Work-Life-Balance Nicht ohne meine Arbeit

Die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben verwischen immer stärker - dennoch zeigt eine neue Studie: Die Arbeitnehmer in Europa sind trotzdem zufrieden.

Welche Berufe am wenigsten krank machen
MedienschaffendeInsgesamt wurden Daten von 4,1 Millionen bei der TK Versicherten ausgewertet. Extrem wenig krankheitsbedingte Ausfälle finden sich in medialen Berufen. Hier melden sich Angestellte durchschnittlich nur 11,8 Tage im Jahr krank . Doch die Medienmacher sind noch nicht die Spitzenreiter bei den geringsten Fehlzeiten. Quelle: dpa
AgrarberufeBerufstätige im Agrarbereich kommen durchschnittlich auf 17,2 Fehltage im Jahr. Damit liegen sie etwas über dem Durchschnitt. Erklären lässt sich dieses Ergebnis mit der oft körperlich anstrengenden Arbeit. Zu beachten ist allerdings auch der sogenannte „Healthy Worker Effect“. Körperlich überdurchschnittlich gesunde Personen werden gezielt für besonders schwere Tätigkeiten angestellt. So können je nach Berufsgruppe trotz hoher Belastung relativ geringe Erkrankungsraten resultieren. Übrigens: Während Männer häufiger an Verletzungen der Gelenke leiden, erkranken Frauen öfter an den Atemwegen. Quelle: dpa
Bau- und HolzberufeIn den Bau- und Holzberufen fehlen die Angestellten mit am häufigsten. Sie melden sich im Schnitt rund 21,5 Tage im Jahr krank. Das lässt sich zum Teil dadurch erklären, dass ein Handwerker grundsätzlich einem höheren Verletzungsrisiko ausgesetzt ist, als zum Beispiel ein Versicherungsangestellter. Quelle: dpa
ElektroberufeWie Turner auf einem Strommast erscheinen die Arbeiter im Bild. Auch wenn das scheinbare Risiko der Situation es nahe legen mag: Elektro-Angestellte sind nicht allzu oft krankgeschrieben. Männer bringen es nur auf 15,4 Fehltage im Jahr. Frauen fehlen dafür in dieser Berufssparte besonders oft: 20,1 Tage im Jahr. Frauen lassen sich allerdings auch insgesamt öfter krankschreiben als Männer. Sie fehlen durchschnittlich drei Tage im Jahr länger als ihre männlichen Kollegen. Quelle: dapd
Ordnungs- und SicherheitsberufeDie Ordnungs- und Sicherheitsbeauftragten fehlen im Vergleich etwas öfter als der Durchschnitt. Während Männer 16,4 Tage im Jahr fehlen, lassen sich Frauen durchschnittlich 18,3 Tage im Jahr krankschreiben. Quelle: dpa
Friseure / Gästebetreuer / Hauswirtschafter / ReinigerFriseure, Gästebetreuer, Hauswirtschafter und Reiniger fehlen erstaunlich häufig. Im Schnitt ist diese Berufsgruppe rund 19,6 Tage im Jahr krankgemeldet. Quelle: dpa
Sozial- und Erziehungsberufe, SeelsorgerBei den Sozial- und Erziehungsberufen fällt eines besonders auf: Männer fehlen mit 11,3 Tagen im Jahr sehr selten, Frauen im Vergleich mit 17,8 Tagen eher häufig. Gründe für Krankmeldungen sind nicht immer körperlichen Ursprungs. Oft spielt auch psychischer Druck eine große Rolle. Quelle: dpa
Gesundheits- und PflegeberufeRund 15 Fehltage im Jahr sind es bei den Angestellten im Gesundheits- und Pflegedienst. Damit liegen sie im Vergleich im oberen Durchschnitt der Studie. Quelle: dpa
VerwaltungsberufeAngestellte von Verwaltungsberufen weisen die geringsten Fehlzeiten auf. Sie melden sich durchschnittlich nur 11,5 Tage im Jahr krank. Neben dem jeweiligen Berufsrisiko spielen auch Berufszufriedenheit und Arbeitsklima eine wichtige Rolle in Bezug auf Krankmeldungen. Quelle: AP
ALG-I-EmpfängerALG-I-Empfänger sind laut Studie am längsten krank. Sie melden sich durchschnittlich 28,7 Tage im Jahr als arbeitsunfähig – vor allem wegen psychischer Belastung. Quelle: dpa

