Weiterbildung Baden-Württemberg paukt, Sachsen-Anhalt schwänzt

Künftig geht nichts mehr ohne lebenslanges Lernen: Die Welt verändert sich, das Wissen von gestern ist schon heute veraltet. Also heißt es: weiterbilden. Bei der Bereitschaft gibt es erhebliche regionale Unterschiede.

Wer sich regelmäßig weiterbildet, erhöht mitunter seine Chancen im Job. Dennoch gibt es extreme regionale Unterschiede. Quelle: dpa

"Als ich ein Junge war, hat mein Vater mir gesagt: Entweder du gehst zur Schule, oder du gehst arbeiten", erzählt Andrea Portemoli, CEO des italienischen Rennwagenherstellers Dallara bei einer Veranstaltung der Business School IMD vor CEOs und Managern. Und lange war das das herrschende Bild: Wer lernt, braucht nicht zu arbeiten und wer arbeitet, braucht nicht mehr zu lernen. Doch das hat sich geändert, wie auch Portemoli sagt: "Es ist nicht sinnvoll, zu studieren, bis man 25 ist und dann 40 Jahre lang zu arbeiten. Stattdessen sollte man mit 18 anfangen zu arbeiten, während man studiert und dann weiter lernen, während man arbeitet."

Dieser Ansicht sind Bildungs- und Arbeitsmarktexperten rund um den Globus: Was junge Menschen heute in ihrer Ausbildung oder im Studium lernen, kann wegen der rasanten Geschwindigkeit, mit der sich unsere Welt verändert, schon vor Ausbildungsende überholt sein. Viele Jobs, die heutige Erstsemester einst ergreifen werden, gibt es jetzt noch gar nicht. Wie also soll ein Studium sie darauf vorbereiten?

So bilden Unternehmen Mitarbeiter weiter

Der Schlüssel ist entsprechend die Weiterbildung, Stichwort lebenslanges Lernen. Doch gerade in Deutschland ist die Bereitschaft dazu relativ ungleichmäßig verteilt, wie eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt. Im Durchschnitt liege die Weiterbildungsquote bei 12,3 Prozent. Bei 43,48 Millionen Beschäftigten (Stand: Mai 2016) nehmen also etwas mehr als fünf Millionen Deutsche an Weiterbildungsmaßnahmen teil.

In manchen Regionen sind die Arbeitnehmer besonders fleißig: In Baden-Württemberg drücken 14,8 Prozent berufsbegleitend die Schulbank, auf Platz zwei folgt Hessen mit einer Quote von 14,6 Prozent. Natürlich gibt es auch innerhalb der Länder regionale Unterschiede. Deutschlands Spitzenreiter in punkto Weiterbildung leben im hessischen Darmstadt: Hier besuchte fast jeder vierte Einwohner, der älter ist als 25 Jahre, mindestens eine Weiterbildung oder einen Sprachkurs.

Was Weiterbildung Mitarbeitern bringt

Die niedrigste Weiterbildungsquote haben dagegen Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland mit 10,4 Prozent. Bundesweites Schlusslicht ist das brandenburgische Prignitz. Hier nahm nur jeder 34. Einwohner an einer Weiterbildung teil.

Schuld an den Unterschieden sind allerdings nicht nur verschiedene regionale Sozial- und Wirtschaftsstrukturen, teilte die Stiftung mit. Auch spiele beispielsweise die Qualität des Angebotes eine große Rolle. Bei diesen und anderen steuerbaren Faktoren blieben insbesondere Berlin, Hamburg und Nordrhein-Westfalen hinter ihren Möglichkeiten zurück, mehr Leute zum lebenslangen Lernen zu bewegen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%