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Tipps zur Motivation So lernen Sie Ihren Job wieder lieben

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"Weshalb muss ich mir das antun?"

Aber Hand aufs Herz: Wer geht schon gern arbeiten? Ist Arbeitsfreude nicht eher etwas Seltsames?
Natürlich ist Arbeitsfreude etwas Seltsames, wenn der Zeitgeist sie dazu macht. Wir haben einen Zeitgeist der Maloche. Dieser Zeitgeist definiert, dass Freude an der Arbeit seltsam ist. Irgendwie altmodisch in unserer modernen multioptionalen Zeit. Arbeitsfreude bleibt so immer nur die ‚second best solution‘ von den Optionen der Lebensgestaltung. Jemand, der zur Arbeit genauso gern oder sogar lieber als ins Kino geht, der ist heutzutage einfach nicht hip.

In Zeiten der Diskussion über Neoliberalismus, Globalisierung und Digitalisierung gerät immer mehr ins Hintertreffen, dass Arbeiten sehr wohl etwas Erfreuliches sein kann. Eine Freude, die jeder braucht, weil à la longue nur „Spaß am Leben“ nicht erfüllend ist. Doch danach sehnt sich der Mensch. Die eigene Arbeit bietet reichlich Möglichkeit dazu. Man muss sie nur richtig anschauen im Wechselspiel von Müssen und Wollen. Da hilft es, einen ungetrübten Blick auf die eigene Arbeit zu werfen und sie nicht nur als Verpflichtung, sondern auch als Verlockung begreifen.

In Ihrem Buch sprechen Sie davon, dass sich alles um die eine Frage dreht: Warum tue ich mir das an?
Ich halte die Frage in ihrer Tragweite für unterschätzt. Sie ist der wichtigste Treiber für Fortschritt und Entwicklung von Gesellschaft und Kultur. Die Frage hat mit Konsequenz, Strategie, Durchhaltevermögen, Opferbereitschaft, Überzeugung und Hoffnung zu tun. Weil alles, was den Fortschritt gebracht hat, ja nicht leicht und einfach gewesen ist.

Echte Arbeitsfreude statt mantraartiger Selbstmotivation - so geht's

Die Entwicklung der Welt provoziert diese Frage unentwegt. Und alle Anstrengungen, die zu Ende gebracht wurden und in Fortschritt mündeten, hätten ja auch unterbrochen und aufgegeben werden können. Alle Menschen, die Fortschritt entwickelt, vorangetrieben, erfunden, entdeckt, ja manchmal sogar dafür gekämpft haben, waren immer wieder in Situationen, in denen sie sich diese Frage gestellt haben. Sie hätten ihre Bemühungen einstellen können. Aber sie haben weitergemacht - mit beeindruckenden Erfolgen.

Sich diese Frage zu stellen ist kein Makel. Ein Makel ist vielmehr, sie sich nicht zu stellen. Erfolgreiche Menschen gehen mit dieser Fragestellung sorgsam um und finden die für sie überzeugende Antwort. Der Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg, zwischen Durchschnitt und Spitze liegt in der Qualität der Antwort. Es ist keinesfalls die Frage der Verlierer. Nico Rosberg hat sie sich als Weltmeister gestellt, keine überzeugende Antwort gefunden und den Rennsport aufgegeben. Er war wahrlich kein Verlierer.

Gallup Engagement-Index 2017: So steht es in den G7 um die Arbeitsmotivation

Welche Antworten gibt es auf diese Frage?
Es gibt keine allgemein gültige Antwort. Die muss sich jeder selbst geben. Jeder tut seine Arbeit aus unterschiedlichen Gründen und zu unterschiedlichen Zwecken. Jeden treibt etwas anderes an. Jeder ist auf etwas anderes stolz und erfüllt eine andere Rolle. Diese persönliche Antwort ist der Treiber in kritischen Situation. Ohne überzeugende Antwort leidet die Leistungsfähigkeit und Qualität der Arbeit.

Wie kann man mehr Freude an seiner Arbeit entwickeln?
Es genügt nicht, sich DIE Frage zu stellen. Man muss sich DER Frage stellen, so wie man sich einem Gegner stellt. Mangelnde Arbeitsfreude ist der mächtigste Widersacher für ein erfülltes Leben.

Die Entwicklung der Freude an der Arbeit ist ein Klärungsprozess aus vier unterschiedlichen Blickrichtungen. Jede dieser Richtungen liefert eine unterschiedliche Perspektive auf die eigene Arbeit. Diese setzen sich zu einer Art persönlicher Mission zusammen. Die vier Perspektiven stecken schon in der Frage „Weshalb muss ich mir das antun?“ Wenn Sie die Frage unterschiedlich betonen, entstehen von selbst vier unterschiedliche Klärungsfelder.

Wenn Sie „weshalb“ betonen, klären Sie Ihre Zielsetzung. Das liefert Orientierung. Wenn Sie „muss“ betonen, beschäftigen Sie sich mit Ihrem Antrieb und was Ihnen Kraft zum Erreichen Ihres Ziels gibt. Wenn Sie „das" betonen, reflektieren Sie Ihr Erfolgsbild. Sie erkennen, wie Sie Ihre Leistung definieren und worauf Sie stolz sind. Und wenn Sie „antun“ betonen, überprüfen Sie, welche Rolle Sie für andere spielen. Dadurch erkennen Sie Ihre Bedeutung und Ihren Wert für andere.

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