WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Was ist der richtige Job für mich? Algorithmus sticht Stellenanzeige

Seite 2/2

Jobbörse Instagram

Viele Unternehmen wollen Fachkräfte allerdings noch viel früher für sich gewinnen. Etwa über Jobanzeigen in sozialen Netzwerken. Die Algorithmen auf Facebook oder Instagram kommunizieren im Gegensatz zu Mya indirekt mit den Nutzern. Sie analysieren neben den Vorlieben und persönlichen Informationen auch, welche Anzeigen angetippt wurden und spielen beim nächsten Besuch noch mehr ähnliche Posts in die Stories oder die Timeline. Instagram setzt dabei auf kurze Wege: Wer auf Jobanzeigen tippt, landet direkt auf Onlinebewerbungsformularen oder kann sich in den Jobbörsen des Unternehmens weiter umschauen. Manchmal führt das Wischen nach oben auch direkt zur Blitzbewerbung via WhatsApp-Chat.

Allerdings stoßen Social-Media-Algorithmen schnell an ihre Grenzen. Wo der Nutzer wohnt, erkennen sie zwar sofort an der IP-Adresse. Aber wer mit seinen Interessen nicht ins Raster dessen passt, was für Alter und Bildungsstand als typisch gilt, der wird bei den geschalteten Jobanzeigen schnell weiter scrollen müssen. Instagram kann schon mal hartnäckig versuchen, einer Akademikerin mit gutem Einkommen immer wieder einen Sommerjob als Erdbeerverkäuferin oder eine Teilzeitstelle im Amazon-Lager anzudrehen. Eine Lösung kann es sein, sich für die effektive Jobsuche via Social Media ein separates Konto zuzulegen. Wer hier Firmen aus der gewünschten Branche folgt und Karrieretipps für Bewerbungen liket, schickt den Algorithmus auf die richtige Spur. Dann können auch gut bezahlte Stellen etwa aus der Finanzbranche auf Instagram oder Facebook gefunden werden.

Arbeitgeber werben auf TikTok

Wenn beispielsweise Industriebetriebe über fehlende Quereinsteiger und Auszubildende klagen, liegt das häufig auch daran, dass die hoch spezialisierten Berufe in der breiten Bevölkerung gar nicht bekannt sind. Und das gilt auch für den öffentlichen Dienst. Der gewinnt zwar mit seinen sicheren Stellen und der vergleichsweise guten Bezahlung im Zuge der Coronapandemie bei vielen Menschen an Attraktivität. Was sie in den einzelnen Einrichtungen dann aber genau machen, das wissen die wenigsten. Vor allem der Kurzvideodienst TikTok spielt für Arbeitgeber eine immer größere Rolle, um Talente überhaupt erst auf sich aufmerksam zu machen und sich von der Konkurrenz abzuheben. Dabei geht es weniger um die konkrete Jobanzeige als darum, ein gutes Bild von den Anforderungen und dem Alltag im Job zu vermitteln. „Unternehmen werden sich mehr als heute um die Talente bewerben müssen – nicht andersherum und das sehe ich in klassischen Portalen derzeit nicht abgedeckt“, sagt Jörn Mecher, Gründer und Geschäftsführer von Intermate Media. Die Agentur ist auf soziale Medien und Influencer-Marketing spezialisiert.

Intermate-Kunde Aldi Nord ist beispielsweise auf TikTok vertreten. Der Discounter präsentiert sich dort nicht nur als Ort für Schnäppchenjagd, sondern auch als cooler Arbeitgeber. Die Marketingagentur selbst nutzt auf der Suche nach neuen Mitarbeitern ebenfalls TikTok und bedient sich dabei des besonderen Tonfalls, der das Netzwerk ausmacht. Im Gegensatz zu den traditionellen text- oder bildbasierten Plattformen zieht TikTok mit dem kurzen Videoformat insbesondere junge und kreative Menschen an, die oft kaum andere soziale Netzwerke nutzen. „33 Prozent der TikTok-Nutzer sind nicht auf Instagram – schalte ich dort meine Job-Ads, erreiche ich gegebenenfalls gar nicht die richtigen Bewerber“, erläutert Mecher.

Das interessiert WiWo-Leser heute besonders


 Was heute noch wichtig ist, lesen Sie hier


Theoretisch lassen sich laut dem Experten auch auf dieser Plattform alle Arten von Jobs finden. „TikTok hat circa 16 Millionen monatlich aktive Nutzer in Deutschland“, schätzt er. Einem möglichen Arbeitgeber auf TikTok zu folgen, kann sich nach Ansicht des Experten noch in anderer Hinsicht lohnen. So bleibe man bei Kampagnen oder Entwicklungen im Unternehmen auf dem Laufenden: „Das kann mir im Bewerbungsgespräch den entsprechenden Vorteil bieten.“

Mehr zum Thema: Die Arbeit im Callcenter ist oft ein schlecht bezahlter und stressiger Höllenjob. Jetzt versprechen Softwareanbieter Hilfe durch künstliche Intelligenz. Ein Besuch an der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%