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Wirtschaftsanwälte 155.000 Euro für Einsteiger – und doppelte Schichten

Insbesondere die US-Kanzleien mit nur wenigen Anwälten an Bord zahlen ihren Youngsters ein um 20 Prozent höheres Jahressalär als andere. Quelle: dpa Picture-Alliance

Wenn renommierte US-Kanzleien Einstiegsgehälter von 155.000 Euro und mehr versprechen, erregt das Aufsehen – und genau darum geht es. Die obszönen Vergütungen sollen jene unter den allerbesten Nachwuchskräften locken, die bereit sind, ihr Leben hinter die Arbeit zu stellen.

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Die blanke Nachricht klingt haarsträubend und Neid erregt sie sowieso: 155.000 Euro Gehalt zahlt die US-Kanzlei Willkie Farr & Gallagher ihren Berufseinsteigern in Deutschland. Dennoch kommuniziert die Kanzlei diese Zahl nicht bloß in diskreten Gesprächsrunden mit Bewerbern, sondern geht offen damit um. Die Zahl dient nämlich als Marketinginstrument, soll ein ganz bestimmtes Image stärken und natürlich auch dafür sorgen, dass sich möglichst viele Top-Jura-Absolventen bei Willkie bewerben.

„Es immer dasselbe Szenario: Eine der sehr ertragreichen US-Kanzleien, die nur wenige Neueinstellungen im Jahr haben, prescht vor. Rasch ziehen die Kanzleien mit ähnlicher Größe und Kundenstruktur nach und irgendwann, mit gehörigen Abschlägen gegenüber der Marktspitze, die mittelständischen Kanzleien“, schildert Jörg Schneider-Brodtmann, Partner bei Menold Bezler, die zu den Top-30-Wirtschaftskanzleien gehört.

Dieses Mal ist es der US-Konkurrent Milbank, der Tage später nicht nur nachzog, sondern noch einen drauflegte. Die Kanzlei verspricht ihren Berufseinsteigern ebenso öffentlichkeitswirksam 200.000 Dollar – weltweit. In Deutschland entspricht das ungefähr 160.000 Euro Jahresgehalt. Die Aufmerksamkeit der ganzen Branche ist diesen PR-Offensiven sicher. So geht es immer wieder und das bereits seit über zehn Jahren. Ebenso lange schon rankt das Fachblatt „Azur“ in großen Tabellen die Spannen der Jahresgehälter für Berufseinsteiger von Großkanzleien wie Gleiss Lutz bis zu viel kleineren M&A-Boutiquen wie Glade Michel Wirtz.

US-Kanzleien zahlen 20 Prozent mehr

Die Faustregel lautet: Insbesondere die US-Kanzleien mit nur wenigen Anwälten an Bord zahlen ihren Youngsters ein um 20 Prozent höheres Jahressalär als andere. Angeführt von Milbank und Willkie sind die Top-Zahler jetzt Sullivan & Cromwell mit 145.000 Euro, Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom mit 140.000 Euro und 135.000 Euro bei Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan. Das liest sich so, als seien diese Spitzengehälter quasi Branchenstandard, dabei geht es nur um eine sehr kleine Gruppe: Bei Willkie Farr sind es in diesem Jahr neun Jungjuristen, bei Milbank sollen es 12 werden, bei McDermott immerhin 20.

Warum gerade die Angelsachsen so hohe Einstiegsgehälter zahlen? Der Grund sind die hohen Honorare, die sie von ihren Mandanten selbst kassieren. Diese Kanzleien berechnen ihren Kunden – meist keine deutschen Mittelständler sondern internationale Konzerne – 1.000 oder 1.200 Euro Stundenhonorar und beraten nur in wenigen, hoch bezahlten Gebieten wie M&A. Die internationalen Konzerne haben die Bereitschaft, die teils doppelt so hohen Stundensätze für Wirtschaftsanwälte zu zahlen, weil sie an die hohen Rechnungen aus USA und Großbritannien gewöhnt sind. In London und New York sind die Honorare wie die Gehälter für Juristen deutlich höher als in Deutschland, selbst Unternehmensjuristen verdienen ein Mehrfaches. Dagegen nehmen sich durchschnittliche Stundensätze hierzulande von 600 Euro für Kartellrechtler oder für M&A-Experten preiswert aus. 

Die hohen Einstiegsgehälter sind also wirtschaftlich ein lohnendes Geschäft und ein einfaches Rechenbeispiel: „Rechnet eine Topkanzlei für einen Anwalt im Schnitt eine Million Euro Umsatz im Jahr ab, bedeuten 160.000 Euro Jahresgehalt für diese perspektivisch immer noch ein sehr lohnendes Geschäft“, erklärt Jan Feigen, M&A-Anwalt bei EY Law.

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