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Trotz Trend zu Remote Work Die erstaunliche Krise der Weiterbildung

Anlässe zur Weiterbildung gibt es genug Quelle: imago images

Corona hat die Arbeitswelt auf den Kopf gestellt und damit einen immensen Bedarf für Weiterbildungen geschaffen. Dennoch sind viele Anbieter in Existenznot. Wie passt das zusammen?

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Die Coronapandemie, da waren sich viele Managementexperten im Land gleich einig, würde auch eine große Zeit der Weiterbildung werden. Anlässe dafür gibt es schließlich genug. Die Pandemie hat in vielen Betrieben die Digitalisierung beschleunigt, selbst viele seit Jahren angekündigte neue Arbeitskonzepte wurden plötzlich Realität, allen voran die Flexibilisierung des Arbeitsplatzes.

Viele Angestellte arbeiten seither regelmäßig von zu Hause – und werden das auch nach der Krise nicht missen wollen. Damit ergeben sich diverse Ansatzpunkte für Weiterbildungen, von Seminaren zum Umgang mit Fernwartungstools über Moderation von Videokonferenzen bis zur Mitarbeiterführung aus der Ferne. Viele Personalchefs haben das zum Anlass genommen, die große Zeit der Fortbildung auszurufen.

Daraus einen Boom der Weiterbildung abzuleiten, war aber offenbar verfrüht, zumindest in der Breite. Das legen die Ergebnisse des Weiterbildungsmonitors nahe, den das Bundesinstitut für berufliche Bildung gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE) einmal im Jahr veröffentlicht.

Aus den aktuellen Ergebnissen geht hervor, dass es den Weiterbildungsanbietern im Lande derzeit nicht gerade gut geht. „Die Stimmung in der Weiterbildungsbranche hat sich gegenüber 2019 deutlich verschlechtert“, sagt Johannes Christ vom DIE. Beurteilten im Vorkrisenjahr noch 62 Prozent aller Anbieter von Weiterbildungen ihre wirtschaftliche Lage als gut, waren es 2020 nur noch 29 Prozent. Einerseits ist das naheliegend, da Weiterbildungen wie alle anderen Präsenzveranstaltungen auch, vom Lockdown unmittelbar betroffen waren. Andererseits stieg zugleich der Bedarf an virtuellen Seminaren, zudem gelang es offenbar vielen Anbietern, ihre Kurse im Sommer nachzuholen: Nur 17 Prozent aller Weiterbildungen mussten laut der Umfrage ganz abgesagt werden.

Für die Branche ist die Krise in jedem Fall ein einschneidendes Erlebnis, war der Sektor vor der Pandemie doch deutlich stärker als die Gesamtwirtschaft gewachsen, wie die Ergebnisse der Studie zeigen, deren Methodik sich an der Erhebung des Wirtschaftsklimas durch das ifo-Institut orientiert.  So stellt sich die Frage, ob nach der akuten Krise im vergangenen Jahr nun auch reihenweise Anbieter aus dem Markt ausscheiden werden. Dagegen spricht einerseits, dass viele von ihnen direkt oder indirekt staatlich finanziert sind, etwa Volkshochschulen oder Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft. 

Wer hält durch?

Dennoch befinden sich offenbar nicht wenige Anbieter in  Existenznöten: So beantragte jeder fünfte Anbieter Soforthilfen, rund ein Drittel Kurzarbeitergeld. Und von denjenigen, die sich staatliche Hilfe suchten, gaben nur gut 50 Prozent an, dass dies ihre berufliche Existenz sichere.

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Kommt sie nun also, die große Auslese auf dem deutschen Weiterbildungsmarkt? DIE-Forscher Christ will sich da nicht festlegen. Klar aber sei: „Wir sehen, dass diejenigen Anbieter, die schon vorher stark digital gearbeitet haben, jetzt auch besser durch die Krise kommen.“ Die Überlebenschance hänge zudem stark von der Kundenstruktur eines Anbieters ab: „Wer sich überwiegend aus öffentlichen Mitteln finanziert, den treffen die Ausfälle vermutlich weniger hart. Anbieter aber, die vor allem von selbstzahlenden Teilnehmenden und den Aufträgen von Unternehmen abhängig sind, haben es gerade besonders schwer.“

Mehr zum Thema: Die wichtigsten Fragen und Antworten aus dem WirtschaftsWoche Experten-Talk zum Thema Weiterbildung.

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