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Zeitmanagement „Das Wann ist so wichtig wie das Wie“

Daniel Pink

Der US-Bestsellerautor Daniel Pink hat für sein neues Buch die Psychologie des perfekten Timings entschlüsselt. Ein Gespräch über frühes Aufstehen, späte Erkenntnisse und warum die Mitte des Lebens kein schlechter Zeitpunkt sein muss.  

Herr Pink, bei Ihnen ist es neun Uhr morgens. Gutes Timing für ein Interview?
Ziemlich gut, ja. Ich bin eher ein Morgenmensch. Ich bin seit etwa eineinhalb Stunden wach, hatte einen Kaffee und ein kleines Frühstück und bin jetzt in meinem Büro.

Perfekt, dann lassen Sie uns gleich loslegen. Sie sagen, Sie sind ein Morgenmensch. Woher wissen Sie das? Haben Sie sich getestet?
Ja, es gibt tatsächlich einen einfachen Test, den jeder Zuhause nachmachen kann, um seinen so genannten Chronotyp herauszufinden.

Wie funktioniert das?
Man nimmt sich einen freien Tag, an dem man so lange schlafen kann, wie man will. Dann schaut man, zu welcher Zeit man müde ist und ins Bett geht und wann man wieder von selbst aufwacht. Mit diesen beiden Punkten findet man seine eigene Schlafmitte. Ich gehe üblicherweise gegen Mitternacht ins Bett und wache um acht Uhr auf. Meine Schlafmitte wäre vier Uhr morgens.

Was schließen Sie daraus?
Liegt die Schlafmitte später als 5.30 Uhr, ist man eher spät aktiv, also eine Nachteule. Liegt sie früher als 3.30 Uhr, ist man eher ein Frühaufsteher, also eine Lerche. Ich liege in der Mitte, aber tendiere Richtung morgen.

Und dieses Wissen hilft Ihnen, Ihren Tag zu strukturieren?
Genau. Weil ich meinen Chronotyp kenne, weiß ich, welche Art von Arbeit ich wann am besten mache. Für Morgenmenschen wie mich, das zeigt die Forschung, ist der Vormittag der beste Zeitpunkt, um konzentriert analytische Aufgaben anzugehen. Dann kommt das Mittagstief, das Bermuda-Dreieck unseres Tages. Da würde ich Dinge tun, die mich geistig nicht fordern, etwa Mails beantworten oder anderer Papierkram. Gegen späten Nachmittag ist dann die beste Zeit, kreativ zu werden, weil das Gehirn weniger wachsam ist und mehr Einflüsse und Ideen von außen zulässt.

Für Ihr neues Buch „When – Der richtige Zeitpunkt“ wollten Sie herausfinden, ob es für bestimmte Handlungen am Tag oder Ereignisse im Leben den richtigen Zeitpunkt gibt. Wie nutzen Sie Ihre besten Stunden am Vormittag?
Wenn ich ein Buch oder einen längeren Artikel schreibe, versuche ich, um diese Zeit möglichst viel zu Papier zu bringen. Ich habe keinen langen Weg zur Arbeit, denn ich arbeite in der Garage hinter meinem Haus. Ich bringe weder mein Mobiltelefon dorthin, noch checke ich meine Mails. Ich setze mir ein Ziel, etwa 700 Wörter zu schreiben und ich erlaube mir nichts anderes zu tun, bis ich diese Zahl an Wörtern aufgeschrieben habe.

Sie sind streng zu sich.
Nur so weiß ich, dass ich meine besten Stunden für meine wichtigsten Arbeiten nutze. Wenn ich um 8.30 Uhr anfange, bin ich manchmal um 10.30 Uhr fertig, manchmal dauert es auch bis Mittag. Und an richtig schlechten Tagen sitze ich eben bis 14 Uhr da.

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