Work-Life-Balance Die Deutschen beklagen Mangel an Privatleben

Nur jeder zweite deutsche Arbeitnehmer findet, dass sein Arbeitgeber für einen guten Ausgleich von Beruf und Privatleben sorgt. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Unternehmensberatung Hay Group.

Die Berufe mit den höchsten und niedrigsten Stressgraden
Platz 5:Höchste Stressbelastung: Koch Niedrigste Stressbelastung: Sozialarbeiter * Die Stressbelastung von Berufen basiert auf 15 verschiedenen, stressfördernden Faktoren, wie z.B. Termindruck, Wettbewerbsintensität, körperliche sowie emotionale Belastung. Die Summe der Faktoren bestimmt das Ranking. Je schädlicher der Stress eingestuft wurde, desto höher wurde er dabei gewichtet. Quelle: dpa
Platz 4:Höchste Stressbelastung: Journalist Niedrigste Stressbelastung: Sekretär Quelle: dpa
Platz 3:Höchste Stressbelastung: Pilot Niedrigste Stressbelastung: Übersetzer Quelle: dpa/dpaweb
Platz 2:Höchste Stressbelastung: Facharzt Niedrigste Stressbelastung: Bibliothekar Quelle: dpa
Platz 1:Höchste Stressbelastung: Bohrhelfer Niedrigste Stressbelastung: Rezeptionistin Quelle: AP

Die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland fühlt sich beim Thema Work-Life-Balance von ihrem Arbeitgeber im Stich gelassen. Noch weniger Vertrauen in ihren Arbeitgeber als die Deutschen haben die Franzosen. Dort meinen nur 41 Prozent der Mitarbeiter, dass ihr Unternehmen sie dabei unterstützt, Arbeits- und Privatleben miteinander in Einklang bringen zu können. Bessere Zeugnisse stellen die Spanier ihren Arbeitgebern aus. Dort fühlt sich mehr als die Hälfte (56 Prozent) vom Arbeitgeber unterstützt. Weltweit ist die Zufriedenheit in Zentral- und Nordamerika am höchsten. So geben 70 Prozent der Zentralamerikaner an, dass ihr Arbeitgeber für eine gute Work-Life-Balance sorgt. In Nordamerika sind es 65 Prozent. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Umfrage der internationalen Unternehmensberatung Hay Group, in die Antworten von 5 Millionen Mitarbeitern aus 400 Unternehmen weltweit eingeflossen sind.

Für Arbeitgeber ist das keine gute Nachricht. "Denn mehr als jeder vierte Arbeitnehmer (27 Prozent) weltweit wechselt seinen Arbeitsplatz, wenn er mit der Work-Life-Balance nicht zufrieden ist“, sagt Mandy Rehmann, Leiterin von Hay Group Insight für Deutschland/ Österreich/ Schweiz.

Mitarbeiter, die keinen Mangel an Privatleben empfinden, sind außerdem auch finanziell offenbar genügsamer. Die Studie ergab, dass weltweit 58 Prozent aller Studienteilnehmer, die ein ausgewogenes Arbeits- und Privatleben haben, finden, dass sie für ihre Arbeit fair bezahlt werden. Bei den Mitarbeitern, die ihr Privatleben wegen des Jobs vernachlässigen müssen, sind es dagegen nur 36 Prozent. Auch trauen 71 Prozent der Mitarbeiter mit guter Work-Life-Balance ihrem Unternehmen zu, dass es ihm gelingt, Top-Talente zu rekrutieren. Bei den Mitarbeitern mit unzureichenden Ausgleichsmöglichkeiten sind es hingegen nur 45 Prozent.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Rehmann sieht die Arbeitgeber in der Pflicht: „Überall auf der Welt sehen wir einen Trend zur Effizienzsteigerung. Das bedeutet: Mitarbeiter müssen mit immer weniger deutlich mehr leisten. Das führt dazu, dass die Arbeitnehmer immer unzufriedener mit der Work-Life-Balance werden.“ Die in diesem Zusammenhang stets angeführten Maßnahmen, wie Heimarbeit oder flexible Arbeitszeiten, seien nur vermeintliche Lösungen, die nicht ausreichen, um dieser Unzufriedenheit erfolgreich zu begegnen. „Statt dessen müssen die Unternehmen auf der ganzen Welt ihre Mitarbeiter stärker unterstützen, damit sie produktiver arbeiten können und somit wieder mehr Zeit für ihr Privatleben haben“, fordert Rehmann.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%