Werner knallhart

Die fünf schlimmsten Powerpoint-Schnitzer

“Ich habe da mal eine Präsentation vorbereitet.“ Fällt dieser Satz, schütten die meisten Kollegen sofort Schlafhormone aus. Powerpoint ist verkommen zum langweiligsten Medium der Welt. Die verheerendsten Präsi-Fehler.

So gelingt Ihre nächste Präsentation
Der rote FadenEin wichtiges Merkmal für eine gelungene Rede ist der rote Faden. Erst wenn eine Ansprache logisch nachvollziehbar ist, werden die Zuhörer Ihrer Argumentation auch folgen – und sich überzeugen lassen. Die richtige Reihenfolge der Argumente im Kopf zu behalten, ist aber gar nicht so einfach. Die Loci-Methode hilft dabei, sich die Rede-Struktur einzuprägen. Dabei entsteht im Kopf eine vertraute, imaginäre Route, etwa von der eigenen Haustür bis zum nächsten Supermarkt, bei der an markanten Stellen Begriffe „abgelegt“ werden können. Bei der Präsentation oder der freien Rede können diese Schlagworte dann wieder – in der richtigen Reihenfolge – eingesammelt werden. Quelle: dpa
Gründe zeigenDer Autor Simon Sinek hat untersucht, wie es Ikonen wie Martin Luther King oder dem Apple-Gründer Steve Jobs gelang, Massen von Menschen von ihren Ideen zu überzeugen. In seinem Buch „ Start with Why“ kommt Sinek zu dem Schluss, dass sie ähnlich dachten - und sprachen. In großen Reden ging es ihnen vor allem um das
Beispiele nutzenBrillante Rhetorik, geschliffene Sätze: Niemandem nutzt die beste Rede, wenn sich kein Zuhörer den Inhalt merken kann. Aber auch dafür gibt es die richtigen Mittel: Beispiele. Lebhafte Beispiele sind häufig nicht schwer zu finden, insbesondere alltägliche Phänomene bieten sich an. Auch die beiden Wissenschaftler und Autoren Chip und Dan Heath sehen darin einen Schlüssel für eine gelungene Präsentation. In ihrem Buch „Made to Stick: Why Some Ideas Survive and Others Die“ beschäftigen sie sich mit der Kommunikation von Ideen. Ein Ergebnis: Erst mit anschaulichen, bildlichen Beispielen lassen sich Menschen überzeugen. Eine Studie ergab: Nur fünf Prozent einer Studentengruppe konnte sich an den Inhalt eines Vortrags erinnern - aber knapp zwei Drittel der Studenten konnten die Beispiele wiedergeben.
Gesten sparsam einsetzenBeim Gestikulieren gilt es, einen gesunden Mittelweg zu finden. Eine Studie der Psychologin Susan Wagner Cook von der Universität von Iowa ergab, dass gestikulierende Studenten Matheaufgaben effektiver erklären und sich zeitgleich auch eine Buchstabenfolge besser merken konnten als nicht-gestikulierende Kommilitonen. Die Psychologin vermutet, dass die Studenten durch das Gestikulieren mehr „Speicherplatz“ zur Verfügung hatten, mit dem sie sich – neben dem Erklären – noch auf eine andere Aufgabe konzentrieren konnten. Gerade bei Vorträgen ist das ein doppelter Vorteil, denn eine gute Präsentation erfordert wahre Multitasking-Fähigkeiten: Zum einen sollen die Informationen sicher vermittelt werden, andererseits muss der Redner auch die Bildschirmpräsentation bedienen oder auf Stimmungen im Publikum eingehen. Aber Vorsicht: Wer zu viel mit den Armen fuchtelt, der verliert seine Glaubwürdigkeit.
Zielgruppe beachtenNicht nur Inhalt und Wortwahl beeinflussen den Erfolg der Rede, sondern auch das Verhältnis zwischen Redner und Zuhörern. Der Rhetoriktrainer und Autor Ingo Vogel („So reden Sie sich an die Spitze“) rät, jede Rede und jeden Vortrag genau auf das Publikum abzustimmen. Denn ob die Familie, ob Kollegen oder sogar die Chefetage im Publikum sitzt, macht einen gewaltigen Unterschied. In allen Fällen gilt aber: Verbindungen aufbauen und von Gemeinsamkeiten ausgehen. In Familienkreisen können das längst vergangene Erfahrungen sein, in formaleren Situationen aber auch geteilte Sorgen oder Unternehmenserfolge.
Kurz fassen60 Sekunden - dann schweifen die Zuhörer ab. Laut Darlene Price, Autorin des Buches
Klar ausdrückenIm Mittelpunkt der Rede muss die Information stehen, nicht der Sprecher. In dem Artikel “ The New Articulate Executive : Look, Act and Sound Like a Leader“ verrät der Berater Granville Toogood Tricks für gelungene Präsentationen. Ein Tipp: Immer verständlich reden - so wie in einem Dialog. Eine Studie konnte zeigen, dass Redner sich gerne mit Fremdwörtern und Fachbegriffen schmücken um intelligent zu wirken – aber bei ihrem Publikum genau das Gegenteil erreichen.

