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Verhandlungen So präsentieren sich Alphatiere

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Geschickter Schachzug

Auch in der andauernden Diskussion über die Koalitionsverhandlungen ist dies erkennbar. Die Partei mit der überlegenen Position, nimmt automatisch den Hochstatus ein und kann somit ihre Kernforderungen besser durchsetzen. In diesem Fall hat Sigmar Gabriel einen geschickten Schachzug gemacht. Er hat sofort und ganz eindeutig kommuniziert, dass es nur zu einer Einigung kommt, wenn wesentliche Kernforderungen der SPD durchgesetzt werden. Da eine andere Koalition als Schwarz-Rot für Angela Merkel kaum in Frage kam, musste die Union in den Verhandlungen weitreichende Zugeständnisse für die SPD machen. So wird ein „Alphatier“ zu einem „Betatier“. Unter dem Strich hat Herr Gabriel den „Statuskampf“ für sich entschieden und der Vertrag trägt nun eine sichtbar rote Handschrift.

Sigmar Gabriel und Angela Merkel sind beide sehr geschickte Statusspieler. Sie wissen ganz genau, was sie wollen und verfolgen ihre Ziele strategisch und klug. Allerdings hatte Herr Gabriel in den Koalitionsverhandlungen eindeutig die charismatischere Vorgehensweise und den höheren Status:  Der Grund hierfür ist das Einbeziehen der Basis durch einen Entscheid. Dies hat zwar einerseits zu einigen Diskussionen geführt, da es eine ungewöhnliche Entscheidung war, andererseits hat ihm dies wieder Pluspunkte in der Öffentlichkeit gebracht.

Er hat zunächst freiwillig eine niedere Position eingenommen, um seine Ziele und die seiner Partei zu erreichen. Der nach außen tiefe Status kann also auch ein geschickter Schachzug sein, um das Spiel nach seinen eigenen Regeln zu spielen. Dazu gehört auch, dass Gabriel in den entscheidenden Momenten in der Lage war, das Vertrauen seiner Parteimitglieder zu wecken, damit seine Parteimitglieder ihre Stimme abgeben und für den Koalitionsvertrag entscheiden.

Was für politische Parteien gilt, gilt auch in Unternehmen. Wenn in einer großen Firma wichtige Änderungen anstehen, welche auch Auswirkungen auf alle Mitarbeiter haben, sollte dies vorab ebenfalls mit allen Beteiligten beziehungsweise mit dem Betriebsrat diskutiert werden. Bleibt dieses klärende Gespräch aus, gibt es Unstimmigkeiten oder sogar Proteste.

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