Xing-Arbeitsmarktstudie Akademiker wollen Work-Life-Balance, Arbeiter Sicherheit

Das Karrierenetzwerk Xing hat mehr als 4000 Deutsche befragt, wie zufrieden sie mit Job, Chef und Gehalt sind. Wie die Deutschen arbeiten wollen.

Wie sich die Arbeitswelt 2035 von heute unterscheidet
Für die einen ist es reiner Broterwerb, für andere Lebensinhalt und Erfüllung. Dabei unterliegt Arbeit in der Neuzeit einer ständigen Veränderung. Der Erfindung der Dampfmaschine folgte die industrielle Revolution. Fast noch stärker verändert hat die Arbeit der Computer. Und mit der sogenannten Industrie 4.0, der Vernetzung der Produktion, steht schon die nächste Veränderung an. Arbeitsmarktforscher haben einen Blick in die Zukunft geworfen. So sieht nach ihren Erkenntnissen Arbeit in 15 bis 20 Jahren aus... Quelle: Fotolia
Die Arbeit geht uns nicht ausZwar werden weiterhin Jobs im Zuge der fortschreitenden Rationalisierung, vor allem in der Produktion, wegfallen. „Aber mit den neuentstehenden Bedürfnissen werden mehr neue Arbeitsplätze geschaffen als durch Rationalisierung wegfallen“, prophezeit der Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Sozialforschung (IAB), Joachim Möller. Als Beispiel sei hier das Smartphone genannt. Quelle: Fotolia
Künftige Beschäftigte müssen mehr wissen und könnenDenn viele der heute noch üblichen Routinearbeiten auch in Büros werden wegfallen - etwa der Beruf des Buchhalters. Die neuen Arbeitsplätze werden anspruchsvoller und erfordern eine bessere Ausbildung. „Gefragt ist künftig vor allem Problemlösungskompetenz“, prognostiziert Möller. In der vernetzten Industrie 4.0 hat gute Chancen, wer Produktions- und Digitalwissen zugleich hat. Quelle: Fotolia
Der Roboter wird zum "Kollegen" Quelle: dpa
Es gibt auch weiterhin einfachere JobsVor allem im Versand, aber auch in anderen Dienstleistungsbranchen wird es auch künftig Chancen für weniger gut ausgebildete Menschen geben. In den USA hat in den vergangenen Jahren die Zahl der gering qualifizierten Beschäftigten sogar zugenommen. In Deutschland erwarten Arbeitsmarktforscher aber tendenziell eine sinkende Zahl solcher Beschäftigungen. Quelle: dpa
Es sind deutlich weniger Menschen arbeitslos:Die Bundesregierung hält in ihrem „Grünbuch Arbeiten 4.0“ eine Arbeitslosenquote von rund 3 Prozent im Jahr 2030 für realistisch; dies entspräche nach heutigem Stand etwa einer Million Jobsuchern. IAB-Arbeitsmarktforscher Enzo Weber ist vorsichtiger: Um dieses „Fernziel“ erreichen zu können, müsste die Arbeitslosigkeit von heute an monatlich um 10 000 sinken. Dafür seien aber weitere Anstrengungen in der Bildung und für den Arbeitsmarkt wichtig. Ein Hauptproblem: Vielen Langzeitarbeitslosen fehlt die Qualifikation für freie Stellen. Quelle: dpa
Die Arbeit wird flexiblerArbeiten am Wochenende, am späten Abend oder in der Nacht wird künftig verbreiteter sein als heute. Denn die stärkere weltweite Vernetzung der Firmen und eine Produktion, die rasch auf kurzfristige Nachfrage reagieren muss, werden die Betriebe nach Ansicht des Bundesarbeitsministeriums stärker unter Druck bringen. Die Gefahr besteht, dass für die Beschäftigten Freizeit weniger planbar wird. IAB-Chef Möller sieht in der größeren Flexibilität der Arbeitswelt aber auch eine Chance für die Beschäftigten, wenn sie selbst mitgestalten können. Quelle: Fotolia

Wie erleben die Berufstätigen in Deutschland Führung? Was ist ihnen wichtiger, Selbstbestimmung oder Sicherheit? Und halten deutsche Arbeitnehmer ihre Tätigkeit eigentlich für sinnvoll? Das Karrierenetzwerk Xing hat zusammen mit Statistikportal Statista mehr als 4000 Deutsche befragt: Wie zufrieden sind Sie mit ihrem Job, ihrem Chef, ihrem Gehalt? Wo hapert es und was erwarten Sie von der Zukunft? Was müsste sich ändern, damit aus dem notwendigen Übel Job der Traumarbeitsplatz wird? Und wie steht es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie?

