Wohlfühlen im Büro Was eine Feelgood-Managerin macht

Als Feelgood-Managerin sorgt Eva Muhr in einem Münchner Startup-Unternehmen dafür, dass sich die Mitarbeiter wohlfühlen. Immer mehr Firmen legen Wert auf angenehmes Arbeiten. Für Experten hat das Konzept Zukunft.

Feelgood-Managerin Eva Muhr schaukelt im Büro des Startup-Unternehmens

Kürzlich erst hat Eva Muhr Quiche für alle zubereitet, mit Birnen und Kürbis. Dieses Mal riecht es nach Hühnchen und Kartoffeln, auf einem Beistelltisch liegen frische Tomaten. die einst kargen Bürowände zieren geschmückte Äste.

„Ab sofort suchen wir auf Minijobbasis eine/n Feelgood-Manager (m/w)“, heißt es in einer Stellenanzeige, die das Münchner Startup Adnymics vor rund einem Monat in Umlauf brachte. „Wir wollen die Wohlfühlatmosphäre in unserem Unternehmen ausbauen und unseren Horizont erweitern“, sagt die 28 Jahre alte Sprecherin der Firma, Cathrin Grolig.

Zehn Tipps für mehr Produktivität
1. Tierfotos aufhängen…Klingt skurril, funktioniert aber tatsächlich. Davon ist zumindest Hiroshi Nittono von der Universität Hiroshima überzeugt. Für seine Studie im vergangenen Jahr teilte er 132 Freiwillige in zwei Gruppen. Gruppe A blickte zunächst auf Fotos verschiedener Kleintiere, darunter Hundewelpen und Katzenbabys. Gruppe B sah zwar ebenfalls Bilder von Tieren, allerdings von ausgewachsenen. Nun absolvierten alle Probanden unterschiedliche Geschicklichkeitsspiele. Und siehe da: In allen drei Experimenten schnitten jene am besten ab, die zuvor die Tierbabys angeschaut hatten. Nittono glaubt: Beim Anblick niedlicher Tiere wird uns sprichwörtlich warm ums Herz. Und dieses Gefühl kann offenbar auch unsere geistigen Fähigkeiten steigern – zumindest kurzfristig. Quelle: REUTERS
2… oder einen echten Hund anschaffenVorausgesetzt natürlich, der Arbeitgeber stimmt zu. Doch mit ziemlicher Sicherheit werden es ihm die Angestellten mit mehr Leistung danken. Zu diesem Ergebnis kam auch eine Studie, über den der britische „Economist” vor einigen Jahren berichtete. Darin sollten sich die Freiwilligen zum Beispiel Ideen für einen Werbespot ausdenken. Bei manchen hatte es sich unter dem Konferenztisch ein Hund gemütlich gemacht – und genau jene Probanden waren am kreativsten. Außerdem fühlten sie sich auch am wohlsten. Quelle: dpa
Geschenke verteilenHöhere Löhne? Boni für besondere Leistungen? Alles schön und gut – aber kleine Geschenke helfen viel mehr. Das glaubt etwa Sebastian Kube, Verhaltensökonom an der Universität Bonn. In seiner Studie sollten im Jahr 2011 48 Studenten drei Stunden lang die Bücher einer Bibliothek katalogisieren – für zwölf Euro Stundenlohn. Doch Gruppe A gestattete Kube im Verlauf des Experiments eine Gehaltserhöhung von 20 Prozent. Gruppe B schenkte er einen Gutschein für eine Thermoskanne im Wert von sieben Euro. Kaum zu glauben: Die Lohnerhöhung brachte gar nichts. Wirksam war hingegen der Gutschein: Er steigerte die Produktivität im Schnitt um 30 Prozent. Kube erklärt sich dieses Ergebnis mit dem so genannten Reziprozitäts-Effekt. Vereinfacht gesagt: Wer uns etwas schenkt, dem fühlen wir uns anschließend verpflichtet. Wer von seinem Unternehmen also ein Geschenk erhält, erhöht im Anschluss sein Engagement. Quelle: Fotolia
4. Im Internet surfenNoch immer soll es Unternehmen geben, die ihren Angestellten verbieten, während der Arbeit privat im Netz herumzusurfen – ein großer Fehler. Das zumindest legt eine Studie aus dem Jahr 2011 nahe. Don Chen und Vivien Lim von der Nationaluniversität von Singapur reichten 96 Studenten einen Text mit einer Länge von 3500 Wörtern. Darin sollten sie 20 Minuten lang jedes „E“ markieren – eine zugegebenermaßen stupide Aufgabe. Dann teilten die Wissenschaftler die Probanden in drei Gruppen. Die einen mussten eine zehnminütige Zusatzaufgabe lösen, die anderen konnten entspannen, wieder andere durften im Internet herumsurfen. Jetzt bekamen alle einen 2000 Wörter langen Text, in dem sie jedes „A“ kennzeichnen sollten. Wer sich am besten schlug? Jene Gruppe, die zuvor im Netz herumgesurft war. Offenbar sorgte Surfen für Entspannung und lud den geistigen Akku am besten auf. Quelle: Reuters
5. Mit Kollegen tratschenDie Psychologin Kathryn Waddington von der Universität von London befragte für ihre Studie im Jahr 2005 knapp 100 Krankenschwestern und –pfleger. Ergebnis: Ein kurzer Plausch in der Kaffeeküche oder in der Raucherecke war für die meisten eine gute Gelegenheit, um Frust und Freude zu teilen – und sich letztendlich wieder besser auf die Arbeit zu konzentrieren. Quelle: Fotolia
6. Musik hörenMusik hat durchaus magische Kräfte. Das konnte 2008 auch Costas Karageorghis von der Brunel-Universität in London nachweisen. 30 Freiwillige strampelten sich auf einem Laufband ab und lauschten währenddessen unterschiedlicher Musik. Und siehe da: Liefen die Freiwilligen zu einem Rhythmus von 120 bis 150 Pulsschlägen pro Minute, brachten sie bis zu 15 Prozent mehr Leistung – und fanden das Training außerdem weniger anstrengend. Quelle: dpa
7. Pflanzen mitbringenEin norwegisch-amerikanisches Forscherteam um Ruth Raanaas ließ für eine Studie im Jahr 2011 34 Studenten verschiedene Aufgaben lösen. Die eine Hälfte war derweil von Blumen und Pflanzen umgeben, die andere nicht. Mehrmals testete Raanaas die Aufnahmefähigkeit und Konzentration der Probanden – und stellte fest: Die Blumen-Gruppe schnitt jedes Mal besser ab. Offenbar steigerte die Flora die geistigen Fähigkeiten. Quelle: dpa