Längst Feierabend, aber die Gedanken noch bei der Arbeit. Ein Leben im dauernden Stand-by-Modus, immer auf Abruf - das scheint mittlerweile für einen großen Teil der Menschen in Europa Realität zu sein.

Mehr als zwei Drittel der Beschäftigten in Deutschland sagen, dass ihre Arbeit sie auch außerhalb der Arbeitszeit in Anspruch nimmt. Zu diesem Ergebnis kommt das aktuelle Edenred-Ipsos-Barometer zu Wohlbefinden und Motivation am Arbeitsplatz.

Für die Studie wurden 8.800 Arbeitnehmer aus acht europäischen Ländern befragt. In Deutschland nahmen 800 Mitarbeiter an der Umfrage teil.

Das Barometer liefert deutliche Ergebnisse: 51 Prozent der Deutschen werden bisweilen auch außerhalb am Feierabend von der Arbeit in Anspruch genommen. Jeder fünfte Befragte gibt an, dass dies sogar häufig der Fall sei.

Besonders auf Management-Ebene scheint es schon fast normal zu sein, am Feierabend, an Wochenenden oder im Urlaub zu arbeiten. "Hyperinklusion" nennen Soziologen dieses Phänomen des totalen Einsatzes für das eigene Unternehmen.

Nimmt Sie Ihre Arbeit auch außerhalb der Arbeitszeit in Anspruch? Quelle: EdenredIpsosBarometer

Dieses Bild spiegelt sich europaweit wieder: Über alle befragten Länder hinweg bestätigen 84 Prozent der Studienteilnehmer in Management-Position, sich in ihrer Freizeit mit der Arbeit zu beschäftigen. Bezogen auf alle Positionen im Unternehmen, relativiert sich der Wert auf immer noch beachtliche 67 Prozent.

Ein neues Arbeitsethos?

Wenig verwunderlich ist daher, dass die mit Arbeit verbrachte Zeit zu den größten beruflichen Sorgen zählt. In Deutschland gilt das für 30 Prozent der Befragten, zwölf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Diese Verschiebung zeigt: Während in wirtschaftlich angeschlagenen Ländern wie Spanien, Italien und Portugal der Erhalt des Arbeitsplatzes nach wie vor das wichtigste Thema ist, nimmt in Ländern mit einer mittlerweile wieder recht stabilen Wirtschaftslage eher die Sorge um den Zeitumfang der Arbeit zu. In Schweden ist dies sogar die mit Abstand größte berufliche Sorge. In Frankreich, Deutschland und Großbritannien rangiert weiterhin das Gehalt an erster Stelle.

Was ist aktuell Ihre größte berufliche Sorge? Quelle: EdenredIpsosBarometer

Überraschend ist angesichts dieser Ergebnisse, dass dennoch die große Mehrheit bei ihrer Arbeit glücklich ist. Dies sagen 91 Prozent der deutschen Befragten. Im europäischen Vergleich gehört Deutschland damit neben Belgien und Portugal zu den Spitzenreitern.

Die Macher der Umfrage folgern daraus, dass die Arbeitnehmer mit ihrem Beruf so zufrieden sind, dass sie dafür das Verwischen der Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben in Kauf nehmen.

Es scheint sich ein neues Arbeitsethos zu etablieren: Ständige Erreichbarkeit, Vertrauensarbeitszeit und flexible Arbeitsmodelle werden als selbstverständlich angesehen.

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