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Ungerechte Löhne in NRW "Jeder Fünfte arbeitet im Niedriglohnsektor"

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Hohe Vorstandsgehälter schüren Neid

Gewerkschafter Meyer-Laubach sieht die Ursache für die gefühlte Ungerechtigkeit in prekären Beschäftigungsverhältnissen. „Jeder Fünfte hier arbeitet im Niedriglohnbereich“, sagt er. Leiharbeiter, Minijobber, Menschen mit befristeten Verträgen – von Tariflöhnen können die nur träumen. „Jeder Fünfte – das ist schon eine ganz schöne Menge“, so Meyer-Lauber.
Hinzu komme, dass viele Arbeitnehmer – und mit ihnen ihre Tarifverträge – aus den Unternehmen in den vergangenen Jahren ausgelagert worden seien. Er gibt ein Beispiel: „Wenn Sie früher Putzfrau bei Bayer in Leverkusen waren, galt für Sie der Tarifvertrag von Bayer. Heute arbeiten die Putzkräfte aber nicht mehr bei Bayer. Für sie gilt der Tarifvertrag irgendeiner Putzfirma.“ Da könne man schon unzufrieden werden.

Hier haben die meisten Menschen einen befristeten Arbeitsvertrag

Hohe Dax-Dichte in NRW

Hinzu kommt, dass NRW neben Bayern die höchste Dax-Dichte Deutschlands hat: Mit der Deutschen Post und der Deutschen Telekom, Vonovia, Henkel, E.On, RWE, Thyssenkrupp, Lufthansa und Bayer sind dort gleich neun von 30 Dax-Unternehmen ansässig. Und deren Chefs und Aufsichtsräte verdienen in der Regel deutlich mehr als ihre Angestellten. Konkret: das 54-fache.

In NRW bekommen die Menschen diese Diskrepanz aufgrund der Dax-Dichte also deutlich häufiger unter die Nase gerieben als beispielsweise in Niedersachsen. Dort sind mit Volkswagen und Continental nur zwei Dax-Konzerne ansässig. „In der Summe sind deutsche CEOs aber immer noch weit von den US-Bezügen entfernt. Und auch in Europa verdienen Topmanager in Großbritannien und der Schweiz im Durchschnitt mehr als sie“, sagt Vergütungsexperte Michael Kramarsch von der Unternehmensberatung hkp im WirtschaftsWoche-Interview.

Womit er Recht hat: In Großbritannien bekommen Chefs fast 200 mal mehr Geld als die Mitarbeiter, in den USA liegt der Faktor bei rund 300. Das hilft nur dem unzufriedenen Bochumer nichts.

Ob die Deckelung der Vorstandsbezüge etwas an der gefühlten Ungerechtigkeit ändert, lässt sich vielleicht in Zukunft in Niedersachsen beobachten. Dort hatte VW nach der Kritik am Fall Hohmann-Dennhardt beschlossen, dass Vorstände künftig maximal 5,5 Millionen Euro pro Jahr verdienen können. Der Vorstandschef soll maximal zehn Millionen bekommen, und das auch nur im Ausnahmefall.

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