Ungesunde Büroarbeit Wer länger sitzt, ist früher tot

Wer viel sitzt, bekommt nicht nur Rückenschmerzen - sondern stirbt auch früher. Da hilft nur eines: regelmäßig aufstehen.

Wie zu langes Sitzen den Körper belastet
MuskelnIm Sitzen werden die Muskeln nicht gefordert und gekräftigt. Langes Sitzen führt also dazu, dass sich die Muskeln zurück bilden. Wer in der Freizeit nicht mit Sport gegensteuert, sitzt sich also sukzessive schlapp. Quelle: dpa
WirbelsäuleDas hat natürlich nicht nur Auswirkungen auf unsere Fitness: Da auch die Rückenmuskulatur leidet, verliert die Wirbelsäule ihr natürliches Stützkorsett. Im schlimmsten Fall kann es zu Bandscheibenproblemen kommen. Quelle: dpa/dpaweb
BauchVom langen Sitzen werden die Muskeln aber nicht nur schwächer. Sie produzieren auch weniger des Enzyms Lipoproteinlipase, das als Katalysator beim den Fettabbau dient. Wer lange sitzt, hat also auch ein größeres Risiko, dick zu werden. Quelle: gms
FüßeEin besonders im Sommer verbreitetes Phänomen: Bei ausbleibender Bewegung sammelt sich Flüssigkeit im Gewebe an, wodurch die Füße anschwellen. Quelle: REUTERS
BeineWie in den Füßen, sammelt sich auch Flüssigkeit in den Beinen an. Gehen hilft, die Flüssigkeit abzubauen. Wer während der Arbeit gar nicht oder nur selten aufstehen kann, sollte immer wieder die Position der Füße verändern und das Gewicht abwechselnd auf Zehenspitzen und Fersen verteilen. Quelle: dpa
NackenDie über den Tag gespeicherte Flüssigkeit sorgt nämlich nicht nur für schwere Beine und dicke Füße, sie kann auch nachts beim Liegen in den Nacken wandern. Eine mögliche Folge: Schlafapnoe. Quelle: dpa
BlutdruckWer viel sitzt und sich auch nach Feierabend wenig bewegt, riskiert außerdem Bluthochdruck. Quelle: dpa

Der amerikanische Journalist Dan Kois hat kürzlich gestanden - einen ganzen Monat lang. Er stand bei der Arbeit, im Kino, beim Essen und wenn er seinen Kindern eine Gute-Nacht-Geschichte vorlas. Die einzigen Gelegenheiten, zu denen er sich hinsetzte, waren: beim Autofahren und auf der Toilette - aus verständlichen Gründen.

Am ersten Tag seines Experiments saß er insgesamt nur 25 Minuten. Und der Monat des Stehens zahlte sich aus: Er verlor Gewicht, seine Rückenschmerzen und Verspannungen verschwanden, er fühlte sich produktiver und fitter. Allerdings taten ihm schon nach wenigen Stunden fürchterlich die Füße weh.

Mal ehrlich: Könnten Sie sich vorstellen, Ihr Leben überwiegend im Stehen zu verbringen? Wohl kaum.

25 Minuten Bewegung am Tag

Kein Wunder, denn wir sind Stehen nicht mehr gewohnt. Wir sitzen morgens am Frühstückstisch, später in der Bahn, im Bus oder im Stau. Anschließend sitzt die Mehrheit acht bis neun Stunden im Büro, an der Kasse oder in der Schule. Am Schreibtisch im Büro ist alles in Griffnähe angeordnet, Bewegungen begrenzen sich auf die Bedienung von Computer und Telefon. Im Durchschnitt sitzt jeder Erwachsene 11,5 Stunden täglich, bei Grundschulkindern sind es rund neun Stunden am Tag. Selbst die Besprechungen und das Mittagessen werden "ausgesessen".

Das Zentrum für Gesundheit an der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) hat ermittelt, dass sich ein durchschnittlicher, gesunder Mann heute nur noch etwa 25 Minuten am Tag aktiv bewegt. Vor 100 Jahren waren es acht bis zehn Stunden am Tag. Dieser Bewegungsmangel hat Folgen: Er macht immer mehr Menschen körperlich und auch seelisch krank.

Alltagstipps für einen starken Rücken

Der Grund: Langes Sitzen führt unter anderem dazu, dass sich die Muskeln zurückbilden und die Wirbelsäule dadurch ihren natürlichen Halt verliert. Es kommt zu Problemen mit den Bandscheiben, Schmerzen und Verspannungen. Außerdem produzieren die Muskeln weniger von einem Enzym namens Lipoproteinlipase, das beim Fettabbau beteiligt ist.

Kurzum: Wer viel sitzt, wird schneller dick. Der Körper speichert Wasser in Beinen und Füßen, im schlimmsten Fall können auch die Lunge oder das Herz-Kreislauf-System in Mitleidenschaft gezogen werden.

Mehr noch: Zahlreiche Untersuchungen zeigen einen Zusammenhang zwischen langem Sitzen und einer verkürzten Lebenserwartung. So haben unter anderem Forscher des amerikanischen Pennington Biomedical Research Center bei einer Langzeitstudie unter 17.000 Probanden festgestellt, dass diejenigen, die täglich mehr als drei Stunden am Stück sitzen, eine geringere Lebenserwartung hatten.

Sitzen im digitalen Zeitalter
The DrawArbeiten mit Tablets Quelle: Presse
The Multi-DeviceMultitasking Quelle: Presse
The TextKurznachrichten schreiben Quelle: Presse
The CocoonSich zurückziehen Quelle: Presse
The SwipeTouchscreens bedienen Quelle: Presse
The Smart LeanPrivatsphäre suchen Quelle: Presse
The TranceKonzentration am Bildschirm Quelle: Presse

Und für eine Studie im "American Journal of Epidemiology" beobachteten Wissenschaftler 14 Jahre lang 120.000 erwachsene Amerikaner. Das Ergebnis: Männer, die täglich sechs oder mehr Stunden sitzen, hatten eine um 20 Prozent höhere Sterberate als andere, die nur bis zu drei Stunden täglich saßen. Bei Frauen lag die Sterblichkeitsrate sogar um 40 Prozent höher. Und zwar unabhängig davon, ob die Bürohocker nach Feierabend oder am Wochenende Sport trieben.

"Wenn wir unsere Zellen nicht versorgen, unseren Kreislauf, unseren Stoffwechsel, unsere Muskeln und unsere Knochen, dann kriegen wir das mit dem Freizeitsport nicht mehr kompensiert", sagt Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule. Wer den ganzen Tag über Sahnetorte und Pizza in sich reinstopft, nimmt schließlich auch nicht ab, wenn er abends einen kleinen Salat isst.

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