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Unehrlichkeit Bankangestellte lügen öfter – aber nur im Job

Seit Jahren schon gehören Banker zu den am schlechtesten angesehenen Berufen. Jetzt haben Forscher der Uni Zürich eine Ursache dafür gefunden: Lügen gehört zur Arbeitskultur.

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Banken sind seit Ausbruch der Finanzkrise eine besonders schlecht angesehene Branche. Zu viele zweifelhafte, obszöne oder sogar illegale Geschäftspraktiken drangen ans Licht, zu viele Manipulations- und Handelsskandale wurden publik. Auch wenn die Regulierungsbehörden, Regierungen und die Banken selbst inzwischen schon viel Aufräumarbeiten geleistet haben: Banker sind immer noch bei vielen Bürgern unten durch, das Vertrauen in die Branche hat schweren Schaden genommen.

Nun legt eine wissenschaftliche Studie der Universität Zürich nahe, dass in der Unternehmenskultur der Bankenindustrie noch immer einiges im Argen liegt. Alain Cohn, Ernst Fehr und Michel Maréchal vom Institut für Volkswirtschaftslehre sind angesichts der zahlreichen bekannt gewordenen Betrugsfälle in der Bankenbranche der Frage nachgegangen, ob Bankangestellte von Natur aus weniger ehrliche Menschen sind - oder ob vielleicht die Unternehmenskultur in Banken unehrliches Verhalten begünstigt. Ihre Ergebnisse haben sie nun im Wissenschaftsmagazin „Nature“ veröffentlicht.

Eindeutiges Ergebnis

Um Antworten zu finden, entwarfen die Wissenschaftler ein Experiment mit rund 200 Bankangestellten. 128 von ihnen arbeiteten in einer Großbank, 80 Testpersonen bei anderen Banken. Sie wurden in zwei Gruppen unterteilt. Die Experimentalgruppe schworen die Wissenschaftler zunächst auf ihre berufliche Rolle ein und die damit verbundenen Verhaltensnormen ein. Die Kontrollgruppe sollte sich an den Verhaltensnormen orientieren, die für sie privat gelten.

Was Kinder einmal arbeiten möchten
Platz 10Die Automobilbranche dominiert die Top 10. Vier Automobilhersteller zählen zu den zehn beliebtesten Arbeitgebern der Schüler, darunter Daimler / Mercedes Benz. 5,8 Prozent der deutschen Schüler würden hier später gerne einmal arbeiten. Datenquelle: Für das Schülerbarometer hat Trendence rund 13.000 Schüler aus den Klassen 8 bis 13 befragt.Stand: Oktober 2015 Quelle: dpa
Platz 8Audi ist in der Beliebtheitsskala stark nach unten gerauscht: Landete der Autokonzern im Vorjahr auf Platz 4, kann er nun nur noch den achten Rang behaupten. 5,5 Prozent der befragten 10.000 Schüler würden später gerne einmal bei Audi arbeiten. Quelle: dpa
Platz 2Ob sie wohl von der großen Moderatoren-Karriere träumen? Jedenfalls wünschen sich 9,2 Prozent der befragten Schüler einen Job bei der ProSiebenSat.1 Media AG. Quelle: dpa
Platz 7Während bei Informatikstudenten Google und Apple die beliebtesten Arbeitgeber sind, tauchen sie bei Schülern in der Top Ten gar nicht auf. Stattdessen landet der Konkurrent Microsoft auf Rang sieben der Beliebtheitsskala. Der Traumberuf wäre das bei 5,9 Prozent der Kinder. Quelle: dpa
Platz 6Ein Job bei Adidas - davon träumen 6,4 Prozent der Schüler in den Klassen 8 bis 13. Quelle: dpa
latz 5Auch die Lufthansa erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit beim Nachwuchs: 7,6 Prozent der Schüler aus den Klassen 8-13 würden gerne für die Fluggesellschaft mit Sitz in Köln arbeiten. Quelle: dpa
Platz 9Dicht davor steht die Porsche AG: bei 5,3 Prozent der Kinder liegt der Traumjob bei dem Autobauer. Quelle: dpa

Im Anschluss nahmen alle Probanden an einer Aufgabe teil, bei der sie durch unehrliches Verhalten ihr Einkommen um bis zu 200 US-Dollar steigern konnten. Alle warfen für sich allein zehnmal eine Münze und berichteten anschließend, wie oft sie Zahl geworfen hatten. Lag die angegebene Trefferanzahl höher als die eines Gegenspielers, winkte ihnen ein Bonus.

