Weiterbildung Wenn Lernen zum Stress wird

Die reguläre Arbeit termingerecht abliefern und sich ganz nebenbei noch weiterbilden  - das wünschen sich viele Chefs von ihren Angestellten und überfordern diese damit, wie eine neue Studie belegt.

Zehn kurze Wege zum Burn-Out
6. Das VeränderungsmodellDas besagt diese Theorie: Auftauen, verändern, wieder einfrieren - das ist das Motto dieser Theorie. Kurt Lewin vergleicht sein Modell mit einem Eiswürfel, den man in einen Eiskegel verwandelt. Nach seiner Argumentation motiviert man durch den dreistufigen Prozess die Menschen dazu, dass sie den Wandel wollen. So wenden Sie diese Theorie an: Seien Sie sich darüber im Klaren, welche Veränderungen Sie vornehmen wollen und warum sie nötig sind. Danach steht die Gewinnung von Unterstützung im Mittelpunkt. Dabei heißt es geschickt sein: Diejenigen, die für das Geld zuständig sind, wollen finanzielle Gewinne sehen. Die Personalabteilung dagegen fordert positive Auswirkungen auf die Mitarbeiter. Aber unterschätzen Sie nicht die Macht der Kollegen: Sie müssen die Vorteile der Veränderung verstehen - das ist entscheidend für den Erfolg. Quelle: dpa
Umfangreiche Aufgaben ganz klein machen Quelle: Fotolia
Ausbeuterischer Arbeitgeber Quelle: Fotolia
Konkurrenzkultur Quelle: Fotolia
Soziale Vereinsamung Quelle: Fotolia
Zu wenig Freizeitaktivität Quelle: dpa
Grenzenlose Arbeit Quelle: dpa
Antreibender Chef Quelle: Fotolia
Zu voller Kalender Quelle: Fotolia
Denkblockade Quelle: Fotolia
Arbeitsberge Quelle: Fotolia

Die Arbeitswelt ist in den vergangenen Jahren schneller geworden. Ständig stellen neue Computerprogramme oder andere technische Errungenschaften den Büroalltag auf den Kopf. Um immer auf dem neusten Stand zu sein, ist Weiterbildung unumgänglich. Das wissen mittlerweile die meisten Berufstätigen. Und genau dieses Wissen setzt sie unter Druck.

Eine neue Studie der Deutschen Universität für Weiterbildung hat herausgefunden, dass sich jeder dritte Berufstätige gelegentlich überfordert fühlt, weil die Vorgesetzten von ihm erwarten, dass er immer auf der Höhe der Zeit ist. Jeder Zehnte der 1005 Befragten fühlt sich sogar sehr häufig oder häufig vom eigenen Arbeitgeber unter Druck gesetzt.

Mit Weiterbildung gegen Burn-Out

Die Präsidentin der Deutschen Universität für Weiterbildung sieht deshalb in einer gezielten Weiterbildung  „auch eine Antwort auf die gestiegene Zahl von Burn-out-Fällen“. Und der Druck wird in den nächsten Jahren wohl kaum abnehmen. 74 Prozent der Berufstätigen gehen davon aus, dass Weiterbildung in den nächsten zehn Jahren noch wichtiger sein wird als heute. Ein Trend der mit Blick auf technische Entwicklungen nicht zu leugnen ist.