Es gibt Dinge im Berufsleben, die lernen die meisten von uns nicht an der Uni, sondern by doing von den Kollegen, die das schon immer so gemacht haben, und die erwarten, dass die Neuen es gefälligst auch so tun.

Daher das Dösigkeits-Desaster bei Powerpoint. Als das Programm Ende des vergangenen Jahrtausends die Konferenzräume dieser Welt überflutete, erstarrten wir doch alle vor lauter Ehrfurcht: „Mein Gott! Was technisch heute alles möglich ist.“

Und so ordneten wir uns dem Programm devot unter - und machten uns zu Sklaven der Folien. Und die Praktikanten und studentischen Aushilfen wurden in die Sklaverei regelrecht hineingeboren. Heute sind viele von ihnen Chefs. Ein unheilvoller Kreislauf. Durchbrechen Sie ihn! Für eine bessere Arbeitswelt.

5 Tipps für die perfekte Rede

Schnitzer Nummer 1: „Da vorne steht alles. Lesen Sie einfach mal.“

Vor anderen zu sprechen, erfordert Mut. Ein bisschen Lampenfieber gehört dazu. Das verleitet viele zu einem Fehler: Sie verfallen der Droge Powerpoint und geben das Ruder aus der Hand. Sie tippen vorab im Büro alles auf die Folien, um sich selbst sagen zu können: „Falls ich was vergesse, steht es ja da. Da sieht es jeder.“

Doch damit reichen Sie Ihre Autorität komplett an Powerpoint weiter. Sie degradieren sich zum Vorleser. Sagen Sie dann noch Dinge wie „Da vorne steht alles. Lesen Sie einfach mal in Ruhe“, sind Sie für Ihre Zuhörer gestorben. Im schlimmsten Fall denken die sich: „Der oder die soll jetzt mal die Klappe halten. Ich kann nicht in Ruhe lesen.“

Was wollen Sie mit Ihrem Vortrag erreichen? Sie wollen Ihre Zuhörer überzeugen. Und nichts überzeugt so sehr wie ein Mensch, der voller Inbrunst und Leidenschaft vorträgt, was er unbedingt loswerden will. Keine Folie dieser Welt kann das toppen. Wenn Sie erfolgreich präsentieren wollen, müssen Sie Chef oder Chefin im Ring bleiben. Powerpoint ist Ihr Assistent. Nicht umgekehrt.

Also: Treten Sie voll ins Rampenlicht. Drehen Sie sich nicht vom Publikum ab, um vorne von den Folien abzulesen. Machen Sie sich lieber ein eigenes Manuskript. Verweisen Sie nicht auf die Folien. Sobald Sie merken, dass die Zuhörer an Ihnen vorbei nur auf die Folien starren, steht zu viel drauf. Das Zentrum des Interesses sind Sie!

Schnitzer Nummer 2: „Keine Sorge. Sie bekommen die Präsentation am Ende noch einmal per E-Mail.“

Der Super-GAU. Sie könnten genauso sagen: „Legen Sie sich ´ne Runde hin.“

Die Folien sind entweder eine Präsentation und sollen Sie bei dem unterstützen, was Sie sagen, oder die Folien sind eine Broschüre zum Immer-wieder-Nachschlagen. Beides geht nicht.

Und weil nichts so sehr besticht wie der persönliche Vortrag eines Menschen, sollten Sie sich für die Folien als Vortrags-Unterstützung entscheiden.

Eine gute Powerpoint-Folie lässt sich vom Zuhörer in maximal fünf Sekunden erfassen. Wer länger weghört, ist raus. Und das ist bitter für Sie.

Wer auf inhaltlich vollständige Folien setzt, kann sich die Zeit für den Vortrag sparen.

Schnitzer Nummer 3: sich nicht trauen, die Drama-Queen zu sein

Powerpoint kann tolle Animationen, Sounds, Formen und Farben. Aber nur Sie liefern die wahren Knaller. Bei einer tollen Grafik denken die Leute: „Da war aber jemand fleißig“. Aber wenn Sie voll auf die Dramatik Ihrer Informationen setzen, dann überzeugen Sie die Zuhörer inhaltlich. Dafür müssen Sie derjenige sein, der die Pointen knallen lässt. Überlassen Sie die Show nicht dem toten Programm.

  • 1
  • 2
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%