WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

US-Studie Raucher sind für ihre Chefs besonders teuer

4600 Euro - das ist die Summe, die rauchende Mitarbeiter einen Arbeitgeber in den USA pro Jahr mehr kostet als ein Nichtraucher. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Ohio State University

Eine letzte Zigarette
Ein letztes Mal mit allem Drum und Dran: Peter Klinkhammer, Inhaber der Kneipe Dä Spiegel in Düsseldorf, schmeißt Ende April die letzten Raucher-Party in seinem Lokal. Ab Mai tritt in Nordrhein-Westfalen ein landesweites Rauchverbot in Kraft. Raucher müssen dann zum qualmen vor die Tür: In öffentlichen Einrichtungen, Einkaufszentren, Sport- und Kulturstätten war das bisher ja die Regel – aber nun auch in allen Kneipen, Gaststätten und bei Brauchtumsveranstaltungen wie Karnevals- oder Schützenfeste. Einzige Ausnahme des von der rot-grünen Landesregierung im Winter auf den Weg gebrachten Gesetzes sind Privatfeiern in abgeschlossenen Räumen. Quelle: dpa
Damit folgt NRW dem Beispiel Bayerns. Der Freistaat hatte zuerst versucht zu tricksen: Für einige Zeit gab es dort Raucherklubs, die mit ähnlichen Sätzen provozieren wollten. Doch es nutzte nichts, infolge eines Volksentscheids im Juli 2010 trat daraufhin ein umfassendes Rauchverbot in Kraft. Quelle: dpa
Der Gaststättenverband Dehoga sieht diese Regelung kritisch: kritisch. „Das bedeutet die Schließung von 3.000 Betrieben.“. Der Verband schätzt, dass 20 Prozent der kleinen Eckkneipen von dem Gesetz in ihrer Existenz bedroht sind, denn diese erhalten diesmal keine Ausnahmeregelungen wie eine Verfassungsklage, die ein Besucher und ein Wirt einer kleinen Gastronomie vor kurzem eingereicht hatten. Denn... Quelle: dpa
...diesmal haben Eckkneipen keinen Wettbewerbsnachteil gegenüber größeren Betrieben. Das war bei der Einführung des gesetzlichen Rauchverbots für die Gastronomie 2008 anders. Deshalb konnten zu diesem Zeitpunkt in den meisten Bundesländern Gaststätten bis 75 Quadratmeter vom Verbot ausgenommen wurden. Diese Regelung besteht auch weiterhin in den meisten Ländern - bis auf Bayern und NRW. Quelle: Handelsblatt Online
Grundsätzlich verboten ist Rauchen in Hessen. Allerdings hat das Bundesland 2012 noch zahlreiche Ausnahmeregelungen bestätigt. So gilt das Verbot nicht für kleine Eckkneipen oder Bars, auch abgetrennte Rauchersektionen sind hier erlaubt. Auch in Festzelten bleibt der blaue Dunst. Verboten ist die Zigarette in öffentlichen Gebäuden. 2005 trat in Hessen das erste allgemeine Rauchverbot an Schulen in Kraft. Quelle: dpa-dpaweb
In Sachsen ist in abgetrennten Raucherbereichen und kleinen Eckkneipen die Kippe weiterhin erlaubt, wird ein Gast aber an einem anderen Orten beim Rauchen erwischt, kann ein Rekordbußgeld von bis zu 5000 Euro fällig werden. Damit langt die Landesregierung in Dresden stärker hin als ihre Kollegen in anderen Bundesländern. Quelle: Handelsblatt Online
In Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt kosten Verstöße gegen die Regel bis zu 1000 Euro. Eigentlich hat Sachsen-Anhalt aber noch einige Ausnahmen mehr als viele andere Länder: So ist das Rauchen sogar teilweise in öffentlichen Gebäuden erlaubt – in abgetrennten Räumen versteht sich. Quelle: Handelsblatt Online

Der größte Kostenfaktor ist demnach, die Zigarettenpausen, die Einnahmeausfälle von 3077 Dollar im Jahr produzieren. Kleinere Posten sind zu dem Fehltage (517 Dollar) und die verminderte Produktivität (462 Dollar), die aus der Nikotinsucht resultiert. Beträge, die sich allerdings höchstwahrscheinlich nicht auf Deutschland übertragen lassen, schreibt zumindest "Spiegel Online". Außerdem seien die Methoden der Studie angreifbar. Die Zahlen basiert auf Untersuchungen in verschiedenen Zweigen der Privatwirtschaft.

Die wichtigsten Fakten zur E-Zigarette

In Deutschland sterben jährlich 110.000 Menschen wegen Rauchens - insgesamt rauchen 29,7 Prozent der 18- bis 79-Jährigen, Männer mit 32,6 Prozent häufiger. In Deutschland gibt es keine entsprechenden Studien.

In den USA raucht etwa ein Fünftel der erwachsenen Bevölkerung: 443.000 Tote soll es in der Folge jährlich geben. Die Studie von Micah Berman, Rob Crane, Eric Seiber und Mehmet Munur erschien am Montag in der Fachzeitschrift „Tobacco Control“, die zur Gruppe des „British Medical Journal“ gehört. Das Forscherteam nutzt in seiner Metastudie Vorarbeiten kanadischer und US-amerikanischer Autoren, die sich unter anderem auf Analysen US-Seuchenschutzbehörde und des Conference Board of Canada stützen. Bei letzterem handelt es sich um ein unternehmensfinanziertes Wirtschaftsforschungsinstitut.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Nach eigenen Angaben ist es Ziel der Forscher so auf die Tabak-Politik einzelner Unternehmen "einzuwirken". Schon heute, so schreibt "Spiegel Online" fordern einige Unternehmen Zusatzbeteiligungen an der Krankenversicherung, wenn geraucht wird. Andere entlassen rauchende Mitarbeiter, sofern sie in einem bestimmten Zeitraum nicht aufhören, oder stellen sie gar nicht erst ein.

Und auf eins weisen die Forscher auch noch hin: Ein rauchender Arbeitnehmer verdient in den USA - bei gleicher Position und Qualifikation - durchschnittlich 3400 Dollar weniger als sein nichtrauchender Kollege - die Mehrkosten werden also schon längst an die Beschäftigten weitergegeben.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%