Deutsche leiden am meisten unter Arbeitslast
Fast jeder fünfte Deutsche (19 Prozent) empfindet seine Arbeitsbelastung als zu hoch, weitere 47 Prozent als „hoch“. Das ergab eine Studie der HR Partners Von Rundstedt in Düsseldorf. Quelle: dpa
Demnach sind in puncto Arbeitslast besonders Brasilianer und Spanier am wenigstens belastet. Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der Brasilianer empfinden die Arbeitsbelastung als normal oder niedrig, bei den Spaniern sind es immerhin 60 Prozent. Quelle: dpa
Am meisten unter der Arbeitsbelastung leiden nach den Deutschen laut der Studie die Schweizer (63 Prozent gaben an, einer zu hohen oder hohen Arbeitsbelastung ausgesetzt zu sein) und die Franzosen (61 Prozent). Quelle: dpa
Im Mittelfeld der 16-Länder-Umfrage liegen Staaten wie China und Italien: Dort empfindet jeweils fast jeder Zweite (49 Prozent) die Arbeitsbelastung als hoch oder zu hoch, in Italien und Finnland sind es jeweils 48 Prozent. Quelle: dpa
Die meiste Arbeit nach Hause nehmen sich die Marokkaner und Chinesen mit. 57 Prozent (beziehungsweise 45 Prozent) der Befragten gaben an, oft Arbeit zu Hause zu erledigten, um Deadlines einzuhalten. In Deutschland sind liegt die Quote bei immerhin noch 28 Prozent. Quelle: dpa
Für die meisten Russen allerdings bleibt Arbeit Arbeit und Freizeit Freizeit. Nur 16 Prozent erledigen Arbeit zu Hause, um Fristen einzuhalten. In den meisten anderen Ländern trifft das auf etwa jeden Vierten zu (etwa Frankreich: 25 Prozent, USA: 27 Prozent, Schweiz sogar: 35 Prozent). Quelle: dpa
In den Interviews haben die Forscher auch die Zustimmung zu Statements im Bezug auf die Loyalität des Arbeitsnehmers zu seinem Unternehmen abgefragt. Der Aussage „Ich sage nie etwas Schlechtes über meine Firma zu anderen“, stimmen 68 Prozent der Deutschen zu und liegen damit im oberen Bereich. Quelle: obs
Am loyalsten sind demnach Arbeitnehmer in Rumänien: 72 Prozent der Befragten stimmten dieser Aussage zu. Die niedrigste Zustimmungsrate weist Belgien auf: Dort gab nicht mal jeder Zweite (48 Prozent) an, nie schlecht über seinen Arbeitgeber zu sprechen. Quelle: dpa
Auch das Verhalten zu Kollegen ist von Land zu Land sehr unterschiedlich. Während 60 der Chinesen und 61 Prozent der Spanier angaben, sich in ihrer Freizeit häufig mit Kollegen zu treffen, sind es in Deutschland nur 39 Prozent. Quelle: gms
Am wenigstens wollen demnach die Finnen mit ihren Kollegen außerhalb der Arbeit zu tun haben: Nur 30 Prozent gaben an, sich nach dem Job häufig mit Kollegen zu treffen. Quelle: dpa
Über Probleme bei der Arbeit sprechen die meisten Arbeitnehmer mit Kollegen aus der gleichen Abteilung oder mit ihren Vorgesetzen. Doch während sich in Spanien „nur“ 56 Prozent der Befragten ihren Kollegen und dagegen 75 Prozent ihrem Chef anvertrauen, ist es etwa in Frankreich genau umgekehrt: Dort suchen die Angestellten eher ihre Kollegen (72 Prozent) als ihren Vorgesetzten (60 Prozent) bei Problemen auf. In Deutschland liegen diese Werte enger beieinander: 77 Prozent (Kollegen) und 74 Prozent (Chef). Quelle: AP
Deutliche Unterschiede gibt es beim Vertrauen der Arbeitnehmer in ihre Personal- bzw. HR-Abteilung. An die Kollegen dort wenden sich in Polen gerade mal 15 Prozent, in China dagegen 43 Prozent. In Deutschland suchen immerhin 23 Prozent der Angestellten bei Problemen die Personalabteilung auf. Quelle: Presse
Außerhalb der eigenen Abteilung, aber innerhalb der Firma (etwa bei anderen Kollegen) suchen nur 30 Prozent der deutschen Arbeitnehmer Rat, in Finnland sind es mehr als doppelt so viele (70 Prozent). Quelle: dpa
Das Unternehmen von Rundstedt HR Partners führte zwischen Anfang des Jahrs 2012 und 9145 Interviews in 16 Ländern für das international tätige Consulting-Unternehmen, BPI-Group, um ein „Stimmungsbild“ unter den Arbeitnehmern zu bekommen. Der Schwerpunkt der Studie lag auf Europa, aber auch Länder wie USA, Kanada, Brasilien und China wurden mit einbezogen. In den meisten Ländern wurden zwischen 500 und 1000 Interviews geführt - nach repräsentativen Standards. Allerdings ist etwa Afrika nur mit Marokko vertreten. Das liegt laut Rundstedt HR Partners daran, dass es als einziges afrikanisches Land Mitglied der Unternehmensgruppe ist. Von daher sind die Werte aus Marokko etwa lediglich als Vergleichsgröße zu sehen und können lediglich ein Schlaglicht auf die Situation dort werfen. Quelle: gms

Schon heute halten mehr als die Hälfte Weiterbildungsmaßnahmen in ihrem Job für zwingend erforderlich. Jeder Dritte nennt sie immerhin hilfreich. Das Bewusstsein für das lebenslange Lernen ist bei den Angestellten also vorhanden. Wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß: Während  Zweidrittel der Befragten mit Abitur oder Studium Weiterbildung für zwingend erforderlich halten, sind es bei Absolventen der Haupt- oder Realschule nur 44 Prozent. Auch Frauen schreiben der Fortbildung einen wesentlich geringeren Stellenwert zu als ihre männlichen Kollegen.

Ein Geben und Nehmen

Die Befragten sehen Weiterbildung als beidseitige Verantwortung von Arbeitnehmer und Arbeitgeber. 60 Prozent der Berufstätigen halten sich selbst für verantwortlich und rechnen damit, dass sie sich selbst um Entwicklungsmöglichkeiten kümmern müssen. 71 Prozent fordern von ihrem Arbeitgeber bessere Lern- und Weiterbildungsangebote. Im Detail: 56 Prozent wünschen sich „bessere Anleitungen zum Umgang mit neuen Geräten und Möglichkeiten“, 52 Prozent wollen „Seminare zum eigenständigen Lernen“.  Auch eine finanzielle Unterstützung wird von den Erwerbstätigen gefordert.

In Arbeit
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Die Unterstützung, die Arbeitnehmer von ihrem Unternehmen fordern, birgt prinzipiell Konfliktstoff. Denn: „Hier entsteht ein potenzieller Interessenskonflikt mit dem Arbeitgeber, der seine Mitarbeitenden natürlich nicht primär für andere Unternehmen fit machen will“, heißt es in der Studie.

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