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Wochenend- und Nachtarbeit Deutsche müssen mehr nachts und am Wochenende arbeiten

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Gestreikt wurde 2011 so selten wie nie

Wie gestresst die Deutschen sind
Die Rationalisierungen der vergangenen Jahre und eine gute Auftragslage sorgen aktuell für gute Zahlen bei vielen Unternehmen. Die Zeche zahlen vielfach die Arbeitnehmer - die Produktivität ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Laut einer Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes fühlen sich viele Mitarbeiter mittlerweile im Job überfordert. Niemand muss sich aber vom Vorgesetzten zu ständigen Höchstleistungen zwingen lassen.  "Jeder Mitarbeiter muss nur Leistungen mittlerer Art und Güte erbringen", sagt Henning Timm, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei der Kanzlei Rölfs Partner in München. Vermeintliche Minderleister haben gute Karten. Erst wenn Arbeitnehmer über einen langen Zeitraum nicht die ihnen eigentlich mögliche Leistung erbringen, kann der Chef zunächst eine Abmahnung und anschließend eine Kündigung aussprechen. Eine Kündigung hat deshalb in vielen Fällen nur geringe Erfolgschancen. Viele Unternehmen entwickeln daher spezielle Coachingsystem für schwächere Mitarbeiter oder versetzen sie auf weniger anspruchsvolle Jobs. "Bevor eine verhaltens- oder personenbedingte Kündigung ausgesprochen werden kann, muss aber klar sein, dass ein Coaching gescheitert ist, etwa, weil der Mitarbeiter weiterhin stark unterdurchschnittliche Leistungen abliefert", sagt Timm. "In der Praxis haben Arbeitgeber gegen Minderleister, die nicht mit Vorsatz Minderleistungen abliefern, häufig nur wenig in der Hand". Quelle: picture-alliance/ obs
ArbeitshetzeIn Deutschland fühlt sich jeder zweite Beschäftigte bei der Arbeit sehr häufig (21 Prozent) oder oft (31 Prozent) gehetzt. Arbeitnehmerinnen sind davon besonders betroffen. Laut DGB-Studie leiden alle Altersgruppen und Branchen an Stress. Doch manche sind besonders gefährdetet: 60 Prozent der Vorgesetzten fühlen sich im Beruf gehetzt. Die Branche, in der sich die meisten Mitarbeiter gestresst fühlen, ist das Gastgewerbe. 70 Prozent beträgt hier der Anteil der Gehetzten. Quelle: Reuters
Im Gesundheits- und Sozialwesen sind es immerhin noch 65 Prozent. Auffallend ist, dass sich Beschäftigte, die im Kontakt mit Menschen stehen, besonders oft gestresst fühlen. Quelle: dapd
Leistungsverdichtung63 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland geben an, dass sie seit Jahren immer mehr in der gleichen Zeit leisten müssen. In allen Beschäftigungsgruppen und in jedem Wirtschaftszweig berichtete eine deutliche Mehrheit, dass die Arbeitsintensität zugenommen hätte. Den Spitzenplatz der Branchen erreicht das Baugewerbe. Hier geben 73 Prozent der Beschäftigten an, zunehmend mehr leisten zu müssen. Mit 68 Prozent liegt der Gesundheitssektor auf dem zweiten Platz, dicht gefolgt vom Bereich Information und Kommunikation (67 Prozent). Von den Beschäftigten, die voll und ganz der Meinung sind, dass sie seit Jahren immer intensiver arbeiten müssen, fühlen sich insgesamt 73 Prozent gehetzt. Quelle: dpa
Urteil: Überstunden sind nicht automatisch abgegoltenKlauseln wie „erforderliche Überstunden sind mit dem Monatsgehalt abgegolten“ sind in Arbeitsverträgen nicht erlaubt. Das hat das Bundesarbeitsgericht entschieden (Az: 5 AZR 517/09 vom 1. September 2010). Geklagt hatte ein Arbeitnehmer, dessen Überstunden zwar auf einem Zeitkonto dokumentiert wurden, der dafür aber am Ende des Arbeitsverhältnisses von seinem Chef kein Geld bekommen sollte. Das Gericht hielt die Klausel nicht für ausreichend transparent, da der Umfang der Überstunden nicht klar sei. Quelle: dapd
Ständige ErreichbarkeitDas Telefon klingelt nicht nur auf der Arbeit. 27 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen sehr häufig oder oft außerhalb ihrer Arbeitszeit erreichbar sein. Deutlich über dem Durchschnitt der ständigen Erreichbarkeit liegen Vorgesetzte. 40 Prozent von ihnen gaben an, auch in Ihrer Freizeit per Mail oder Handy erreichbar sein zu müssen. Häufig (43 Prozent) geben auch Berufstätige aus dem Sektor Erziehung und Unterricht an, über die normale Arbeitszeit hinaus erreichbar sein zu müssen. Quelle: dpa
Urteil: Keine Abrufbereitschaft im UrlaubDer Chef darf seine Angestellten in der Regel nicht aus dem Urlaub zurückbeordern. Das hat das Bundesarbeitsgericht entschieden (Az: 9 AZR 405/99 vom 20. Juni 2000). Ob es dringende Gründe gibt, warum der Arbeitnehmer keinen Urlaub nehmen kann, müsse sich der Arbeitgeber vor der Gewährung des Urlaubs überlegen. Eine Abrufbereitschaft verstoße gegen den gesetzlich garantierten Erholungszweck. Quelle: dpa

1991 standen erst 42 Prozent im Erwerbsleben. Vor allem ältere Frauen suchten sich neue Jobs. Weiterhin Nachholbedarf gibt es bei den Führungskräften, unter denen der Frauenanteil trotz Wachstums nur 30 Prozent betrug. In den akademischen Berufen stieg der Frauenanteil seit 1992 um neun Punkte auf nun 44 Prozent.

Seit 2002 nahezu unverändert lag der durchschnittliche Bruttostundenverdienst der Frauen um 23 Prozent niedriger als der der Männer. An ihren Arbeitsplätzen schätzen die Deutschen unverändert Beständigkeit: Knapp die Hälfte ist seit mehr als zehn Jahren bei ihrem aktuellen Arbeitgeber.

Rückläufig ist aber die Tarifbindung: Nur noch für 61 Prozent (1998: 76 Prozent) der Arbeitnehmer im Westen und 49 Prozent (1998: 63 Prozent) im Osten sind die Kollektivverträge über Entgelt und Arbeitsbedingungen verbindlich.

In Arbeit
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Nur 43 Prozent der Beschäftigten in der Privatwirtschaft waren durch einen Betriebsrat vertreten.

Gestreikt wurde im Boomjahr 2011 selten wie nie: Mit 1,9 ausgefallenen Arbeitstagen je 1000 Beschäftigte lag der Wert deutlich unter dem langjährigen Mittel von vier Tagen und damit auch in der EU am untersten Ende der Spanne.

Etwa jeder elfte Arbeitsvertrag ist befristet (Anstieg von 5,8 Prozent im Jahr 1991 auf 9,0 Prozent), was junge Arbeitnehmer und Jobwechsler überdurchschnittlich häufig trifft. Knapp die Hälfte sagt, dass sie den befristeten Job nur angenommen hat, weil keine Dauerstelle zu kriegen war. Die anderen nannten einen Probevertrag als Grund oder waren in Ausbildung.

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