Vernetzte Unternehmen Wer mauert bei der Digitalisierung?

Bei der Digitalisierung hinkt Deutschland hinterher. Oftmals sind es aber nicht die Mitarbeiter, die Angst vor dem Fortschritt haben, sondern die Manager. Haupthindernisse sind Silo- und Konkurrenzdenken.

Ein Mann hält seine Hand vor einen Verteilerpunkt Quelle: dpa

Deutschland hinkt bei der Digitalisierung hinterher. Der Mittelstand verschläft den Trend oder hat schlicht Angst vor den neuen Herausforderungen und in großen Teiklen Deutschlands ist schnelles Internet noch immer eine Utopie. Statt anzupacken, wird lieber diskutiert: Lohnt es sich überhaupt, Regionen wie das brandenburgische Prignitz mit Breitband zu versorgen? Ist die Digitalisierung tatsächlich ein Treiber für Wirtschaftlichkeit und Produktivität oder ruiniert sie Arbeitsplätze all derer, die noch mit den Händen arbeiten? Sind Flexibilität und Verfügbarkeit in der Arbeitswelt nicht irgendwie ein zweischneidiges Schwert und wie soll bloß die sture Belegschaft auf die Zukunft eingeschworen werden?

Dabei steht die Digitalisierung längst auf der politischen Agenda, seit 2011 ist gut eine halbe Milliarde Euro von Seiten der Politik für entsprechende Rahmenbedingungen ausgegeben worden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Frankreichs Präsident François Hollande und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude-Juncker wollen einen digitalen Binnenmarkt in Europa.- inklusive Datenschutz und Start-up-Förderung.

Generation Mitte sieht digitalen Wandel mit Unbehagen, treibt ihn aber zugleich voran

Mitarbeiter wollen besseres Equipment

An den Mitarbeitern liegt es nicht, dass die Unternehmen sich nicht oder zu wenig bewegen, wie eine Umfrage der Hochschule RheinMain in Zusammenarbeit mit der Plattform feelgood@work zeigt. Während die Arbeitgeber eher zögerlich auf technologische Neuerungen reagieren, fragen die Mitarbeiter aktiv nach einer höheren Digitalisierung. Besonders die jüngere Generation, die die neueste und modernste Technik nutzt, will im Beruf nicht mit rechenschieber und Schreibmaschine arbeiten müssen. 34 Prozent der Firmen gaben an, dass in einzelnen Funktionsbereichen aktiver Bedarf nach höherer Digitalisierung besteht. Jedes fünfte Unternehmen stellt bei der ganzen Belegschaft eine klare Nachfrage fest.

Es geht aber nicht nur um moderne Arbeitsgeräte, auch bei der Darstellung im Netz sind viele Arbeitgeber ihren Mitarbeitern viel zu behäbig und unmodern.

Auf welche Bereiche wirkt sich die Digitalisierung im Arbeitsalltag aus?

Die Studie "Von starren Prozessen zu agilen Projekten – Unternehmen in der digitalen Transformation" des Personaldienstleisters Hays zeigt, woran es liegt, dass manche Unternehmen bei der Digitalisierung einfach nicht voran kommen. Laut der befragten Entscheider aus IT, Finanzwesen sowie Forschung und Entwicklung beziehungsweise Produktionsplanung aus mittleren und großen Unternehmen ist vor allem das Insel- und Konkurrenzdenken der Fachabteilungen eine Barriere. 72 Prozent der Befragten nannten dies die größte Barriere auf dem Weg in die digitale Organisation.

65 Prozent gaben außerdem an, dass das Kerngeschäft zu viel Zeit in Anspruch nehme, als dass noch Ressourcen für die hauseigene Digitalisierung frei seien. Besonders in kleinen und mittleren Betrieben sei dies ein Problem. "Im dynamischen Tagesgeschäft mit seinem hohen Kosten- und Beschleunigungsdruck wird die anstehende digitale Transformation zerrieben", heißt es in der Studie.

"Viele Unternehmen diskutieren zwar über den digitalen Wandel. In der Realität dominiert aber noch die alte Welt mit ihren herkömmlichen Sichtweisen, Methoden und Abläufen", so Christoph Niewerth, Vorstand der Hays AG. Wer sich auf Dauer in einem dynamischen Marktumfeld behaupten will, sollte möglichst bald Pläne und Arbeitsrealität in Einklang bringen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%