenn man dann ein bisschen auf die Kosten achtet, passt das immer noch sehr gut. Gerade bei den vollzeitnahen Teilzeitmodellen, bei denen man weniger als 20 Prozent reduziert.

Wie kann das sein?
Erst mal zahlen Sie natürlich weniger Steuern. Und dann nehmen Sie zum Beispiel einen Pendler, der jeden Tag 150 Kilometer fährt. Wenn er die Strecke nur noch viermal pro Woche fährt, spart er deutlich. Weil er weniger Sprit verbraucht und die Verschleißkosten am Auto niedriger sind.

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