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Zeitmanagement „Das Wann ist so wichtig wie das Wie“

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Stärker priorisieren

Ist Timing alles?
Wann wir etwas tun, ist nicht wichtiger als wie wir etwas tun. Aber es ist zumindest gleich wichtig.

Angeblich vergeht die Zeit gefühlt schneller, weil wir so viel zu tun haben. Teilen Sie diese Aussage?
Ich glaube nicht, dass das immer zutrifft. Ein Grund, warum es sich vielleicht so anfühlen mag, ist, dass 99 Prozent von uns furchtbar schlecht im Multitasking sind. Wir machen aber trotzdem ständig Dinge gleichzeitig und kommen nicht voran. Ich denke, es wäre besser, etwas überlegter und vorsätzlicher zu handeln und stärker zu priorisieren. Also sich zu fragen: Was kann ich zu diesem Zeitpunkt am besten, und sich darauf zu konzentrieren.

Sie lassen sich also nie ablenken?
Sagen wir so: Sie haben mich auf meinem Smartphone angerufen. Wenn wir stattdessen über Skype an meinem Laptop reden würden und das Smartphone läge neben mir, müsste ich es ganz bewusst weit weglegen, sonst wäre ich die ganze Zeit versucht, draufzuschauen, während wir reden. Diese Geräte sind unwiderstehlich.

In Ihrem Buch suchen Sie nicht nur den richtigen Zeitpunkt für bestimmte Handlungen am Tag, sondern auch für bestimmte Entscheidungen im Leben. Den Tagesablauf bestimmt der Chronotyp, welche Hilfestellung haben Sie für den Lebensverlauf ausgemacht?
Das Leben ist nicht ganz so leicht zu unterteilen wie ein Tag, der nach 24 Stunden endet. Das Leben verläuft nicht linear, sondern setzt sich zusammen aus einer Folge von einzelnen Episoden, die jeweils Anfänge, Mitten und Enden haben.
Was wären solche Episoden? Beziehungen, Arbeitsverhältnisse?
Ja, wenn Sie etwa vier Jahre lang für eine Firma arbeiten, ist das eine Episode. Oder wenn Sie zur Uni gehen. Oder wenn Sie Eltern werden und Kinder haben, die Zuhause wohnen. All das sind Episoden, die zu Ende gehen. Sie wechseln den Arbeitgeber, Sie machen Ihren Abschluss, die Kinder ziehen aus.

Inwiefern spielt Timing dabei eine Rolle?
Alles was einen Anfang und ein Ende hat, hat naturgemäß auch eine Mitte. Und die Mitte einer Episode im Leben ist ein besonderer Punkt. Er hat ganz bestimmte Auswirkungen auf unser Verhalten. Da wäre einerseits die so genannte Mid-Life-Crisis, die Menschen runterzieht, weil sie nicht das erreicht haben, was sie bis dahin erreichen wollten. In anderen Zusammenhängen motiviert uns die Mitte.

Wann zum Beispiel?
Wenn ein Projekt in der ersten Hälfte eher schleppend voranging, merkt man jetzt: Wir haben nicht mehr viel Zeit, wir müssen jetzt richtig arbeiten, damit wir rechtzeitig fertig werden. Deshalb ist es so wichtig, diese Mitte so deutlich wie möglich zu machen, damit wir sie als eine Art Wecker nutzen können, um uns für die zweite Hälfte zu motivieren.

In der Hälfte jedes Projekts sollte man also ein Meeting zum Wachwerden veranstalten?
Das wäre eine gute Idee. Die Forschung dazu zeigt, dass das fast automatisch passiert, weil jemand nach der Hälfte merkt: Wir haben die halbe Zeit verschwendet, jetzt müssen wir aber mal anfangen. Als Teamleiter kann man das aber auch aktiv ansetzen. Und man sollte sich auch nicht zu viel sorgen, wenn man ein wenig zurückhängt, denn auch diese Tatsache kann zusätzlich motivieren.

Nach der Mitte kommt das Ende einer Episode. Dafür gibt es aber nicht immer eine Frist. Wann man einen Schlussstrich ziehen muss und etwa seinen Job kündigen sollte, ist kaum genau zu bestimmen.
Das ist wirklich schwer zu wissen und es gibt dafür auch kein perfektes Timing. Es gibt aber ein paar allgemeine Regeln, die helfen können. Zum Beispiel zeigt die Forschung, dass Menschen eher kündigen, wenn sie ein Firmenjubiläum feiern, sei es nach genau einem, nach zwei oder nach zehn Jahren. Man kann solche Daten als Meilensteine sehen, um zu schauen, wie man sich gerade in diesem Unternehmen, mit diesen Kollegen und bei dieser Aufgabe fühlt. Und sich dann vorstellen: Sehe ich mich beim nächsten Jubiläum noch hier? Nein? Dann ist es Zeit sich nach etwas Neuem umzusehen.

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