Das Ergebnis fiel recht eindeutig aus: Diejenigen, die sich an den Verhaltensnormen ihrer Bank orientierten, logen signifikant öfter zu ihren Gunsten als die Personen in der Vergleichsgruppe. Ihre tatsächliche Trefferzahl übertrieben sie im Durchschnitt um 16 Prozent.

Ähnlich aufgebaute Experimente mit anderen Berufsgruppen bestätigten, dass Unehrlichkeit lediglich durch die beruflichen Normen im Bankwesen ausgeprägter auftritt. In anderen Branchen waren die Testpersonen privat wie beruflich ähnlich ehrlich.

Das sind die Lieblingslügen Ihrer Kollegen
Menschen definieren sich über ihren Job - so lautet jedenfalls die Erkenntnis verschiedener Forscher. Sie verbringen jeden Tag mehr Zeit an ihrem Arbeitsplatz als mit ihrem Partner, den Kindern oder ihren Hobbies und über nichts sprechen Menschen so viel wie über ihren Job. Selbst Menschen, die aus finanziellen Gründen guten Gewissens zuhause bleiben könnten, gehen irgendeiner Beschäftigung nach, damit sie sich nicht langweilen. Wenn Ihnen also ein Kollege sagt, dass er auch gut ohne Arbeit kann, dann lügt er. Quelle: Fotolia
Über Geld spricht man nicht. Das erzeugt sonst wahlweise Mitleid oder Neid. Deshalb sollten Sie auch keinem Kollegen glauben, der behauptet, dass er auch nicht mehr verdient, als Sie. Quelle: Fotolia
Genauso wenig Glauben schenken sollten Sie den Beteuerungen Ihrer Kollegen, wenn sie behaupten, dass sie überhaupt keinen Wert auf eine Beförderung legen. Damit will man Sie höchstens in Sicherheit wiegen und sich heimlich die neue Stelle unter den Nagel reißen. Oder haben Sie schon mal einen Sportler sagen hören, dass er keine Lust hat, einen Wettkampf zu gewinnen? Quelle: Fotolia
Einen Fehler zu machen, ist unangenehm. Ihn dann auch noch zugeben zu müssen, noch viel unangenehmer. Deshalb schieben viele den schwarzen Peter anderen zu. Wenn Ihr Kollege also sagt, dass er damit nichts zu tun hat, haken Sie besser nochmal nach. Quelle: Fotolia
Ähnlich vorsichtig sollten Sie sein, wenn einer der Kollegen verspricht, einen Fehler auf seine Kappe zu nehmen. Quelle: Fotolia
Wenn der Kollege in der Kaffeeküche tobt und schwört, dem Chef jetzt aber mal kräftig den Marsch zu blasen - rechnen Sie nicht damit. Quelle: Fotolia
Und auch hinter dem aufmunternden " Das schaffst du schon", was Ihnen die Kollegin hinterherruft, bevor Sie zum Jahresgespräch müssen, könnte sich ein "das wird nie was" verbergen. Quelle: Fotolia

Die Bank macht ihre Angestellten zu Lügnern

Mit anderen Worten: Banker sind nicht von Natur aus Lügner, sondern ihr Beruf macht sie dazu. Die Wissenschaftler haben durch Begleitversuche festgestellt, dass es nicht die Banken sind, die Unehrlichkeit fördern, sondern das materialistische Denken.

Bankangestellte stimmen in ihrer beruflichen Rolle der Aussage überwiegend zu, dass der soziale Status vom finanziellen Erfolg abhängt. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die sozialen Normen in der Bankenindustrie unehrliches Verhalten eher tolerieren und damit zum Reputationsverlust der Banken beitragen“, erklärt Maréchal, Professor für Experimentelle Wirtschaftsforschung an der Universität Zürich.

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Dummerweise ist Unehrlichkeit gerade bei Geldgeschäften und Vermögensverwahrung besonders kontraproduktiv, denn die Finanzangelegenheiten sind immer auch Vertrauenssache. Insofern ist auf Ehrlichkeit fußendes Vertrauen für die Geldinstitute ein wesentlicher Erfolgsfaktor und für die langfristige Stabilität unentbehrlich.

Forscher Alan Cohn folgert aus dem Experiment daher, dass die Unternehmenskultur in Banken einen Normenwandel erfordert. Banker müssten stärker als bislang die langfristigen gesellschaftlichen Auswirkungen ihres Verhaltens im Blick behalten.

„Mehrere Experten und Aufsichtsbehörden schlagen beispielsweise vor, dass Bankangestellte einen professionellen Eid, ähnlich dem hippokratischen Eid für Ärzte, ablegen sollten“, so Cohn. Ein solcher Eid könne durch Ethiktrainings und darauf zugeschnittene Bonusregeln gefördert werden.

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