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Volkskrankheit Burnout Wenn der Beruf zum Stresstest wird

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Mehr Arbeitszeit, mehr Leistung, mehr Stress

Eine Schneiderin in Beijing, China, lehnt sich an der Nähmaschine und schläft: Die Medizin kann nicht Lösungen für die Probleme der Arbeitswelt parat halten. Die Gesellschaft muss nach Auswegen aus der Stressfalle suchen. Quelle: REUTERS

Wer Ursachenforschung betreibt, kommt nicht drumherum, auch einen Blick darauf zu werfen, wie Mitarbeiter in Unternehmen heutzutage geführt werden. Erich Barthel, Professor für Unternehmenskultur und Personalführung an der Frankfurt School of Finance & Management, führt dazu ein Beispiel an: „Als ich einmal an einem Freitag in den 80er Jahren ein Unternehmen in München besucht hatte, waren schon um 14 Uhr alle Büros leer. Damals galt: wer nicht innerhalb der Arbeitszeit seine Ziele erfüllt, gilt als schwach“. Das hat sich heute geändert. „Wer jetzt um 19:00 Uhr nach Hause geht, bekommt Fragen zu hören, wie: arbeitest du Teilzeit?“

Nicht jeder Mitarbeiter kommt mit

Für solche Aussagen sind nicht nur übereifrige Mitarbeiter verantwortlich. An dieser Entwicklung ist vor allem die Zielsetzung bei der Arbeit schuld, die Unternehmen heute den Mitarbeitern aufbürdet. Barthel: „Die Unternehmen haben in den 90er Jahren erkannt, dass klare Ziele die Leistung der Mitarbeiter steigert. Doch die Zielvorgaben sind jedes Jahr höher. Nicht jeder Mitarbeiter kommt dabei mit“. Wer die Zielvorgaben nicht einhält, fühlt sich schnell unsicher und Unsicherheit führt zu mehr Stress. Mehr Arbeitszeit, mehr Aufgaben, und mehr Stress – „In den 80er Jahren wollten die Arbeitgeber die Stechuhr einführen. Die Betriebsräte waren aber dagegen“, erzählt Barthel, „heute wollen die Betriebsräte die Stechuhren einführen. Doch die Arbeitgeber sind jetzt dagegen“.

Wolfgang Maier, Mitglied der DGPPN-Taskforce zeigt im Anbetracht dieser Entwicklungen in Unternehmen und Arbeitsmarkt daher die Grenzen der Medizin auf: „Die klinische Medizin kann gegen die Wurzel von Burnout nichts tun. Dafür ist unsere Gesellschaft zuständig.“

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