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Zeitmanagement „Das Wann ist so wichtig wie das Wie“

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Pause öfter und bewusster einplanen

Haben Sie das schon immer so gemacht oder hat die Arbeit an Ihrem Buch Sie darauf gebracht?
Meine Recherchen haben mir tatsächlich dabei geholfen, meinen persönlichen Zeitplan zu verändern. 90 Prozent der Wörter für dieses Buch habe ich vor Mittag getippt. Es ist ein bisschen peinlich das zuzugeben, aber von den sechs Büchern, die ich geschrieben habe, ist dieses das erste, das ich pünktlich abgeben konnte.

Ein persönliches Selbsthilfe-Buch also?
Ja, in gewisser Weise schon. Aus der Forschung kann man einige ziemlich gute Hinweise ziehen, wann und wie man Pausen machen sollte. Ich habe gelernt, sie öfter und bewusster einzuplanen.

Bewusster?
Ja, ich schreibe mir schon morgens auf, dass ich nachmittags eine Pause machen werde. Heute steht zum Beispiel um 15.30 Uhr ein Spaziergang im Kalender, auch wenn das Wetter in Washington gerade ziemlich schlecht ist.

So tickt Ihre innere Uhr
06.00 bis 08.00 Uhr: In die Gänge kommenSobald der Morgen dämmert, Licht in unsere Augen dringt, wird die Produktion des Gute-Nacht-Hormons Melatonin gedrosselt. Herzschlag, Blutdruck und Adrenalinspiegel steigen an. Und katapultieren den Morgentyp aus den Federn. In dieser Zeit ist das Risiko höher, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden, weil das Blut noch dickflüssig ist und die Gefäße eng sind. Quelle: Lothar Seiwert, Zeit ist Leben, Leben ist Zeit Quelle: Fotolia
Kein-Stress Quelle: Fotolia
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Pause Quelle: Fotolia
Das-zweite-Tageshoch Quelle: Fotolia
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Stunden-der-Sinne Quelle: Fotolia

Warum ein Spaziergang?
Ich habe um 16 Uhr ein längeres Interview. Und um diese Zeit bin ich, wie ich bereits sagte, nicht mehr ganz so wach wie am Morgen. Frische Luft und Bewegung sind dann gut, damit ich mich ein wenig aktiver und lebendiger fühle. Wenn ich 15 Minuten spaziere, erfrischt mich das so sehr, dass ich 25 Minuten weniger arbeiten muss, weil ich ausgeruhter bin und mehr Energie habe.

Ihre Tipps klingen gut umsetzbar für einen Autor, der Zuhause arbeitet. Angestellte können ihren Zeitplan aber oft nicht frei gestalten. Was empfehlen Sie diesen Menschen?
Üben Sie Kontrolle aus, wo Sie sie haben. Das können kleine Dinge sein, beantworten Sie etwa nicht auf dem Höhepunkt Ihrer geistigen Wachheit stumpfe Mails. Außerdem kann man das Gespräch mit Vorgesetzten suchen und sie für das Thema sensibilisieren.

Wie können Vorgesetzte helfen?
Diese Menschen bestimmen den Zeitplan. Wenn sie eine Besprechung über wichtige Kennzahlen um 8 Uhr am Morgen terminieren, dann ist eine Nachteule nicht im Vollbesitz ihrer analytischen Kräfte. Wenn sie ein kreatives Brainstorming machen wollen, sind Morgenmenschen am Nachmittag in einer besseren Stimmung dafür. Das müssten Vorgesetzte in die Planung einbeziehen. Doch sie tun es nicht, weil sie nur darauf schauen, wer wann Zeit hat und nicht, wer wann dazu in der Lage ist.

Manchmal kann aber auch die Chefin den Zeitplan nicht beeinflussen.
Das stimmt, aber ich gebe Ihnen ein Beispiel, wie man damit umgehen kann. Sagen wir, Sie sind eine absolute Nachteule, ein Meeting um 8 Uhr morgens ist für Sie pure Folter. Wenn Sie es nicht verschieben können, müssen Sie sich darauf so gut es geht vorbereiten in der Zeit, in der Sie am leistungsfähigsten sind, in diesem Fall also am späten Nachmittag des Vortages. Schreiben Sie genau auf, was Sie am nächsten Tag wissen müssen und wo Sie nachhaken wollen, damit Sie sich nicht im Halbschlaf auf ihr Gedächtnis verlassen müssen. Und machen Sie fünf Minuten vor der Besprechung eine kurze Pause, in der Sie sich bewegen, das macht nachgewiesen wach.

Bevor man so handelt, muss ich erst mal das Bewusstsein dafür haben, dass ich zu dieser Tageszeit kaum arbeiten kann.
Genau. Das habe ich selbst erst gelernt, nachdem ich all diese Forschung angeschaut habe: Unsere kognitiven Fähigkeiten und unsere geistige Stärke sind nicht den ganzen Tag über gleich, sie verändern sich zum Teil dramatisch, aber meistens vorhersehbar. Manchmal sind sie richtig für eine Sache, manchmal für eine andere. Das ist kein Zeichen der Schwäche, das ist die Natur des Menschen. Für mich ist das wirklich frustrierende an dieser Erkenntnis, dass ich sie erst jetzt im Alter von 50 habe.

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