Das junge Unternehmen ist spezialisiert auf die Erstellung von personalisierten, individualisierten Paketbeilagen. Mit Kaffeeecke, Sofas und Tischkicker sorgte die Firma schon früher für ein angenehmes Arbeiten. Nun ging sie einen Schritt weiter.

Auf das Stellengesuch meldeten sich etwa 25 Bewerber, drei von ihnen stellten sich persönlich vor. Die Wahl fiel auf die 54 Jahre alte Eva Muhr. Zweimal pro Woche kauft sie seither für die Firma ein, kocht für die gesamte Belegschaft, bringt Farbe in die grauen Räume - oder hört ihren Kollegen einfach nur zu.

„Das ist genau das, was ich gerne mache: Ich tobe mich gerne in der Küche aus - und ich tobe mich gerne kreativ aus, mit Basteleien und Verschönerungen“, sagt Muhr, die zwei Söhne im Alter von 22 und 25 Jahren hat. „Und ich mag es, mich um Leute zu kümmern.“ Die studierte Landschaftsplanerin arbeitete in einem Obst- und Gemüsegeschäft, dann suchte sie eine neue Herausforderung. Schließlich wurde sie auf die Anzeige aufmerksam.

In ihrem Team kam die Wohlfühlbeauftragte sofort gut an. Benjamin Gosse aus dem Vertrieb bezeichnet sie als Puzzlestück und wichtigen Baustein. „Weil du dich nicht mehr kümmern musst: Muss die Küche saubergemacht werden? Oder: Geht die Milch wieder aus?“

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