Im Rahmen der Studie wurden unterschiedliche Arbeitnehmer-Typen definiert und fünf relevante Segmente gebildet. Je nach Gruppe variieren die Bedürfnisse und Wünsche. Die Studienergebnisse zeigen jedoch, dass den meisten Deutschen nichts so wichtig ist, wie ihre Sicherheit. Und je schlechter jemand seinen eigenen Marktwert einschätzt, desto höher ist verständlicherweise das Bedürfnis nach einem sicheren Arbeitsverhältnis. Andere Faktoren wie Gehalt oder Arbeitsatmosphäre stehen bei diesen Arbeitnehmern hinten an.

Die Typologie der Arbeitnehmer: Wer wie lange arbeitet und wie viel verdient

Stimmung gut, Bezahlung mies

Die gute Nachricht für Führungskräfte: Gut die Hälfte der Arbeitnehmer bewertet ihren Vorgesetzten durchweg positiv. 55 Prozent loben die Kommunikation ihrer Chefs, 54 Prozent die Erreichbarkeit für Mitarbeiter und 52 Prozent fühlen sich von ihrem Vorgesetzten wertgeschätzt. Was die Zusammensetzung der Teams angeht, mögen es die Deutschen bunt. Die Mehrheit sagte, es sei eine Bereicherung ist, mit Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen zu arbeiten. Nur neun Prozent der Befragten sehen hier ein Problem. Mehr als die Hälfte der Befragten arbeitet direkt mit Kollegen aus anderen Kulturkreisen zusammen.

Doch es sind nunmal nicht nur die Menschen, die zur Zufriedenheit mit dem Job beitragen. Und speziell ihre finanzielle Situation bewerten die Deutschen weniger optimistisch als ihre Arbeitsatmosphäre: Zwar sagen 46 Prozent, dass sie von ihrem Gehalt gut leben können. Vier von zehn Befragten halten ihr Gehalt auch für angemessen. Allerdings glauben nicht einmal 29 Prozent, dass sie mit ihrem Gehalt allein eine Familie ernähren können. Bei den Frauen liegt dieser Wert sogar nur bei 16 Prozent.


Harmoniebedürftige Akademiker

Entsprechend würden insgesamt 44 Prozent der Arbeitnehmer auf flexible Arbeitszeiten zugunsten eines höheren Gehalts verzichten. Nur für die Wissensarbeiter käme das überhaupt nicht in Frage. Autonomes Arbeiten und eine flexible Gestaltung ihrer Arbeit sind ihnen überdurchschnittlich wichtig. Die Akademiker unterscheiden sich in ihren Bedürfnissen und Ansprüchen allerdings insgesamt deutlich von den restlichen Befragten:

In Arbeit
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So sagen 32 Prozent aller Befragten, dass sie für eine positive Arbeitsatmosphäre auf Geld verzichten würden. Bei den Akademikern sind 39 Prozent bereit, finanzielle Einbußen in Kauf zu nehmen, wenn die Arbeitsatmosphäre stimmt beziehungsweise die Arbeit sie ausfüllt. Den Wissensarbeitern ist außerdem überproportional wichtig, dass die Produkte oder Leistungen des Arbeitgebers zum Gemeinwohl beitragen und sie sich mit dem Unternehmen identifizieren können. "Um Wissensarbeiter ans Unternehmen zu binden, sind Freiräume, Flexibilität und Atmosphäre wichtig", betont Xing-Chef Thomas Vollmoeller. "Pointiert gesagt, sind Begriffe wie Normalarbeitsverhältnis, Telearbeit und Bildschirmarbeitsverordnung nicht geeignet, den Erwartungen der Wissensarbeiter gerecht zu werden."

In einem Punkt sind sich jedoch alle einig: Fünf Stunden weniger arbeiten pro Woche wäre toll.

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