Zehn Jahre nach der Einführung Minijobs haben sich etabliert

Zehn Jahre nach der Einführung der Minijobs meldet die dafür zuständige Behörde die 250.000. Anmeldung in einem Privathaushalt. Vor allem Putz- und Pflegehilfen in Familien gehören zu den Minijobbern.

Wo Schwarzarbeit weit verbreitet ist
Rang 21: USADass die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten auf hohem Niveau stagniert, hat keine gravierenden Auswirkungen auf die Schwarzarbeit. Das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) hat die Entwicklung der Schattenwirtschaft in ausgewählten OECD-Ländern untersucht. Das Ergebnis: Den geringsten Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) macht Schwarzarbeit – also Tätigkeiten, die im Prinzip auch legal ausgeübt werden könnten, die jedoch den öffentlichen Stellen nicht gemeldet werden, damit keine Steuern und Sozialbeiträge gezahlt werden müssen – in den USA aus. Nach Prognosen des IAW wird der Anteil der Schwarzarbeit am BIP 2012 wie im Vorjahr bei 7,0 Prozent liegen – und damit einen Wert von deutlich über eine Billion US-Dollar betragen. Quelle: AP
Platz 9: FinnlandFinnland hat die Schwarzarbeit in den vergangenen Jahren etwas eingedämmt. 2003 lag ihr Anteil am finnischen BIP bei 17,6 Prozent. 2011 lag der Wert nur noch bei 13,7, im kommenden Jahr soll der Anteil gar auf 13,3 Prozent sinken. Dennoch gehen dem Euro-Land damit Steuereinnahmen in Milliardenhöhe verloren. Schließlich wurden Arbeitsleistungen im Wert von rund 24 Milliarden Euro dem Finanzamt vorenthalten. Quelle: dpa
Platz 8: DänemarkWie Deutschland wird auch in Dänemark in diesem Jahr die Schwarzarbeit einen Anteil von 13,4 Prozent am BIP einnehmen. Die Schattenwirtschaft summiert sich damit auf einen Wert von über 30 Milliarden Euro. 2009 lag der Anteil der illegalen Wertschöpfung am BIP noch bei 14,3 Prozent. Quelle: REUTERS
Platz 8: DeutschlandWie 2012 landet Deutschland auf Rang 8. Dank der positiven Wirtschaftsentwicklung und der positiven Lage auf dem Arbeitsmarkt wird sich der Umfang der Schattenwirtschaft in Deutschland laut IAW weiter reduzieren. Die Modellschätzungen sagen für 2013 voraus, dass die Schwarzarbeit von 13,4 Prozent im Jahr 2012 auf 13,2 Prozent zurückgeht. Das ist immerhin das niedrigste Niveau seit 20 Jahren. Quelle: dpa
Platz 6: Norwegen und SchwedenIn Skandinavien ist der Anteil der Schwarzarbeit am BIP insgesamt überraschend hoch, auch in Norwegen und Schweden. Er wird in beiden Ländern laut IAW-Prognose für 2012 bei 14,3 Prozent liegen. In Norwegen werden damit Arbeitskosten in Höhe von etwa 44 Milliarden Euro am Finanzamt vorbeigeschmuggelt, in Schweden in Höhe von rund 50 Milliarden Euro. Quelle: dapd
Platz 6: SchwedenBei Norwegens Nachbar Schweden ist die Schwarzarbeit sogar noch etwas weiter verbreitet. Im laufenden Jahr erwarten die Experten einen Anteil der Schattenwirtschaft am BIP von 13,9 Prozent. Im Vergleich zu 2012 ist das aber ein leichter Rückgang um 0,4 Prozent. Quelle: AP
Platz 5: BelgienSeit 2009 ist in Belgien der Anteil der Schwarzarbeit am Bruttoinlandsprodukt kontinuierlich gesunken. Waren es 2009 noch 17,8 Prozent, so sollen es 2013 nur noch 16,4 Prozent sein. Quelle: dpa

Obwohl geschätzt vier Millionen Deutsche schwarz bei einem privaten Arbeitgeber arbeiten, ist die Minijob-Zentrale der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See (KBS) mit der Zahl der Anmeldungen zufrieden: „Die Anmeldung ist freiwillig und es drohen keine Kontrollen - anders als bei den rund sieben Millionen Minijobbern im gewerblichen Bereich“, sagte Erik Thomsen, Leiter der Minijob-Zentrale in Essen.

In Deutschland gibt es schätzungsweise vier Millionen sogenannter Schwarz-Helfer: Die Schwarzarbeit-Quote steigt mit Alter, Einkommen und Bildung der Haushaltsvorstände. Fast jeder fünfte Haushalt ist tolerant gegenüber Schwarzarbeit, fast jeder Zehnte hat bereits ohne große Gewissensbisse illegal eine Haushaltshilfe beschäftigt. Elf Prozent können sich vorstellen, dies zu tun. Die Arbeitgeber kommen aus Westdeutschland, haben Abitur und verfügen über ein Haushaltseinkommen von mehr als 2000 Euro netto im Monat. Und: Ein schlechtes Gewissen haben sie meist nicht, wenn sie Haushaltshilfen heimlich beschäftigen. Das ist das Ergebnis einer Forsa-Umfrage vom September vergangenen Jahres im Auftrag der Minijob-Zentrale zum durchschnittlichen Arbeitgeber, der Helfer im Haushalt schwarz bezahlt.

Arbeitgeber, die auffliegen, müssen mit Bußgeld bis 5000 Euro rechnen. Dabei kann jeder, der seine Haushaltshilfe auf Minijob-Basis anmeldet, von den Ausgaben jährlich bis zu 510 Euro von der Einkommenssteuer absetzen. Oft lehnen die Helfer selbst jedoch die Legalisierung ab: Sie haben mehrere Mini-Jobs und liegen damit über der Verdienstobergrenze von 450 Euro im Monat.

Der Arbeitgeber muss pauschal 14,44 Prozent des Arbeitsentgelts abführen. Jeweils fünf Prozent werden in die Kranken- und Rentenversicherung eingezahlt, zwei Prozent sind Pauschalsteuer, 1,6 Prozent gehen an die gesetzliche Unfallversicherung und 0,84 Prozent sind für Aufwendungen bei Krankheit, Schwangerschaft und Mutterschaft gedacht.
Der Arbeitnehmer im Privathaushalt zahlt, sofern er sich nicht von der Versicherungspflicht in der Rentenversicherung befreien lässt, 13,9 Prozent in die Rentenkasse ein. Im gewerblichen Bereich gibt es knapp sieben Millionen Minijobs, für sie gelten andere Regelungen.

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